Abſchlußklaſſe ſoll ſich beſonders in der Behandlung des in beiden Klaſſen an ſich gleichen Lehrſtoffes von der normalen IIb unterſcheiden. Im Lehrziel tritt, wenigſtens formal, zunächſt keine Anderung ein. Als Erweiterung bringt die Klaſſe den wahlfreien Handfertigheits— unterricht. Der wiſſenſchaftliche Unterricht iſt zahlenmäßig in beiden Klaſſen gleich, wenn vielleicht auch in den gruppenmäßig zuſammenhängenden Fächern eine Verſchiebung eintreten kann.— Für die Fremdſprachen ſtehen Lektüre und Streben nach praktiſcher Verwendbarkeit des Lehrſtoffes im Vordergrund. Schriftliche Arbeiten in ſinngemäßer Anwendung bleiben beſtehen. Die IIbA berückſichtigt in Mathematik unter Verminderung theoretiſcher Aufgaben das bürgerliche Rechnen.— Die IIbA will den Schülerinnen eine mehr auf das praktiſche Leben zugeſchnittene Ausbildung geben und vor allem ſolchen Mädchen dienen, die auf Fortſetzung wiſſenſchaftlicher Studien verzichten. In Betracht kommen für die Abſchlußklaſſe alſo in erſter Linie die künftigen Haustöchter, Frauenſchülerinnen, dann auch ſolche, die etwa den Beruf der Kindergärtnerin, techniſchen Lehrerin, ſozialen Fürſorgerin u. ä. zu wählen gedenken, ſolange keine Umgeſtaltung in den Lehrplänen und Ausbildungskurſen dieſer Schularten und Berufe eintritt.— Wir baten die Eltern, etwaige Wünſche einer Zuteilung zu einer Abſchluß- oder Normalklaſſe uns rechtzeitig zukommen zu laſſen, bemerkten aber, daß die Entſcheidung über die Verteilung der Schülerinnen bei der Schule liegen muß.— Wir werden im Schuljahr 1928/29 zwei Normalklaſſen und eine Abſchlußklaſſe haben.
Auch in dieſem Jahr veranſtalteten wir am Jugendfeiertag Klaſſenwanderungen durch unſere ſchönen Waldungen. Die Gruppen verſammelten ſich zur gemeinſamen Feier an der Ludwigseiche. Dort hielt Studienaſſeſſor Dr. Spalt eine von Liedern und Gedichten umrahmte Anſprache.— Bei der Verfaſſungsfeier, bei der Vorträge unſeres Orcheſters, des Chores und Gedichte einzelner Schülerinnen zu Gehör gebracht wurden, hatte Studienrat Koch die Feſtrede übernommen; bei der ähnlich verlaufenen Hindenburgfeier ſprach Frl. Darmſtädter und der Gefallenen des Weltkrieges gedachte bei der vor dem Totenſonntag alljährlich ſtatt⸗ findenden Trauerfeier unſer Amtsgenoſſe Reallehrer Haſter und am 75. Geburtstage des Staatspräſidenten Ulrich ſprach Studienrat Schömer.— Am 27. Auguſt hielt der in der Arbeit für das Deutſchtum im Ausland ſeit Jahren erfolgreich tätige Oberſtudiendirektor Treut einen Filmvortrag.— Sechs Oberklaſſen beſuchten die Muſikausſtellung in Frank⸗ furt a. M.— Anläßlich eines mehrtägigen Kurſes der heſſiſchen Phyſiklehrer zeigte unſere Anſtalt in drei verſchiedenen Arbeitsgruppen, was ein neuzeitlich eingerichtetes Lyzeum in den wahlfreien, aber erfreulicherweiſe von ſämtlichen Schülerinnen beſuchten praktiſchen Übungen dieſes Unterrichtszweiges— zu dem ſich übrigens ähnliche Übungen in Biologie und Chemie geſellen— zu leiſten vermag. Die Anteilnahme an den ſonſtigen Sonder⸗ einrichtungen der Frauenſchule, der Schulküche, des Kindergartens tat offenſichtlich kund, daß viele unſerer heſſiſchen Amtsgenoſſen ſeither noch keine Gelegenheit hatten, einmal in das Weſen einer Frauenſchule einen Einblick zu gewinnen.— Dankbar müſſen wir erwähnen, daß im Laufe des Schuljahres unſerem von 86 Kleinkindern beſuchten Kindergarten eine wertvolle Bereicherung durch die Zuweiſung des dem Schulgebäude gegenüberliegenden, weit ausgedehnten Parkes ſeitens der Stadtverwaltung geworden iſt. Es iſt eine Luſt, unſere Kleinen dort zu beobachten. Am Faſtnacht⸗Dienstag erfreute ſie das Kaſperltheater.
Die monatlichen Ausflüge werden regelmäßig von uns durchgeführt. Daneben traten noch folgende Reiſen, Wanderungen und Beſichtigungen: Vom 15. bis 21. September unter⸗ nahmen etwa 50 Frauenſchülerinnen, wie alljährlich, eine Studienfahrt, geführt von Dr. Avemarie, begleitet von dem Direktor und Frl. Schmuck. Das Ziel war diesmal„das Herz Deutſch⸗ lands“, das klaſſiſche Weimar. Ehe wir aber dorthin ſtrebten, ſtreiften wir durch Eiſenach mit ſeinen Erinnerungen an Luther und Bach und ſtiegen zur trotzigen Landgrafenfeſte, zur „Königin der deutſchen Burgen“ empor, zur Wartburg, die Fr. Lienhard mit Weimar
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