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Im Museum befindet sich ferner das Fragment einer Darstellung der keltischen Göttin Epona, die als Beschützerin der Pferde, Esel und Maultiere galt und auch zwischen Pferden stehend abgebildet ist. An diese Göttin erinnern ferner die reitenden Frauengestalten, die auf zwei hier gefundenen Originalen und zwei weiteren aus Main- stammenden Gipsabgüssen dargestellt sind. Da die Römer keine reitenden Göttinnen kannten, kann nur die Frage sein, ob sie der keltischen oder germanischen Mythologie angehören. An Walküren zu denken, liegt ja nahe. Doch ist nicht recht einzusehen, was dann die Tiere im Schoß der Göttin, eine Art Katze und ein Vogel, bedeuten sollen. Sogar eine eigene Wiesbadener Göttin, eine Diana Mattiaca, ist inschriftlich bezeugt, in der wir jedenfalls eine germanische Heilgottheit zu erkennen haben.
Daß der hehrsten der Walküren, Brünhildens, hier zu Lande oft gedacht wurde, dafür zeugen der Brünhildenstein auf der Hohen Kanzel und das Brünhildensbett auf dem Feldberg. Jener wird zuerst in einer Grenzbeschreibung des Klosters Bleidenstatt aus der Zeit des Erzbischofs Willigis von Mainz(975— 1011), die aber auf älteren Ur- kunden beruht, erwähnt, dieses in einer aus dem Jahre 1043 stammenden Urkuude, welche auf eine von dem gleichen Erzbischof Willigis bestätigte Grenzbeschreibung der zur Schloßborner Kirche gehörigen Liegenschaften Bezug nimmt. In dem zum Museum gehörigen Haus Friedrichstraße 1 findet sich unter Glas und Rahmen eine Nachbildung der auf das Brünhildensbett bezüglichen Stelle der Urkunde: et inde usque in medium montem veltberc ad eum lapidem, qui vulgo dicitur lectulus Brunihilde(und von da bis zur Mitte des Feldbergs bis zu jenem Stein, welcher im Volk Brünhildensbett genannt wird).
Daß wir auch noch in zahlreichen Familien- und Ortsnamen, abergläubischen Ge-— bräuchen und dergl. Erinnerungen an die Religion unserer germanischen Vorfahren be- sitzen, ist ja bekannt, bildet aber keine Eigentümlichkeit unseres Nassauer Landes mehr.
3. Die Religion der römischen Kaiserzeit.
Von den hier ansässig gewordenen Römern wurden natürlich in erster Linie die römischen Götter verehrt. Zahlreiche Altäre, Votivsteine und dergl. wurden ihnen gewidmet. Ihre Sammlung im hiesigen und benachbarten Mainzer Museum zeigt uns noch heute, wie lebendig das religiöse Gefühl doch auch in der Kaiserzeit noch gewesen sein muss. Fast das ganze römische Pantheon ist vertreten, von dem Jupiter Optimus Maximus und der Juno Regina bis zum divus Caesar, dem vergötterten Kaiser, und zum bescheidensten Genius loci(Schutzgeist des Ortes). Da sind Reste von Tempeln, Altären, Opfergeräten und Amuletten gegen bösen Blick, da sind Tempelhüter, Priester und Ober- priester, da sind Genossenschaften, wildtanzende Mänaden und Satyrn.
Es zeigt sich aber auch auf den ersten Blick, wie diese Religion im wesentlichen einen diesseitigen Charakter hatte. Segen und Glück im Handel und Verkehr, auf dem Markte, bei der Viehzucht, beim Baden, im Kampf das waren die Güter, um deren willen man die Götter verehrte. Da zeigt uns z. B. ein Votivstein die auf schön verziertem Stuhle sitzende Göttin Fortuna, wie sie mit der Rechten eine Schale vorhält, in welche der vor ihr stehende Merkur einen Sack voll Geld ausschüttet, während Flügelknaben ein Füllhorn und den Schlangenstab halten. Ein in Bierstadt gefundener Altar war dem Mercurius Nundinator geweiht, dem Gott der nundinae d. h. der neunten Tage, der Markttage, an denen die Landleute zur Stadt gingen, um zu kaufen und zu verkaufen. Über der Inschrift ist dem Merkur zur Seite eine Göttin dargestellt, welche wie er den


