Aufsatz 
Ansprache, gehalten bei der Schlußfeier des Lehrerseminars Friedberg, am Mittwoch, dem 23. Februar 1927
Entstehung
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Philipp Koch und Tehrer Wilhelm Braun wurden an die Nuuſterſchule(Stadtſchule) in Friedberg verſetzt; Tehrer Karl Heberer kam an die Stadtſchule in Mainz; Schulverwalter Hans Adrian wurde abgebaut; vom Miniſterium des Innern wurde er mit Beginn des Schul⸗ jahres mit der Verwaltung einer Tehrerſtelle an der Polizeiſchule in Babenhauſen beauftragt. Das Inventar der Seminarſchule wurde in der Hauptſache von der Aufbauſchule übernommen; ein Teil der Bänke und anderes Schulgerät wurde an die Stadt Friedberg verkauft; die Bücherei wurde dem Pädagogiſchen Inſtitut in Darmſtadt überwieſen.

Durch Verfügung des Tandesamts für das Bildungsweſen vom 21. 4. 1926, zu Nr. T. f. d. B. 12 803, wurde das Tehrerſeminar in Frieèberg verwaltungstechniſch aufgehoben. Von dieſem Zeitpunkt ab wurde das geſamte Perſonal des ſeitherigen Lehrerſeminars, ſoweit es nicht in⸗ zwiſchen ausgeſchieden war, der Aufbauſchule zugeteilt, die in ſeine Räume eingezogen iſt.

Die letzte Klaſſe des Lehrerſeminars, die nur 8 Schüler hatte, wurde nach beſtandener Ab⸗ gangsprüfung am 23. Februar 1927 entlaſſen.

Am ſelben Tage wurde das Tehrerſeminar nach einer einfachen Feier geſchloſſen.

Das Tandesamt für das Bildungsweſen hatte als Vertreter Herrn Schulrat Friedrich entſandt; ebenſo waren die Friedberger ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden und die Schulen vertreten; viele ehemalige Tehrer und Schüler der Anſtalt waren zur Schlußfeier erſchienen. Seminariſt Heinrich Sommer hielt einen Vortrag über:Das deutſche Kulturgut als Grundlage der Schularbeit. Der Schülerchor trug einige Männerchöre vor, darunter einen Chor von Peter Müller, dem erſten Friedberger Seminarlehrer; Studienrat Kuhn ſang 2 TLieder von Otto Höcker, einem der letzten Muſikdirektoren am Seminar. Das Schüler⸗ orcheſter ſpielte das Larghetto aus der 2. Symphonie von Beethoven; und der Aufbauſchüler Volz und Studienrat Kuhn ſpielten das Adagio für Yioline und Harmonium von Johann Sebaſtian Bach. Die Schlußanſprache, die wir in der Beilage! abdrucken, hielt der Direktor. Es war ein ergreifender Augenblick, als dann Herr Schulrat Friedrich im Auftrag der Re⸗ gierung mit Worten des Dankes an die Direktion und den Lehrkörper das über 100 Jahre alte Tehrerſeminar ſchloß! Das gemeinſam geſungene Tied:Ach bleib mit deiner Gnade beendete die Feier, die nach den Zeitungsberichten auf alle Anweſende einen tiefen Eindruck machte.

Auf Wunſch der Direktion hat Herr Schulrat Süß ſeine Erinnerungen an das Seminar in Friedberg niedergeſchrieben, die wir in der Anlage 2 aboͤrucken.

3 b: Die Entwicklung der Aufbauſchule: Mit Beginn des Schuljahres wurde die Klaſſe Ib neu errichtet. Für die unterſte Klaſſe, die IlIb, lagen 61 Anmeldungen vor, doch zurfte zufolge behördlicher Anordnung nur eine Klaſſe aufgenommen werden. 7 Anmeldungen wurden zurückgewieſen. Zur Aufnahmeprüfung erſchienen 50 Schüler; 36 wurden aufgenommen, und zwar alle zur Probe. Bis zum Herbſt traten 12 Schüler wieder aus.

Wegen des endgültigen Lehrplans der Aufbauſchule fanden wiederholt Sitzungen des Lehrerrats ſtatt. Der Tehrkörper ſucht entſchloſſen das Bildungsziel der Deutſchen Oberſchule zu verwirklichen. Daher ſetzte er ſich auch dafür ein, daß als erſte Fremoͤſprache das Engliſche eingeführt wurde und das Tatein an die zweite Stelle trat.

Das Schülerheim reicht nicht mehr aus, alle Schüler, die darin wohnen wollen, aufzu⸗ nehmen, und zwar um ſo weniger, als eine ganze Anzahl von Räumen ihrem eigentlichen Zweck entzogen ſind.(Lehrer⸗ und Schülerbücherei beanſpruchen 5 Zimmer; 2 Tehrſäle ſind eingerichtet worden!) Um Platz zu ſchaffen, ſollen das Bindernagel'ſche Haus, Burg 11, und der Dach⸗ ſtock des Lehrbaues geräumt werden; leider hat die Friedberger Stadtverwaltung weder das eine noch das andere bis jetzt frei gemacht.

4. Beſichtigungen durch die vorgeſetzte Behörde: Herr Staatsrat Block beehrte die Anſtalt am 13. Auguſt, 4. September und 23. November mit ſeinem Beſuch; ebenſo Herr Miniſterialrat Glückert am 16. September 1926.

5. Geſundheitszuſtand der Schüler: Am 8. Mai 1926 erkrankte ein Schüler des Schülerheims an Diphtheritis; er wurde ſofort in das Krankenhaus gebracht. Alle Maßnahmen wurden getroffen, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Glücklicherweiſe iſt ein weiterer Fall nicht vorgekommen. Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im allgemeinen gut; im Januar trat die Grippe in ſtärkerem Maße auf; beſonders im Schülerheim breitete ſie ſich ſtark aus; am 25. Januar wurde die Anſtalt vom Kreisgeſundheitsamt auf acht Tage geſchloſſen; am 3. Februar wurde der Anterricht wieder aufgenommen.