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einer Ecke des Reiches nach der andern für einen ununterbrochenen lebhaften Verkehr. Dauernden Einfluß übten die aus dem Osten stammenden Veteranen aus, die an allen Enden des westlichen und nördlichen Reiches angesiedelt wurden. Und so viele nur aus dem Osten herüberkamen, alle waren sie begeisterte Anhänger des Sol invictus (der unüberwindlichen Sonne), des großen Mithras, und Missionare dieses geheimnisvollen und erhebenden Kultes, dem das Bedürfnis des skeptisch ausgehungerten, nach Kraft und Erlösung sehnsüchtigen Westens begierig entgegen kam. Von dem Rande der Sahara bis zur Mündung des Rheines, von den entlegenen Donauländern bis nach Schott- land reichen die Spuren der Mithräen, der Grotten und Höhlen, in denen man dem Mithras huldigte. Mit reißender Schnelligkeit muß der Kult überallhin gedrungen sein. Waren es im Anfang nur die niederen Stände, die sich in allerlei sozialen Hilfsorgani- sationen unter dem Zeichen des Mithras zusammenschlossen, so klomm der Dienst des Sonnengottes allmählich die soziale Leiter hinauf bis zum Kaiserthron. Mancher Sklave mag seinen Herrn, mancher Soldat seinen Offizier gewonnen haben. Alls sich gar seit dem Jahre 200 die Kaiser dem fremden Gotte zuneigten, da wurde sein Kult fast gan- allgemein. Ein Doppeltes zog die Kaiser an. Einmal war Mithras der Gott des Heeres, das fromm und abergläubisch der Hauptträger seiner Vereéhrung blieb; dann aber sagte ihnen auch der ganze Geist des asiatischen Despotismus zu, der mit diesem Gott in das Abendland herüberwehte. Diese echt asiatische Wertung des Königs als eines göttlichen Wesens, diese Vergötterung des Herrschers, suchten sie im Kampf mit der Volkssouveränetät auszunutzen und ihren Thron durch den Bund mit dem Altar zu stützen. Aurelian machte sogar den Versuch, eine umfassende offizielle Reichsreligion des Sonnengottes als Stütze des kaiserlichen Absolutismus einzuführen, scheiterte damit aber vor allem am Widerstand der christlichen Kirche. Konstantins Sieg machte die Hoffnung der Mithras- verehrer vollends zu nichte. Nun begann eine Verfolgung des bisher herrschenden Kultus, von deren Furchtbarkeit wir uns ein Bild machen können, wenn wir lesen, daß die Bauern und Seeleute nicht mehr gewagt haben, nach der Sonne und den Gestirnen zu schauen aus Furcht, der Sonnenanbetung geziehen zu werden. Strebsame Neubekehrte legten zum Beweis ihrer Bekehrung Mithrasheiligtümer in Asche, oder man machte sie unrein und damit unbrauchbar, indem man die Leichen der Priester hineinwarf. An dieser Niederlage konnten kurze Reaktionen unter Julian und Eugenius nichts mehr ändern. Mit dem Sieg des Theodosius 394 wurde der öffentliche Kult beseitigt; geheime Konventikel mögen sich noch hier und da gehalten haben.
Was den Glauben der Mithrasdiener anlangt, so hängt er aufs engste mit dem Leben ihres Gottes zusammen. Zum großen Teil können wir die Legende dieses Lebens auf den bildlichen Darstellungen in unserem Museum verfolgen.
An den Ufern eines Flusses wird das göttliche Kind aus einem Felsen geboren. Trotzdem die Geburt vor dem Dasein des Menschengeschlechts geschieht, huldigen ihm doch schon Hirten mit den Erstlingen ihrer Herden und mit Früchten. Bald mißt sich der junge Gott mit dem Sonnengott, überwindet ihn und verbindet sich wieder mit ihm zu dauernder Freundschatt. Dann aber bindet er mit dem Stier an, dem ersten Wesen, das Ormuzd geschaffen hat, schleppt ihn in seine Höhle, überwindet und tötet ihn auf Ge- heiß des Sonnengottes. Da ereignet sich das Wunder, daß aus dem Körper des Stieres alle heilsamen Pflanzen und Kräuter hervorwachsen, besonders der Weizen aus seinem Rückenmark, der Wein aus seinem Blut. So wird Mithras durch das Opfer des
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