Aufsatz 
Proces / Franz Kafka ; priredio Zlatko Crnković
Entstehung
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Stieres der Urheber aller guten und hilfreichen Wesen. Als Beschützer der Menschen erweist er sich, indem er sie rettet vor den Plagen Ahrimans: die Dürre beseitigt er durch einen Pfeilschuß, der aus einem Felsen Wasser hervorquellen läßt, vor der Sint- flut bewahrt er sie durch den Rat, eine Arche zu bauen und sich mit den Tieren hinein- zuretten. Mit solchen Taten ist seine Mission erfüllt und der Himmel verdient. Nach einem Abschiedsmahl mit Helios, wobei Brot und Wein genossen wird, fährt er auf gen Himmel, um von da aus seine Gläubigen zu beschützen.

Einzelne Züge dieser Legende spielen später im Kult eine wichtige Rolle. S0 wird zum Beispiel der Zug der Sage, daß Mithras den Stier in die Höhle schleppte, unter dem Namen transitus(Ubergang) zu einer Allegorie für menschliche Mühen und Prüfungen; Brot und Wein bilden die Bestandteile der Kultusmahlzeit; das Bild des stiertötenden Gottes fehlt in keiner Grotte.

Aber die Legende findet auch Hände, die sie in ein großes astrologisches Weltsystem, in einen solaren Pantheismus einreihen. Hierbei spielte Mithras die Rolle teils des Lichtgottes, der seinen Platz zwischen Himmel und Unterwelt hat, teils des Mittlers zwischen dem unzugänglichen Gott und der Menschenwelt, wobei ihm neben dem offiziellen Namen Mittler auch der des Logos beigelegt wurde. Zu diesem Zweck unterschieden die Priester zwischen den Symbolen, mit denen sie die Menge ab- speisten, und dem geheimen Sinn ihrer Lehre vom Anfang und Ende des Menschen und der Welt.

So erklärt sich der Einfluß des Kultus auf weite Kreise dadurch, daß er allen etwas gab, den Einfältigen wie den Weisen. Aber die Antworten auf die großen Fragen würden nie seine dauernde Verbreitung und Herrschaft ermöglicht haben, wenn er nicht Seligkeit garantiert und sittlichen Halt geboten hätte. Eine ernste Asketik mit kräftigem Kampf gegen die Sinnlichkeit, wobei Mithras hilft, ein großes System von Büßungen und Waschungen zur Reinigung der mit Schuld befleckten Seele rechnen auf ethisch strebende Gemüter, während hohe Gedanken von Erlösung und Versöhnung, einem Leben der Unsterblichkeit im ewigen Lichtreich der Götter, dem aber ein Gericht durch Mithras vorausgeht, das ganze Lehrgebäude ernst und groß abrunden. So be- friedigte diese Religion die tiefsten Bedürfnisse ihrer Jünger und stellte sie in den Dienst der höchsten Aufgaben.

Die Einrichtung der Kultvereine entsprach im ganzen der Organisation der Mysterien. Eine sakramentale Paufe wurde an dem Mysten bei seiner Aufnahme vollzogen. Sie scheint den Namen sacramentum getragen zu haben, was ursprünglich den Fahneneid des Rekruten bedeutet, aber gemäß der Analogie des Kultus mit dem Heeresdienste und gemäß dem kriegerischen Charakter des Gottes auf den Eid der Eintretenden über- tragen wurde. Khnlich entsprach auch eine zweite Zeremonie, wobei dem Professen ein glühendes Malzeichen auf die Stirn gebrannt wurde, einem militärischen Brauch. Unter ähnlichen Weihen rückte der angehende Myste immer in eine höhere Klasse der sieben Ordnungen auf, deren seltsame Namen, wie z. B. Rabe, Soldat, Perser, Löwe, Adler uns nicht mehr durchsichtig sind. Eine der Messe sehr genau entsprechende Zeremonie, die erst dem höheren Grad der Kingeweihten zugänglich war, vermittelte den Teilnehmern die Kräfte des Guten und der Unsterblichkeit. Diesem ganzen sakramentalen Charakter entsprach natürlich eine hohe Wertschätzung des Klerus, dem im Gegensatz zur griechisch- römischen Welt die Bedeutung einer Mittlerschaft zwischen Menschen und Gottheit