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Unterrichtshalle im Garten gebaut, womit wohl die Möglichkeiten weiteren Umbaues und Ausbaues erſchöpft waren, ſodaß man in Rückſicht auf die immer mehr wachſende Anzahl der Seminariſten und die modernen For⸗ derungen des Unterrichtsbetriebes doch an die Errichtung eines Neubaues denken mußte. 1911 ward dieſer vollendet und das alte Heim verlaſſen.
Vom Staate erwarb das Anweſen mit Ausnahme der Kirche dann die Stadt und verwandte es nach und nach als Lagerraum, Kaſerne, Schule und zur Aufnahme wohnungsloſer Familien. 1919 kaufte der Kapuzinerorden die alten Kloſter⸗Gebäude mit Ausnahme der Turnhalle, um dort eine Kloſterſchule zu errichten. Ganz abgebrochen ſind indeß die Beziehungen zwiſchen dem Seminar und dem alten Heim doch nicht; denn an jedem Sonntage der Schulzeit iſt dort Gottesdienſt für die kath. Seminariſten und Gymnaſiaſten.
Hus der Zeit der 6ründung des Seminars.
„Der Zuſtand der reformierten Filialſchulen in der hieſigen Diözeſe ſinkt immer tiefer in den traurigen Verfall herab, den ich ſchon ſeit 14 Jahren einem Gr. Kirchen⸗ und Schulrat ſo vielfältig zur Kenntnis ge⸗ bracht habe. Kein junger Menſch von Talent und Ehre will ſich bei uns mehr dem Schullehrerſtande widmen, daher der Mangel an brauchbaren Schullehrern mit jedem Jahre fühlbarer wird. Alle nicht organiſierte und blos auf den Eigenſinn oder den guten Willen unſerer Bauern in unſerer Diözeſe fundirte, zum Teil anſehnliche Filialſchulen löſen ſich, nachdem ſie höchſtens vier Monate im Winter beſtanden haben, beim erſten Eintritt des Frühlings wieder auf..
Die hierdurch brotlos gewordenen Schullehrer verdingen ſich ſodann meiſtens zu den reichen Bauern als Knechte oder arbeiten als Taglöhner. Finden ſie nun den Sommer über einen Platz, wo ſie einen längeren Unterhalt hoffen können, ſo weiſen ſie jedes Anerbieten einer Schulſtelle mit Hohn zurück. Schullehrer, die das Ausland ausgeſtoßen, oder Vaga⸗ bunden, auch nicht ſelten Knaben, die eben aus dem Schulunterricht getreten ſind, werden dann, meiſtens, wenn der Winter ſchon eingetreten iſt, zu Schullehrern gedingt, wobei es ſich dann oft zuſammentrifft, daß die Hausväter eines Ortes unſerer Diözeſe von dem Ortsdiener ausdrücklich dazu zuſammengerufen werden, um die ſ. g. Pfrund des Schweinehirten auszuſchlagen und gleichzeitig den Schullehrer zu dingen“.
So berichtet am 8. Auguſt 1817 der Inſpektor Wagner aus der reformierten Diözeſe Lindenfels über die dort herrſchenden Schulverhältniſſe.
Wir begreifen dies erſchütternde Nachtbild deutſcher Vergangenheit, wenn wir uns erinnern, daß es in die Zeit nach den napoleoniſchen Kriegen fällt, die unſere Gegenden ſo ſchwer heimſuchten. Auf ſolch' dunklem Grunde hebt ſich aber um ſo heller die Tat der Gründung einer Lehrerbildungsanſtalt zuerſt in Friedberg und dann in Bensheim zu jener Zeit hervor.
Als Vorſtufe zu unſerem Seminar iſt die hierſelbſt bereits 1803 errichtete Normalſchule zu betrachten. Dieſe wieder knüpft an die Normal⸗ ſchulen in Mainz an, die dem Erzbistum ſeither brauchbare Lehrer lieferte. Ihre Gründung geht auf den rührigen Kurfürſten Emmerich Joſeph von Breitenbach⸗Bürresheim(1763—74), den eifrigen Förderer aller Bildung, und deſſen Kanzler von Benzel zurück. Großzügig erſcheint es uns, daß die heſſiſche Regierung ſofort nach der Uebernahme der


