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wirklich sind, um so blasser und kraftloser werden diese Gestalten selbst. Und je mehr dies die Darsteller dazu ver- leitet, jene Gestalten durch eine Art individueller Retusche der Umwelt anzupassen, um so brüchiger wird der Stil des Ganzen.
Nur eins rettet aus diesen Verwirrungen, der eiserne Grundsatz, daß alles in Spiel und Scene dem Stil der Dramen angepaßt werden muß, daß keine Wirkungen erstrebt werden dürfen, die diesem Stil wesensfremd sind.
Dieser Grundsatz kann aber nur befolgt werden, wenn die Aufführung den Anforderungen an plastische Verwirk- lichung, anstatt sie zu begünstigen, entgegenarbeitet und eine gewisse Reliefwirkung anstrebt, bei der allein das eigentüm- liche Leben der Gestalten bestehen kann.
Ein derartiger Darstellungsstil fordert zunächst Verzicht auf eine naturalistische Gestaltung der Umwelt: die Prospekte bedürfen der Stilisierung; sie müssen cher eintönig, wenn auch nicht ohne Größe sein, als das Auge reich beschäftigen.
So denken wir uns auch die Innenräume auf ein ein- faches Raum- und Farbenintervall gestimmt; Fläche zugunsten der Reliefwirkung bevorzugt, Raumtiefe gespart, alles zer- streuende Detail, alles Genrehafte, alle naturalistischen Licht- effekte gemieden.
So erstrebe die Scene nicht eine Vortäuschung der Wirk- lichkeit, sondern entferne von ihr, lasse die Buntheit des Wirklichen vergessen und erhebe in eine Welt des Stils, in die Atmosphäre, in der die Gestalten ihr eigentliches Leben entfalten können.
Wenn auch für die Behandlung der Dramen im Unter- richt die Gefahren plastischer Gestaltung weniger in Frage kommen, so muß der Interpretierende sie doch genau kennen; sonst kommt auch er bei dem wohlgemeinten Bestreben, Ge- stalten und Umwelt anschaulich zu machen, leicht dazu, beim Vorlesen und Erklären hier und da naturalistische Lichter aufzusetzen oder in der Ausmalung der Umwelt des Guten zu viel zu tun. Wenn auch derartige Fehler hier nicht so sinn- fällig werden wie bei scenischer Darstellung, so arbeiten sie doch einem Verständnis des Stiles entgegen und bringen in die Vorstellung des Ganzen etwas Unklares.
III.
Wir haben bisher van dem Schillerschen Stil wie von etwas Abgeschlossenem gesprochen. In Wirklichkeit aber haben wir in ihm etwas Werdendes zu sehen. Daher stößt auch die Herausarbeitung dieses Stils bei der Darstellung in


