Aufsatz 
Proces / Franz Kafka ; priredio Zlatko Crnković
Entstehung
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5. Das Aufkommen des Christentums in Nassau.

Wann das Christentum zuerst in Mattiacum Eingang gewann, ist nicht überliefert. Möglich ist es, daß schon im Laufe des zweiten Jahrhunderts die christliche Lehre, wenn auch nur vereinzelt und heimlich, hier geglaubt und angenommen wurde. Denn nach Mainz war der neue Glaube schon frühe durch Händler und Soldaten gebracht worden und wird auf demselben Wege alsbald in das mattiakische Gebiet vorgedrungen sein. Zweifelhaft bleibt dabei außer dem Umfang der Verbreitung namentlich, ob auch die deutschen Landeseinwohner so frühe die neue Lehre kennen lernten und annahmen.

Dafür daß Römerhier Christen waren, spricht vor allem die Tatsache, daß man in einem römischen Grab an der alten Römerstraße, die nach Mainz führte, einen gläsernen Fisch fand, ein altchristliches Symbol, das man den Christen zur Beurkundung ihres Glaubens gern ins Grab mitgab, namentlich wenn sie neben Heiden bestattet wurden. Das griechische Wort für Fisch enthält nämlich die Anfangsbuchstaben des ältesten christlichen Glaubens- bekenntnisses:»Jesus Christus, Gottes Sohn, der Heiland«(ν1νυ¶ έ Inοονς XoιG⅓έοο viC dαν Verwandt damit war die Vorstellung von Jesus als einem Fischer, wie sie sich z. B. in dem ‚Hymnus auf den Erlöser Christus'é des Clemens von Alexandrien findet:

Der als Fischer die Menschen zum Heile du führst, Von der Bosheit Meer die Fische gelöst, Feindseliger Flut

Durch süßestes Leben entlocktest.

Der Zeit um 350 n. Chr. gehören wahrscheinlich 9 in dem Schoße einer Leiche ge- fundene Münzen an, 8 von Magnentius(350 353), eine von Constantius II.(337 361) die alle auf dem Revers das bekannte Christusmonogramm(☚7) trugen. Die Leiche mag also im Laufe der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts bestattet sein; sie war die eines mattiakischen Christen. Die Neunzahl der Münzen war vielleicht gewählt, weil sie als heilig galt und man so dem Toten eine Art christlichen Amuletts gegen böse Ein- flüsse mitgab.

Münzen mit und ohne Monogramm von denselben und andern christlichen Kaisern sind noch an verschiedenen Stellen in Wiesbaden und sonst im Land gefunden worden. Auch birgt unser Museum unter den römischen Tonlampen einige, die mit dem Christus- monogramm versehen sind, ferner ein Bronce-Siegel in Form einer Fußsohle und einen Bronce-Ring mit demselben Zeichen. Sie können nur einer Zeit angehören, in der die Handwerker bereits auf eine zahlreiche christliche Kundschaft rechnen konnten, stammen aber vermutlich gar nicht aus der hiesigen Gegend.

Aus unzweifelhaft fränkischer Zeit stammen die am Mauritiusplatze und am Dotz heimer Wege gefundenen rohen Steinsärge und die 6 mit dem Christusmonogramm und 2 Tauben(den Sinnbildern der Reinheit) versehenen Grabinschriften, welche an verschie- denen Orten der heutigen Stadt, vor dem früheren Mainzer Tor gefunden worden sind. Diese Grabinschriften sind die ältesten Spuren christlicher germanischer Gräber auf dem rechten Rheinufer überhaupt. Ganz neuerdings ist noch ein weiteres derselben Periode angehöriges christliches Grab mit Inschrift auf dem Gimbacher Hof bei Fischbach im Obertaunuskreis gefunden worden. Daß diese Gräber der fränkischen Zeit angehören, geht nicht nur aus der Schrift hervor, die in das 5. 7. Jahrhundert verweist, sondern auch daraus, daß die Namen zum Teil germanisch, nicht mehr romanisiert sind, wie sie, in Gallien wenigstens, nicht vor dem Jahre 455 auf Grabinschriften erscheinen. Auch