Aufsatz 
Proces / Franz Kafka ; priredio Zlatko Crnković
Entstehung
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Bei der Nachricht von seinem Tode erhob sich in der Mosel- und Rheingegend eine große Trauer. Trier und Köln wetteiferten in Bemühungen, sich die kostbare Reliquie zu verschaffen. Niemand konnte aber den Leichnam von der Stelle bewegen. Da hielten die kirchlichen Oberen einen Rat, ließen den Leichnam in ein Boot ohne Ruder und Segel legen und überließen es der göttlichen Vorsehung, ihn an den Ort seiner Bestimmung zu bringen. Das Boot trieb zuerst die Mosel hinunter, dann den Rhein hinauf und in die Lahn hinein.

Deren Ufer waren damals noch mit dichten Wäldern bedeckt, in denen zwar noch viele wilde Tiere hausten, aber nur wenig Menschen wohnten. Auch Burgen von Gewalt- herrschern und feste Plätze für Räuber oder handeltreibende Kaufleute gab es in der Gegend noch nicht. Da staunte der Fluß über den ungewohnten Lauf des Schiffleins, Berge und Hügel und die Bäume in den Wäldern tönten wieder von dem Lob eines solchen Schutzheiligen. Die wilden Tiere des Gebirges hüpften bei seinem Anblick vor Freude, die Quellen ergossen sich reichlicher mit ihren Bächen durch die Fluren dahin, die Fische selbst schwammen in munterem Spiel vor und neben dem Nachen hin, da sie merkten, daß es kein für sie gefährlicher Fischerkahn war. Was soll ich gar von den Vögeln sagen? Nicht nur diejenigen, welche in der Luft, sondern auch die im Wasser leben, grüßten den heiligen Gottesmann statt der Menschen, indem sie mit den Flügeln Beifall schlugen und mit den Schnäbeln girrten. Steht doch auch die unvernünftige Kreatur unter der Gewalt der Heiligen, wie die Raben des Elias, die Löwen Daniels und der Walfisch des Jonas beweisen!

Inzwischen kam der denkwürdige Tag heran, an dem der von Engeln geleitete Leib des seligen Lubentius an dem Felsen anlangte, auf dem ein Bethaus namens Diet- kirchen erbaut war.

Ein reicher Bauer namens Dietger aus dem etwas weiter oberhalb des Flusses ge- legenen Dorfe Dehrn hörte einst von seinen Viehhütern, daß der mit dichtem Wald be- deckte Felsen öfters in himmlischem Glanze erstrahle und durch den Besuch von Engeln geheiligt werde. Er überzeugte sich auch selbst von der Wahrheit des Berichtes, ließ dort ein Bethaus errichten und entschlief darin glücklich, nachdem er den Rest seines Lebens unter Anrufung der Gnade Christi ebenda zugebracht hatte.

Hier hielt das Boot an. Viele fromme Leute, Kleriker und Laien, waren zugegen, welche den Leib des heiligsten Schutzpatrons begleitet hatten. Da entstand ein Erdbeben, daß der ganze Felsen erzitterte. Alle Anwesenden bezeugten, daß das Gottes Finger sein müsse, liefen demütig herzu, hoben den Heiligen Gottes aus dem Boot und verherr- lichten seinen Namen mit Hymnen und Psalmen. So wurde unser Patron in der ge- nannten Kapelle in aller Demut beigesetzt und ruht nun dort, durch mancherlei Wunder und Segnungen in alle Ewigkeit verherrlicht

Soweit die Legende, die also von dem Apostel des Lahngaus'noch nichts weiß. Erst in späterer Zeit ehrten die Trierer Erzbischöfe das Andenken des Lubentius dadurch, daß sie den Presbyter von Covern zum ersten Chorepiscopus(Landbischof) in Dietkirchen machten und seinen Nachfolgern neben der selbständigen bischöflichen Verwaltung des christlichen Lahngebietes die erste Stelle unter ihren übrigen Landbischöfen einräumten. Die Lahnschiffer aber verehrten Lubentius besonders als ihren Schutzheiligen und wid- meten seiner Kirche u. a. ein silbernes Schifflein, das noch 1525 gezeigt wurde.