Aufsatz 
Die Arbeit der Schule : Festdichtung zur Einweihung der Ernst-Ludwig-Schule in Bad-Nauheim am 6. Januar 1909 / von Oberlehrer Dr. R. Strecker
Entstehung
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Natur- und Erdkunde.

(5. Schülerin.) Wir Einzelnen sind flüchtig und vergänglich, Und unvollkommen ist's mit uns bestellt. Wir fühlen's. Unsre Blicke irren bänglich Und fragend durch die ungeheure Welt. Wie unbegrenzt der Tier' und Pflanzen Fülle, Im Kalten, Warmen, Trockenen und Feuchten! Und aus des Himmels nächtlich schwarzer Hülle, Welch' ungezählt', geheimnisvolles Leuchten! Wie schrumpft zusammen da die winz'ge Erde, Und winzig gar das Menschenkind zuletzt! Wie furchtbar groß scheint Hemmung und Beschwerde, Die sich in diesem All uns widersetzt! Zu Eis erstarrt am Pol des Lebens Flut. In öder Wüste sengt der Sonne Glut. Aus faulen Sümpfen gift'ge Dünste quellen. Die Erde bebt, des Meeres Wogen schwellen. Die Ströme brechen aus dem sichren Bette. Entfesselt fegt das Feuer durch die Städte. Es sieht der Mensch in solcher Stürme Wehn Sein Werk, sich selbst, entsetzt zu Grunde geh'n. Und doch, wenn wir es recht erkennen wollen: Die Welten, die im Grenzenlosen rollen, Die unabsehbar wachsende Natur: Nicht fremd nur ist sie uns, nicht feindlich nur. Sind alle Wesen uns nicht Kampfgenossen? Will nicht in allen überall das Leben, In immer neuen, immer neuen Sprossen, Von Stufe sich zu Stufe ringend heben? Verbindet nicht mit Tieren auch und Pflanzen Das Leben uns zu einem ein'gen Ganzen? Ist unserm flücht'gen Blick doch selbst nur Schein Die tote Unbeweglichkeit im Stein; Denn er auch bildet, wandelt sich, zerfällt Und bietet Stoff, der Leben unterhält. So fest zusammen wachsen Mensch und Land,

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