Aufsatz 
Proces / Franz Kafka ; priredio Zlatko Crnković
Entstehung
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gemessen sei, den ehrwürden Tag der Sonne auszuzeichnen. In diese Übergangszeit gehören auch unsere Wochengöttersteine, die uns den babylonisch-römischen Ursprung unserer Wochennamen aufs schönste vor Augen führen. Die Ableitung der Namen Sonntag und Montag von Sonne und Mond sind ja ohne weiteres klar. Der Dienstag hat mit dienen nichts zu tun, sondern kommt von Dingstag oder Thingstag nach dem Kriegsgott Mars Thingsus, den die alten Germanen verehrten.¹) Der jetzt die Mitte der Woche bezeichnende Mittwoch hieß früher Wodanstag(engl. Wednesday, franz. Mercredi), weil die Germanen ihren»Wanderer« im römischen Merkur zu erkennen glaubten. Der Donnerstag ist der Tag des Donar(franz. jeudi, von Jovis dies), denn Donar wurde dem blitzschleudernden Jupiter gleichgestellt. Freitag ist der Tag der Freia, der germanischen Venus(franz. Vendredi). Samstag ist aus Sabbatstag entstanden; im englischen Saturday und holländischen Zaterdag aber ist das ursprüngliche Saturnstag noch zu erkennen.

An ein für die Religionsgeschichte wichtiges politisches Ereignis erinnert uns eine neuerdings in Höchst gefundene Münze des Kaisers Vespasian vom Jahre 71, die sich auf die Zerstörung Jerusalems bezieht. Auf der Rückseite hat sie die Umschrift: Judaea capta(Das eroberte Judaea). In der Mitte ist ein Palmbaum dargestellt, rechts davon sitzt eine weinende Jüdin auf einem Panzer, das Haupt in die Hand gestützt; links steht ein Jude mit auf dem Rücken gefesselten Händen, hinter ihm lehnt ein Schild.

Vor allem aber nehmen die zahlreichen UÜberreste aus dem Mithraskultus unser Interesse in Anspruch. Bildet doch die große doppelseitige Steintafel aus Heddernheim mit den bildlichen Darstellungen aus dem Leben des Mithras eins der wertvollsten Stücke unseres Museums. Hier in Wiesbaden stand auf dem Schützenhofplatz ein Mithrasheiligtum, in Heddernheim standen allein 3, ein weiteres ist neuerdings wieder am Pfanlgraben bei Heftrich entdeckt worden, zahlreiche andere fanden sich diesem entlang und hinter ihm durch ganz Deutschland, so daß wir auf eine außerordentlich starke Verbreitung dieser Religion in unserer Gegend schließen müssen. Zudem besitzen wir jetzt durch die Frei- gebigkeit unseres Mitbürgers des Herrn Kommerzienrats E. Albert in dem Mithräum auf der Saalburg das beste Anschauungsmittel für diese auf dem Gebiet der Religionsge- schichte so wichtige Erscheinung, auf die wir daher etwas näher eingehen müssen.

4. Der Mithrasdienst.

Vom Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts an flutete die Mithrasreligion in breiten Strömen in das westliche und nördliche römische Reich ein. Mannigfaltig waren die Verbindungen zwischen dem Osten und dem Westen, die dieser Kult benutzte: es waren besonders der Handel, die Verwaltung und das Heerwesen. Asiatische Kauf- leute überschwemmten den ganzen Westen und Norden bis in die entlegensten Gegenden hinein. Außerdem sorgte die Verwaltung für eine sehr lebhafte Zirkulation der Be- amten innerhalb des weiten Gebietes; unter den vielen Sklaven, die der entvölkerte Westen aus dem Osten bezog, waren viele Gutsverwalter, Munizipalbeamte, Pädagogen, von den vielen Tausenden ländlicher Arbeiter gar nicht zu reden. Besonders sorgten die Feldzüge, die Truppenaushebungen, die Verschiebungen der Heeresteile von

¹) Im Jahre 1883 fand sich in Nordengland ein von Friesen errichteter Altar des Mars Thingsus. Er war identisch mit Ziu, von dem das engl. Tuesday stammt.