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die Tatsache, daß sich die eine dieser Iuschriften im Boden des Schützenhofs fand, ist nur zu verstehen, wenn man annimmt, daß dieser Mittelpunkt römischen Lebens schon zerstört war, als die Germanen in seinem Bereich einen Toten bestatteten. Meist nach Otto. 6. Lubentius.
Nach einer aus dem Anfang des 12. Jahrh. stammenden Prierer Uberlieferung hätte sich allerdings schon viel früher der heil. Lubentius zufolge einer von Gott empfangenen Offenbarung zu den Germanen jenseits des Rheins begeben und an dem Lahnflusse eine KEirche erbaut, in der er auch ruht“. Diese zu Dietkirchen, unweit Limburg hoch auf einem Felsen über der Lahn stehende, weit ins Land schauende Kirche, in der noch heute ein Reliquienschrein ihres angeblichen ersten Gründers aufbewahrt wird mit der Inschrift: Hic requiescit corpus S. Lubentii confessoris(Hier ruht der Leichnam des heil. Bekenners Lubentius), gilt daher heute noch vielfach als die älteste Kirche des Landes und der heil. Lubentius als der Apostel des Lahngaus. Ob aber der Trierer Presbyter Lubentius, der schon in älteren Nachrichten erwähnt wird, jemals in Dietkirchen gewesen und dort ‚im Reckenforste“ gepredigt hat, von den übrigen Ausschmückungen mittel- alterlicher Phantasie ganz zu schweigen, ist selbst nach der jener Annahme widersprechen- den, aus dem früheren Mittelalter stammenden Lebensbeschreibung des Heiligen, die geradezu einen gewissen Dietger aus Dehrn als Gründer jener Kirche nennt, höchst zweifelhaft. Wir haben es hier vermutlich mit einer jener häufigen Translationen(Uber- führungen) von Märtyrerreliquien zu tun, die aus dem Bedürfnis der neugegründeten Kirchen nach solchen Gebeinen für ihre Altäre(Apoc. 6, O f.) entstanden sind.
Die für solche Translationen höchst charakteristische Legende, die übrigens in ihrem ersten Teil fast wörtlich einer aus dem 8. Jahrhundert stammenden Biographie des heil. Maximin entnommen ist, lautet etwa: Der fromme Bischof Maximinus von Trier, bei dem sich einst der heil. Athanasius in der Verbannung aufgehalten hatte, war im fernen Aquitanien gestorben. Sein Nachfolger Paulinus wünschte, daß Lubentius, ein geistlicher Sohn des heil. Martin von Tours, der Lieblingsschüler des Verewigten, seine Gebeine hole. Von mehreren Klerikern und den eifrigen Gebeten und Segenswünschen des Volkes begleitet, machte sich Lubentius auf den Weg und forschte allenthalben in Aquitanien nach des Seligen Grab, konnte aber nirgends eine befriedigende Antwort bekommen. Während dieser fruchtlosen Nachforschungen geschah es einmal, daß alle Gefährten ermüdet in Schlaf versanken, Lubentius allein betete an einsamer Stelle, daß es dem Herrn gefallen möge, seines Dieners Ruhestätte zu offenbaren. Da raunte ein Schäferjunge vorbei und rief den Namen des St. Maximinus an, weil er ein vom Weg abgekommenes Schäflein zurückholen wollte. Freudig begrüßte Lubentius den gebenedeiten Namen als ein günstiges Vorzeichen, nahm ungesäumt den Schäferjungen ins Verhör, der ihm bereit— willig berichtete, wo des Heiligen Leib ruhe. Jetzt ging Lubentius zu den Gefährten und weckte sie auf, um mit ihnen zu beten. Und während sie beteten, trat ein Engel des Herrn vor sie und sprach zu Lubentius:»Wisse, daß dort des frommen Priesters Gebeine bestattet sind. Der Kirche Schlüssel bewahrt aber der schlafende Küster unter seinem Kopfkissen. Suche also des Schlüssels habhaft zu werden und entführe sodann den Schatz, nach welchem Du trachtest!« Alles gelang auch nach Wunsch und glück- lich hat Lubentius das Heiligtum nach Trier überbracht. Von Trier kehrte Lubentius in seine Pfarrei Covern an der Mosel zurück, wo er am 13. Oktober 351 entschlief.


