Aufsatz 
Denkschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens des Ernst-Ludwigs-Seminars zu Bensheim : Hundert Jahre Seminar. Schülerverzeichnis /
(Nach Urkunden bearb. von [Johannes] Ledroit)
Entstehung
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mit Bensheim verbanden, verſuchte dies nicht mittelſtDragonaden, ſondern ſchickte im Jahre 1630 Kapuziner hierher.

In der Stadtſchreiberei am Rathauſe ſchlugen ſie zunächſt ihren Wohnſitz auf, mußten aber ſchon 2 Jahre darauf wegen der Schweden, die damals hier hauſten, nach Heppenheim auswandern.

Erſt 1639 kehrten ſie zurück und bezogen zunächſt ein Anweſen am damaligen Auerbacher Tor. Da dieſe Lage für die Seelſorge recht ungünſtig war, vertauſchten ſie gern 1651 ihr Anweſen gegen das der Herren von Rodenſtein mitten in der Stadt.

Es war dies freilich nur eine Stätte der Trümmer, da Schweden, Kaiſerliche und Franzoſen in Bensheim nacheinander bös gehauſt hatten. Ein vollſtändiger Neubau mußte errichtet werden.

1655 war der Bau des Hauſes und 1662 der der Kirche vollendet. Beide waren ſchlicht und einfach, wie es die Regel des hl. Franziskus, des Apoſtels der freiwilligen Armut, gebietet, aber nicht unſchön, denn neben der größer angelegten Kirche mag ſich das damals nur zweiſtöckige, rings freiſtehende und vielleicht von Bäumen umſchattete Kloſter ganz hübſch ausgenommen haben.

Ein weit ausgedehnter Garten mit reich tragenden Weinlauben gehörte zu dem Beſitztum.

Von berühmten Kapuzinern weilte 1668 der Kanzelredner und Schriftſteller Pater Cochem hier. Im Jahre 1785 bewohnten 24 Konven⸗ tualen das Kloſter. Infolge des Reichsdeputationshauptbeſchluſſes von 1803 fielen die Kurmainzer Lande an der Bergſtraße an Heſſen⸗Darmſtadt, und den Kapuzinern ward infolgedeſſen 1805 verboten, neue Mitglieder auf⸗ zunehmen. Ihre Zahl ſchmolz daher immer mehr zuſammen, und als die heſſiſche Regierung im Jahre 1821 in den Gebäulichkeiten das Seminar eröffnete, waren nur noch 3 Angehörige des Kloſters hier.

Den beiden bejahrten Kloſterinſaſſen, dem Quardian P. Egid Brücher (geſt. 1828) und dem Bruder Ignatz Hardt(geſt. 1823) geſtattete man, in ihren Zellen weiterzuleben, während der jüngere Pater Linus als Weltprieſter noch bis zum Jahre 1834 in der Stadt wirkte. Die Verwendung des Kloſters als Seminargebäude geſchah aber nicht im Gegenſatze zur Kirchenverwaltung, ſondern auf deren Veranlaſſung, wie die Verhandlungs⸗ protokolle jener Tage beweiſen. Referent in SachenErrichtung eines Seminars war von katholiſcher Seite der geniale Kirchenrat Dahl, der auch als Hiſtoriker gerühmt wird.

Da die Zahl der Seminariſten anfangs nur eine kleine war, genügten geringe Umbauten, die hauptſächlich darauf hinausgingen, die Zellen der Kapuziner für die Seminariſten etwas wohnlicher zu geſtalten, das Kloſter für die Zwecke des Seminars paſſend einzurichten. Mit dem Anwachſen der Zahl der Zöglinge änderte ſich dies natürlich und man wurde nach und nach zu den verſchiedenſten Um⸗ und Anbauten gezwungen. So wurde 1840 auf dem Hauptgebäude ein zweiter Stock errichtet und das Chor umgebaut, 1876 durch Umbau und Neubau ein neuer Lehrſaal gewonnen, und 1877 die Turnhalle nach der Kloſtergaſſe zu und eine Direktorwohnung nach dem Marktplatz zu gebaut. Die ſeitherige Wohnung des Direktors wurde zu Schulzwecken verwandt, ſo daß nun 70 Zöglinge im Seminar wohnen konnten. Da muß es allerdings wie in einem Bienenſtocke zugegangen ſein. 1886 wurde auch der Seitenbau mit einem zweiten Stock verſehen, und im Schuljahr 1898/99 eine geſchmackvolle