Aufsatz 
Proces / Franz Kafka ; priredio Zlatko Crnković
Entstehung
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durch eine Göttin vertreten. Eine eigene religiöse Genossenschaft, die hastiferi civitatis Mattiacorum, die Speerträger des Mattiakergaus er war von der civitas Taunensium durch die Nidda geschieden besorgte im benachbarten Kastel am Mons Vaticanus den Dieust der Virtus Bellona, einer schon zu Sullas Zeit nach Rom verpflanzten Gottheit, deren Hauptheiligtum am dortigen Abhang des Vaticaus auf dem Grund der heutigen Peters- kirche stand. Von einer sinnverwirrenden Musik in heilige Raserei versetzt, führte die Schar der Feiernden nach Art der heulenden Derwische wirbelnde, wütende Rundtänze auf, während deren sie sich selber mit dem Doppelbeil an Leib und Armen verwundete, um schließlich im Zustand völliger Ekstase den Blick in die Zukunft frei zu haben. Mit diesem Kult war das Taurobolium, ein Stier- und Widderopfer, verbunden, das eine Reinigung und Wiedergeburt des betreffenden Menschen auf 20 Jahre oder auch auf alle Ewigkeit gewährleistete.

Alle diese Kulte beweisen, daß schon damals Orient und Occident, mehr noch religiös als politisch, nicht zu trennen waren.

Einen noch interessanteren Beweis für den Einfluß orientalischer Religionen auf die abendländische Kultur der Kaiserzeit bilden die in 2 Exemplaren in unserem Museum vertretenen Wochengöttersteine mit den 7 Wochengöttern Sol, Luna, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn.¹) Die Verbindung von Sonne und Mond mit den fünf Planeten der Alten zu einer heiligen Siebenzahl war schon bei den Babyloniern uralt. Auch die Chinesen nannten diese sieben Gestirne schon in den ältesten Zeiten die sieben Planeten. Bei dem großen Einfluß, welchen die Orientalen den Gestirnen auf das menschliche Leben zuschrieben, scheint nichts natürlicher zu sein, als daß sie nun auch die Zeit nach Tagsiebenten eingeteilt hätten. Nun haben ja die Babylonier den 7., 14, 21., 28. sowie den 19. d. h. den 49.= 7 7. Tag des vorigen Monats in ihrem Kalender hervorgehoben und diese Tage vielleicht bereits Sabbathe genannt. Sie waren aber jedenfalls nicht als Ruhetage für den Menschen, sondern in erster Linie als verbotene Tage gedacht, an denen man kein Geschäft vornehmen durfte, und teilten vor allem den Kalender nicht nach fortlaufenden Wochen ein. Diese Sitte können wir bis jetzt nur bei den Juden nach- weisen, durch die sie sich dann auch bei anderen Völkern verbreitet hat, indem sie aber jetzt geradezu in den Dienst der sieben Planetengötter trat, die seit der Zeit Alexanders des Großen ihren Einzug in den Olymp und selbst in die mathematischen Lehrsäle ge halten hatten. Nun begannen sie allmählich auch das Kalenderwesen zu beeinflussen. Mercurius Nundinator wurde noch nicht geradezu aus seiner Stellung verdrängt, aber die Kalendermacher führten zunächst, wie sie bei uns die evangelischen Gedenktage neben den katholischen Heiligentagen führen, die neue siebentägige neben der alten achttägigen Woche der Römer ein und hoben sie dann durch die roten Buchstaben A G vor den schwarzen Buchstaben A H der Nundinae hervor. Immer mehr wurde es Sitte, auf die einzelnen Tage der siebentägigen Woche zu achten, namentlich am Saturnustag nichts Wichtiges zu unternehmen, weil das für unglückbringend galt. Der Sonntag dagegen nahm an der gerade in der Kaiserzeit sich beständig steigernden Verehrung des Sonnen- gottes derart teil, daß Kaiser Constantin sein erstes staatliches Sonntagsgesetz ohne jede Bezugnahme auf jüdische oder christliche Ideen lediglich damit begründete, daß es an

¹) Auf dem einen Stein ist Saturn vorangestellt. Anderwärts finden sich Achtgöttersteine, die den Saturn am Anfang und Schluß bringen.

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