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mehr, als daß sie ihre Toten begraben haben. Als Begräbnisplätze dienten ihnen die Höhlen, deren früherer Inhalt ihnen natürlich gleichgiltig war. Jetzt wird er als wert- voller Fund im Wiesbadener Museum aufbewahrt und versetzt den denkenden Betrachter in Zeiten, die vielleicht schon Zehntausende von Jahren zurückliegen und in denen doch schon Menschen wie wir sannen und fühlten.
Nach den Ergebnissen einer von Herrn Oberförster Behlen in Haiger im Auftrag des Nassauischen Altertumsvereins 1904 an Ort und Stelle vorgenommenen geologischen Untersuchung dürften die Steetener Höhlen noch eine wichtige Rolle in der Datierung der ältesten Bewohner Europas spielen, da der die ältesten Urkunden des Menschen- geschlechts in unserer Gegend bedeckende Westerwälder Bimssand einen guten geologischen Chronometer liefert. Die Ablagerung dieses vulkanischen, aus der Gegend des Laacher Sees stammenden Bimsstaubes soll etwa 8000 Jahre alt sein. Und doch mußte in der diesem Ereignis vorausgehenden älteren Steinzeit die Schlucht unter der Höhle vom Wasser um volle ↄ Meter in den Kalkfelsen ausgefurcht werden, während sie in der ganzen Dauer unserer jetzigen Waldzeit nur um weitere 2 Meter ausgehöhlt worden ist. Auch liefert die über jenen ältesten Spuren von Menschen lagernde Löss- schicht, in der sich noch zahlreiche abgeworfene Stangen von jungen Renntieren fanden, den Beweis, daß der Mensch in unseren Gegenden in den Zeiten, die vor aller geschicht- lichen Erinnerung liegen, wiederholt durchgreifende Veränderungen im Klima sowie in der ihn umgebenden Flora und Fauna hat erleben müssen.
2. Spuren von keltischer und germanischer Religion.
An die Religion der Kelten, welche vor den Germanen unser Land bewohnten, erinnern mehrere Fundstücke im Wiesbadener Museum. Sie stammen freilich nicht aus der eigentlichen keltischen Periode unserer Vorgeschichte, sondern aus der Römerzeit und sind auch von römischer Religion und Kunst beeinflußt. Aber sie gehören doch im wesentlichen zu dem Kreis religiöser Vorstellungen, den Caesar im Gallischen Krieg VI, 16 ff. beschreibt.
Hier erfahren wir, daß der Name Apollo bei den Römern eine der keltischen Haupt- gottheiten bezeichnete, der man die Heilung von Krankheiten zuschrieb. Wie nun Aachen (lateinisch Aquisgranum) unter dem Schutze des Apollo Grannus stand, so verehrte man hier in Wiesbaden einen Apollo Toutiorix. Wenigstens bezeugt ein als Badegast hier weilender Centurio der 7. Legion namens Marinius Marinianus, daß er diesem Heil- gott nach erlangter Gesundheit durch eine fromme Stiftung seinen gelobten Dank dar- gebracht habe. Wahrscheinlich hat auch auf dem Schützenhofterrain einst ein Heiligtum dieses keltischen Apollo gestanden; denn es fanden sich bei der Ausgrabung gleichzeitig mit jenem Votivstein viele Architekturornamente.
Sicher aber stand auf jenem Platze einmal ein Tempel der Sirona, der keltischen Heilgöttin, welche auch an anderen Orten mit Apollo zusammen verehrt wurde und von seinem Dienst so wenig zu trennen war, wie die Artemis der Griechen und die Diana der Römer von ihrem Apollo. Uber ein dieser Göttin geweihtes Geschenk, vielleicht einen Altar mit dem Bilde der Sirona, berichtet eine in die Vorhalle des Schützenhofs eingemauerte steinerne Urkunde: Sironae C. Jul. Restitutus C. T. D. S. P. d. h. Der Sirona hat der Tempelpfleger Gaius Julius Restitutus dies Geschenk aus eigenen Mitteln auf- gestellt.


