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Mainzer Lande in dieſe die bewährte Mainzer Einrichtung übertrug. Doch werden wir enttäuſcht, wenn wir hören, daß dieſe geldlich ganz auf ſich ſelbſt angewieſen war. Der erſte Normalſchuldirektor war Prof. G. K. Mühlfeld, früher am Gymnaſium in Mainz; er ſtarb 74 Jahre alt in Bensheim 1814. Sein Nachfolger war Prof. Joſeph Helm vom Gymnaſium in Bensheim. Doch dürfen wir unſere Vorſtellungen be⸗ züglich dieſer Normalſchule nicht zu großartig geſtalten; denn ſie war. eigentlich nur ein Kurſus von, ſage und ſchreibe, 4 Monaten. Die Wahl gerade Bensheims zur Stätte der Normalſchule und dann des Seminars war ungemein geſchickt. Die Seminariſten weilten damit an einem Orte außerordentlicher landſchaftlicher Schöne, inmitten von bäuerlichen wie auch gewerblichen Betrieben, was ihnen wohl manche praktiſche Anregung bot, während das Vorhandenſein eines Gymnaſiums wieder geiſtig an⸗ regend für Lehrer wie Schüler wirkte.
Ueber die äußere erſte Entwicklung des Seminars möge das Notizbuch des Bensheimer Kaufmanns Joſt uns einige Daten geben:
1820. 13. Septr.„Iſt in dem hieſigen Kapuzinerkloſter die Einrichtung zum Schullehrer⸗ ſiminar der Anfang gemacht worden von den Handwerkern“.
1821. 19. Febr.„Iſt der Herr Kantor Oechslein mit ſeiner Frau und Tochter in das Kloſter eingezogen, um vor die Schull⸗Kandidaten die Koſt zu geben“.
1. März.„Iſt der Herr Direktor Rieß in das Kloſter zum Erſtenmal gekommen und hat ſeine Wohnung darin erhalten um die Kandidaten zu lehren“.
10. Mai.„Sind die Kandidaten hierher geladen Worden um ſich prüfen zu laſſen, welche als Tauglich können angenommen werden in das Schullſiminar“.
28.„„Sind die 12 Schullkandidaten in das hieſige Schullſiminar eingetreten,
unnd hat das Kapuzinerkloſter den Namen verloren und würde jetzt Schull⸗ ſiminar geheißen, von d. H. Kapuzinern iſt der H. Pater Quardian und der Bruder Ignatz in dem Seminar geblieben, ſo lang ſie leben, und Erhalten ihre Koſt von dem Eckonom“.
20. Juli.„Den 20. Jullü auf Sonntags um halb 4 Uhr wurde das Siminar Er⸗ öffnet, und der Herr Direktor Rieß hielt eine Rede in dem großen Lehr⸗ zimmer, er ſtand auf ſeinem Kadeter und ehe er Angefangen hat, ſo haben die B. Schullehrer erſt ein Wenig Muſik gemacht und dann hat er Angefangen und wie die Anrede volendet war, ſo iſt mit Muſik beſchloſſen worden“.
Darnach iſt der 29. Juli 1821 der Gründungstag des Seminars.
Die erwähnte Anrede liegt noch im Originale vor. Sie enthält in ihrem erſten Teile goldene Worte über den Lehrerberuf und das Verhältnis von Lehrer und Schüler zueinander. Im zweiten Teil gibt ſie, modern geredet, einen Lehrplan für das Seminar in ganz allgemeinen Umriſſen, wovon die wichtigſten Partien anbei wiedergegeben ſeien:
„Die Lehrgegenſtände der Elementarſchulen des Landes ſind auch jene der Semi⸗ nariums Söglinge; nur in einem höheren Grade. Die Ausdehnung anf mehrere wiſſen⸗ ſchaftliche höhere Gegenſtände, welche in Betracht des ZSweckes der Anſtalt und bei Subjekten von geringen Vorkenntniſſen nur unnütze Ueberhäufung, prahlende Viel⸗ wißerey und oft ſehr ſchädliche Ueberbildung zur Folge hat, findet keinen Eingang, in unſer Haus.
Das Erſte und Wichtigſte, was in unſer'm Inſtitute gelehrt wird, iſt die Religion nach den Grundſätzen unſerer chriſtlich—kath. Kirche. Bey dieſem ſo wichtigen Unterrichte wird hauptſächlich dahin gearbeitet, daß die Wahrheiten der hl. Religion nicht nur den Verſtand der Zöglinge anfüllen, ſondern ſich auch ihrer Herzen bemächtigen. Wer die Religionswahrheiten weiß, iſt deswegen noͤch kein guter Chriſt. Unſere Söglinge ſollen die Religion nicht nur wißen, ſondern auch üben.„Ein Glaube ohne gute Werke iſt ein todter Glaube“, Unſere Söglinge ſollen die Anſtalt nicht als gründlich gelehrte Theologen verlaßen; aber, erhaben über den blinden Köhlerglanben, als jnnge Männer, welche, von den göttlichen Wahrheiten der heil. Veligion feſt überzeugt und tief durchdrungen, tugendhaft


