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uns eindringende Wirklichkeit von uns entfernt hält und dem Gemüt eine poetische Freiheit gegen den Stoff verschafft“.
Indem er so in seine Gestalten den Puls und Zug seines Lebens legt, fließt der Rhythmus als notwendige Xußerung des erhöhten Lebensgefühls in sie ein. Er bestimmt die Umrisse, an ihm muß sich das übrige orientieren.„Viele Motive, die in der prosaischen Ausführung recht gut am Platz zu stehen schienen“, sind jetzt nicht mehr zu brauchen. Der Rhythmus bildet die„Atmosphäre“;„das Gröbere bleibt zurück, nur das Geistige kann von diesem dünnen Elemente getragen werden“.
So gehört der Rhythmus zum inneren Wesen der Schiller- schen Gestalten. Sie könnten ohne ihn nicht leben; er ist ihr Rückgrat. Wollte man ihn auflösen oder naturalistisch ver- wischen, was man bei Shakespeare so leicht tun kann, so würde man die Kraftlinie dieser Gestalten selbst zerstören. Es würden Wesen daraus, die nicht genug Fleisch und Blut hätten, um auf realem Boden zu atmen, noch genug Stil, um ihn ver- gessen zu lassen und als Krafteinheiten zu wirken.
Die Darstellung darf also nichts unterlassen, um diesen großen Zug des Wesens in der Sprache und Phrasierung, in den Geberden, Bewegungen und Handlungen zu offenbaren. Von dem Darsteller wird nicht verlangt, daß er das Individuelle ausdrücke, die Gestalten plastisch und leibhaftig mache, die Handlung mit charakteristischen Nebentönen ausstatte; er soll im Gegenteil alles Individuelle in sich auslöschen, seine Seele mit dem Rhythmus des Typischen und Allgemeinen erfüllen. Die Größe seines Spiels wird nicht von dem Außer-sich-sein, dem Eingehen in eine andre Individualität, sondern von dem stärksten In-sich-gehn, von dem„Zusammennehmen seines besten, feinsten Wesens“ abhängen. Nur so wird der Dar-— steller mit lauterem Gefühl zwischen der Übertreibung des leidenschaftlichen Rausches und dem Offenbarwerden eines angeborenen Rhythmus unterscheiden können; nur so wird dieser Stil nicht Phrasenklang einer Theatersprache, sondern Ausdruck eines Edelmenschentums sein.
Damit ist auch die Grundnorm für die Behandlung der Dramen im deutschen Unterricht gegeben. Sie muß den inneren Rhythmus und die Kraftfülle eines solchen starken Menschentums offenbaren und alles meiden, was jene ab- schwächt. Wir sagten am Anfang: Lesen sei schauen. Bei Schillers Dramen heißt es füglich besser: Hören und schauen; denn bei ihnen teilt sich der Zug der Gestalten am unmittel- barsten durch das gesprochene Wort mit. Dem, der Schiller nur stumm liest, bleibt seine Kraft verborgen, seine Wortfülle ein peinlicher Aufwand; nur dem, der die Macht dieser Sprache


