Aufsatz 
Normen für die Lektüre der Schillerschen Dramen
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manchen Dramen auf einen größeren oder geringeren Wider- stand. Wenn wir dieser Stilentwicklung folgen, treten mit dem Charakter des Stils die Vorstellungsnormen noch deutlicher heraus.

Wir sehen den Dichter bei der Stilbildung von der Ge- schichte ausgehen, im Don Carlos instinktiv auf Grund von Impressionen, im Wallenstein bewußt. Durch den historischen Stoff selbst wird er hierbei wesentlich unterstützt, denn die geschichtliche Vergangenheit entkleidet bereits die Gestalten zum Teil des trüben Details der Wirklichkeit, läßt hinter dem Individuum typische Linien auftauchen und arbeitet so einer Idealisierung und Stilbildung vor.Ich werde es mir gesagt sein lassen, keine andre als historische Stoffe zu wählen, frei erfundne würden meine Klippe sein, ruft Schiller bei der Arbeit am Wallenstein aus.

Zugleich aber nötigt ein derartiger Stoff, mit der Viel- spältigkeit der historisch gegebenen Beziehungen, Intriguen, Wirkungen zu rechnen und ein grobßes Stück jener trüben historischen Umwelt mit emporzuheben, das jenedünnere Atmosphäre des Stils nur schwer und widerwillig trägt.

So gesellen sich zu Max, Thekla, Wallenstein, Oktavio, Buttler, bei denen die Stilbildung am weitesten fortgeschritten ist, Gestalten wie Terzky, Neumann, Seni, Diener, Soldaten, die, ohne für den großen Stil befähigt zu sein, durch eine gewisse oberflächliche Stilisierung den Hauptträgern der Hand- lung angepaßt sind; und neben ihnen stehen andre, wie IIlo, Isolani, Tiefenbach, bei denen die Stilisierung einer charakter- istischen Karikatur näher kommt als dem Stil der Haupt- gestalten. Da, wo diese Personen niederen Charakters in Massen erscheinen, ziehen sie unweigerlich die ganze Hand- lung auf das naturalistische Niveau herab, wie in der Abschieds- scene am Schluß des 4. Aufzuges derPiccolomini. Und da, wo sie sich dem Stil ihrer Umgebung chamäleonartig anpassen, wie etwa Illo im 6. Auftritt des 2. Aufzuges, kommt in ihre Art ein Ton, der ihrem Wesen nicht entspricht.

In der Lösung der Aufgabe, die Füllsel der Handlung dem Stilgesetz zu unterwerfen und nicht bloß obenhin zu stilisieren, schreitet der Dichter in den folgenden Dramen vor. Die Idee von dem notwendigen Auseinanderhalten der Natur und Kunst wird ihmimmer bedeutender und fruchtbarer. So ist die Stuart-Handlung im Ton geschlossener als die vor- hergehenden und bewegt sich auf einheitlichem Stilniveau. Die Typenbildung ist in den Nebengestalten, in Shrewsbury, Burleigh, Paulet, Mortimer, mehr entwickelt; die Masse ist dem Stil unterworfen. Der Dichter ist sich dessen bewußtt,