Aufsatz 
Eine Schillerrede
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Diese Aula soll in Zukunft eine Weihe- und Pflegestätte unseref teuersten und idealsten Güter sein: hier soll Gottesfurcht und Vaterlandsliebe als fruchtbringender Same in die empfäng- lichen Herzen der Jugend gestreut werden, in dieser Stätte soll das notwendige Band zwischen

Schule und Elternhaus wieder fester geknüpft werden, hier wird die heilige Musika die Herzen entflammen und von hier aus der echte Geist humanistischer und antiker Bildung die breiten Schichten unserer Bevölkerung immer von neuem durchdringen und veredeln. Mens sana in corpore sano, unter uns die Turnhalle, die den jugendlichen Körper abhärten, elastisch und ge- schmeidig erhalten und im Verein mit den hohen Bildungsmitteln dieses Saales dem Materialismus und Egoismus unserer Zeit wirksam entgegentreten soll..

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vor die Tugend setzten den Schweiß die unsterblichen Götter der bekannte Ausspruch Hesiods gilt gleichmäßig für die Ziele, die Lehrer und Schüler in Aula und Turnhalle erstreben. Wenn ihre künftige Benutzung auf solchem Fundament erfolgt und von solchem Wahrspruch getragen wird, dann erst wird unsere humanistische höhere Lehranstalt in Wahrheit berechtigt sein, den Namen des großen Dichters zu führen, der unser Volk zum Reich der ldeale durch sein Leben und Wirken emporgezogen hat, dann wird diese Schule prosperieren wie bisher und die Opfer- willigkeit der Gemeinde reiche Frucht tragen.

Das walte Gott! Er wolle seinen Segen ruhen lassen immerdar auf diesem edlen Gebäude, auf Lehrern und Schülern, auf allen, die als Freunde humanistischer Bildung ein- und ausgehen!

Der Direktor wies in seiner Einweihungsrede hin auf die Freude, die die Schule empfände, nach so langer Zeit der Entbehrung jetzt endlich wieder über eine Aula zu verfügen, die alle Glieder der Anstalt zu gleicher Zeit zu umfassen imstande wäre. Die Aula solle dienen der gemeinsamen Andacht, der Feier der vaterländischen Gedenktage, aber auch der Schularbeit, insofern als sie hier Ziel und Krone fände, wenn die für reif erklärten jünglinge von hier aus ins Leben entlassen würden. In der Aula möge das Wort Herders zur Wahrheit werden:Das Lied der Andacht, der Ton der Freude, das Lied des Fleißes hat langen Frühling. Er gedachte dann des verstorbenen Direktors Dr. Hempel, der sich so sehr gefreut haben würde diesen Festtag zu erleben; er dankte allen Gemeindeorganen für das, was sie bisher für die Anstalt getan hätten, und wies darauf hin, welche Bedeutung schöne Räume für die Entwicklung der Schüler hätten. Aber es sei der Geist, der sich den Körper baue: auf den Inhalt eines Schulhauses komme es doch in erster Linie an, und darum sei es freudig zu begrüßen, daß in diese Hallen gleich von vornherein der Geist des unvergeßlichen Dichters Friedrich Schiller einziehen solle.Wohl wird man fragen, fuhr er fort,wie gerade unsere Anstalt zu der besonderen Ehre kommt, den Namen des Dichters zu tragen. Darauf müssen wir dann einfach antworten: Wir können uns nicht rühmen, etwas vor anderen voraus zu haben, etwa in besonderen Beziehungen zu ihm zu stehen. Was wir haben, ist nur dies: unsere starke Liebe zu ihm, die glühende Dankbarkeit für alles, was er uns und unserem Volke gewesen ist, und das aufrichtige Verlangen, immer mehr von seinem Geiste in uns aufzunehmen und seinen Fußtapfen nachzuwandeln. Wenn ein jeder sich seinen Helden wählen soll, dem er die Stufen zum Olymp nachwandeln soll, so sei Schiller der Held unserer Schulgemeinschaft, dem wir nachleben wollen. Nachdem er dies im einzelnen für Schüler und Lehrer ausgeführt hatte, schloß er mit dem Wunsche, daß aus diesen Räumen Menschen ins Leben hinaustreten möchten, die nicht nurdas Irdische, Gemeine mögen sehn, das Nächste mit dem Nächsten klug ver- knüpfen, sondern von denen es gelten könnte:

Was geheimnisvoll bedeutend webt Und bildet in den Tiefen der Natur, Das sieht ihr Auge, das entsiegelte, Der hellgebornen, heitern Joviskinder!

Im Anschluß hieran entließ er dann die ersten Abiturienten des Schiller-Gymnasiums,

und Chorgesang schloß die Feier.