Aufsatz 
Ansprache, gehalten bei der Schlußfeier des Lehrerseminars Friedberg, am Mittwoch, dem 23. Februar 1927
Entstehung
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In keinem Zimmer war ein Ofen. Ticht(Stearinkerze) durfte nur bis 9 Uhr abends brennen; doch wir brauchten am erſten Tag keine, hatten auch keine. Umgelegt. gleich einge⸗ ſchlafen; wir waren ſehr abgeſpannt. Nach kurzer Zeit regte ſich der Eine; der Andere warf ſich laut herum und brummte; die Viecher ließen uns keine Ruhe in der erſten Zeit. Kaum hell, heraus; das Bett raſch aufgerüttelt, mit Waſchſchüſſel, Handtuch und Seife in die Waſch⸗ küche im Erogeſchoß gewandert. Dort ſtand in großen Bütten das Waſſer zum Waſchen, Waſſerleitung gab es damals nicht. War man fertig, das Waſſer auf den Stein geſchüttet und mit dem Handwerkzeug wieder nach Nr. 31 geſprungen.Kaffee könnt Ihr, ſagten dieAlten, beim Koſtwirt Ockel trinken, müßt ihn aber extra bezahlen. Am erſten Morgen wurde kein Kaffee getrunken. Ein Schluck Waſſer und ein Stück Brot aus der Kiſte genügte für heute; man war noch zu fremd. Vom 2. Cage an trank ich bei Ockel meinen dünnen Kaffee; Herz⸗ klopfen bekam ich nicht davon, von Auf⸗ oder Anregung habe ich nichts verſpürt. Jetzt richtig gemuſtert der Odenwälder hatte einen Spiegel mitgebracht, der wurde allgemeines Zimmer⸗ gut im Spiegel betrachtet, Heft, Feder, Beeiſtift zur Hano, und es ging in die erſte Stunde, um 6 Uhr! Die Stundenverteilung 1867 war: Von 68 Yoll⸗, von 8 10 Abteilungs⸗, von 1012 Uhr wieder Vollſtunden; die anderen Stunden lagen nachmittags von 2 Uhr ab. Die erſte Stunde war Geographie bei Roth(ein alter, etwas menſchenſcheuer Selehrter, Sohn vom l. Direttor des Seminars). Ich ſaß als letzter vom Alphabet am Schluß. Oft muß ich an dieſe Geographieſtunde denken. Die erſte Frage bekam ich; ſie hieß: Wo iſt Oſten? Ich ſtellte mir raſch mein Heimatdorfchen vor; dort ging die Straße von Oſten nach Weſten. Von Frieo⸗ berg kannte ich nur die Kaiſerſtraße. Ich dachte, dieſe geht auch von Oſten nach Weſten, und ich deutete dementſprechend. Die anderen 4 auf der vorderſten Bank machten es auf Befragen mir nach, wahrſcheinlich hatte keiner überlegt, oder ſollte es Sympathiekundgebung geweſen ſein! Da lächelte der alte Herr auf dem Katheder und ſagte nur:lllorgen etwas früher aufſtehen und ſehen, wo in Frieoberg die Sonne aufgeht. Am anderen Morgen wußte ich, wo in Fried⸗ berg Oſten iſt; allein niemand fragte meyr danach. In meiner Teyrtätigteit habe ich hie und da in meinem Geographieunterricht die verhängnisvolle Frage geſtellt und ſiehe, die Seminariſten ich wählte ſelbſtverſtändlich keinen Frieoberger fielen wie ich ſeinerzeit hinein.

Mittag⸗ und Abendeſſen(28 Kreuzer= 80 Pf. den Tag) hatten wir bei Ockel. Die beiden Hilfslehrer Soldoan und Schmiodt beaufſichtigten das Eſſen und aßen mit, der eine in Kl. l, der andere in Kl. lI. Waren ſie nicht da, dann hatte der betreffende Saalaufſeher(ſpäter nannte man ſie Klaſſenälteſten) die Aufſicht. Mir fiel das nicht beneidenswerte Aemtchen als Saalaufſeher meiner Klaſſe zu; man hatte mich einfach vorerſt dazu ernannt, ſpäter wurde es von der Klaſſe gutgeheißen. Doch ich war froh, wenn der Hilfslehrer auf ſeinem Platze ſaß. Ich war von Haus aus gewohnt, zu eſſen, wie es die Mutter getocht hatte; eine Kruik war ausgeſchloſſen. Doch im Seminar gab es einige Rörgler; die hatten beſtändig auszuſetzen, erſt leiſe, dann lauter, namentlich wenn der Hilfslehrer feylte. Bald merkte ich, daß es faſt immer ſolche waren, die zu Hauſe lange nicht ſo gutes Eſſen hatten wie hier. Da ließ ich die Be⸗ ſchwerde, die ich als Seminariſt dem Tehrer oder dem Direktor vorbringen ſollte, weg; und ich fand bald die Zuſtimmung aller gut geſitteten Kameraden. War jedoch die Beſchwerde be⸗ gründet, dann verhandelte ich ohne Zwiſchenperſonen mit dem Koſtwirt. Für was Tehrer oder Direttor damit behelligen? Der Koſtwirt kam mir immer entgegen; war z3. B. eins der 3 ge⸗ ſottenen Eier, die jeder zu Salat an einem Abend in der Woche bekam, nicht gut, ſo wurde es abgegeben, und der Koſtwirt gab ein anderes; ſo auch mit manchem Stückchen Wurſt. Solches kommt doch in jeder Haushaltung einmal vor, da macht man nicht viel Aufhebens.

Die Unterrichtsweiſe im Seminar war 1867 ganz anders als 2 oder 3 Jahre ſpäter. Wer das nicht miterlebt hat, wird es jetzt kaum verſtehen. Im Arbeitsgebäude ſtanden auf dem Gang verſchließbare Käſten neben und übereinander. Darin wurden Hefte, Bücher und andere Unterrichtsſachen aufbewahrt. Jeder hatte ſo einen Kaſten. Vorn, nicht weit vom Eingang, befand ſich ein großer Schrank, ein wichtiges Möbel; denn darin lagen viele Brote, nicht Schau⸗, ſondern Eßbrote. Die Aufſicht darüver hatte ein Seminariſt. Für Geld konnte man hier Brot bekommen; es war nicht notig, deshalb in die Stadt zu laufen und Brot unter dem Arm heimzutragen.

Wie ging es nun im Anterricht her? Zunächſt im erſten Jahr: Geſchichte, Seographie, Sprachlehre hatte Roth; er diktierte, fragte wenig. Ein Buch wurde uns nicht empfohlen. So wird man es heute nicht machen. Paäoagogit(Birektor Steinberger) wurde vorgetragen, ſelten gefragt, die Hauptſätze diktiert. Sie hanoelten von Erziehung im allgemeinen, dann phyſiſche