Aufsatz 
Denkschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens des Ernst-Ludwigs-Seminars zu Bensheim : Hundert Jahre Seminar. Schülerverzeichnis /
(Nach Urkunden bearb. von [Johannes] Ledroit)
Entstehung
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Das alte Heim.

. W er zum erſten mal dasAlte Seminar ſchaut, der iſt etwas enttäuſcht 82 von dieſem altersgrauen, zerſchliſſenen Gebäude mit ſeinen nicht Jgerade geſchickt beigefügten neueren Anbauten. Und doch, wenn all⸗ jährlichKursgenoſſen hier in Bensheim ſich wiedervereinigen, ihr erſter Gang iſt zumalten Seminar. Die Stätte iſt ihnen lieb und traut trotz ihrer Enge und Reizloſigkeit.

Dorthin zogen ſie einſt mit klopfendem Herzen zur Aufnahmeprüfung; dort empfanden ſie zum erſtenmal die Schmerzen des Heimwehes; dort ſaßen ſie gar oft unter Seufzern hinter den Büchern, vergaßen aber bald im Kreiſe froher Geſpielen ihre kleinen Sorgen; dort ſchloſſen ſie mit eben dieſen Kameraden Freundſchaften, die ſich in allen Stürmen des Lebens bewährten, und von dorten zogen ſie nach wohlbeſtandenem Examen hinaus, wenn nicht die ganze Welt, ſo doch ein gehörig Stück derſelben zu erobern, wobei freilich mancher bald flügellahm ward.

Aus dieſen Gefühlen heraus verſtehen wir unſchwer, warum dieſe Stätte von denAlten ſo gerne aufgeſucht wird, und in Rückſicht auf dieſe Gefühle ſei ihrer an erſter Stelle in der Feſtſchrift gedacht, zumal dies auch hiſtoriſch berechtigt ſein dürfte.

Da müſſen wir denn zum beſſeren Verſtändnis ſchon etwas weiter ausholen, uns in die trübe Zeit verſetzen, da zwei Erzbiſchöfe, Diether v. Iſenburg und Adolf von Naſſau, mit dem Schwerte in der Hand um den Mainzer Stuhl ſtritten.

Auf der Seite Diethers ſtand derkluge und kriegstüchtige Friedrich I. von der Pfalz. Nicht umſonſt lieh er dem Biſchof ſeinen Beiſtand und ſchoß ihm 100 000 Gulden vor, nein, dieſer mußte ihm dafür die ganze Mainzer Bergſtraße, darunter auch das Amt Bensheim, verpfänden..

Faſt ſchien es, als ſollte das Gebiet nie mehr an Kur⸗Mainz kommen, da brach der unglückſelige dreißigjährige Krieg aus, bei deſſen Beginn der Kurfürſt Friedrich von der Pfalz, der Winterkönig, ſo wenig erfolgreich ſtritt, daß die Pfalz einen großen Teil ihres Gebietes, darunter auch die genannten Mainzer Lande, im Jahre 1623 verlor. Sie kamen wieder an Kurmainz.

Nach dem Grundſatz der damaligen Zeit:cujus regio, ejus religio, wie die Herrſchaft, ſo das Bekenntnis ihrer Untertanen, hatten die Bens⸗ heimer unter den Pfälzern 3 oder 4 mal die Religion gewechſelt und ſollten unter dem neuen Herrn nun wieder zur katholiſchen Kirche zurückkehren. Der damalige Mainzer Kurfürſt, der milde und kluge Anſelm Kaſimir von Wambold(1629 1647), den Familienbeziehungen