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Schlangenstab in der Rechten hält. Wahrscheinlich ist die Göttin Rosmerta, die Vor- steherin des Marktverkehrs und der Viehzucht bei den Kelten, gemeint.
Diese eigentümliche Verbindung erinnert uns daran, daß wir uns in der Zeit des Synkretismus befinden, jener Religionsmengerei mit ihrer Umnennung, Umbildung und Umwertung aller überlieferten religiösen Vorstellungen. Ein reitender Jupiter wäre noch einem Virgil oder Horaz nie in den Sinn gekommen. Die Schiersteiner Jupiter- säule zeigt uns, daß er für den Soldaten der Kaiserzeit kein unvollziehbarer Gedanke mehr war. Er mochte dabei an den Wotan seiner germanischen Kampfgenossen denken. ¹) Noch wunderbarer ist die Umwandlung, welche der sog. Jupiter Dolichenus durch- gemacht hat. Eine Inschrift und eine Votivplatte in unserer Sammlung sind ihm ge- widmet, und es lohnt sich wohl, diesen Jupiter einmal näher zu betrachten. Seinen Namen hat er von der Stadt Doliche am Euphrat in der Landschaft Commagene. Nach dem Orient mit seinen von griechischer Schönheit und Harmonie so fernen phantastischen Göttervorstellungen verweisen uns auch die Bilder auf der Platte. Da erscheint, auf kleinen Raum zusammengedrängt, zu oberst die Büste des Sonnengottes Sol mit der Strahlenkrone, darunter schwebt die Siegesgöttin Viktoria mit Palme und Kranz in den Händen, bereit den darunter dargestellten Jupiter zu krönen. Dieser steht auf einem nach rechts schreitenden Stier, mit einer Doppelaxt in der er- hobenen Rechten und dem Blitzbündel in der Linken. Im unteren Peil steht in der Mitte eine Göttin auf einer Hirschkuhn, mit Szepter, Sistrum, einer Art Klapper, die namentlich beim Isisdienst gebraucht wurde, und hohem Kopfschmuck; rechts und links von ihr sind die Büsten von Sol und Luna(Sonne und Mond) über je einem gerüsteten Krieger dargestellt, dessen Körper in merkwürdigen Windungen aus- läuft. Und nicht weit von diesem reitenden, bezw. auf einem Stier stehenden Jupiter befindet sich ein Bild desselben Gottes, das an die klassischen Formen des Zeus von Otricoli erinnert!
Ahnlich wie Jupiter, dem Vater der Götter und Menschen, ist es auch dem Kriegsgott Mars ergangen. Neben einem echt römisch gehaltenen Bild aus dem Kastell zu Holzhausen a. d. H., das ihn mit Lanze und Schild und der ihm heiligen Gans dar- stellt, findet sich auf einem zum Anhängen bestimmten bronzenen Votivtäfelchen ein Mars mit dem fremdartigen, jedenfalls auch wieder keltischen Beinamen Loucetius oder Leucetius. Auch Merkur führt einmal einen solchen auf einen einheimischen Gott hinweisenden Beinamen Cissonius. Dann werden wir auf einmal im Geist an die Ufer des Nils versetzt. Ein Elfenbeinbüchschen mit dem mächtigen Nilgott und die Büste des hochberühmten Gottes Serapis sind Zeugen dafür, daß dieser ägyptischen Gott- heiten auch hier im hohen Norden gedacht wurde. Sogar das ferne Kappadocien ist
¹) Damit würde im Einklang stehen, daß von den drei auf dem Postament dargestellten Gott- heiten Merkur, Herkules und Minerva die beiden ersten bei den Germanen in höchstem An- sehen standen. Wenigstens versichert Tacitus in seiner Germania c. 9:»Von den Göttern verehren sie am meisten den Merkur« und c. 3:»In ihren Barditen preisen sie Herkules als den ersten aller tapferen Männer.« Da sich aber auf einem ähnlichen Sockel, einem sog. Viergötterstein, wieder Her- kules und Minerva ohne solche Beziehungen zu einem germanischen Jupiter finden und da aus zwei anderen Inschriften des Museums hervorgeht, daß ein Hercules invictus unter dem echt römischen Beinamen Saxanus(der Felsenbrecher) in den Steinbrüchen bei Andernach von Legionssoldaten ver- ehrt wurde, so bleibt jene Kombination ebenso zweifelhaft, wie die früher beliebte Beziehung der Statue auf den Gigantenkampf.


