Aufsatz 
Eine Schillerrede
Einzelbild herunterladen

22

III. Chronik der Anstalt.

Die Entwicklung der Anstalt. Mit dem Schuljahr 1905 begann die Anstalt das 25. Schuljahr seit ihrer Errichtung als höhere Knabenschule(1881), das 21. seit Anerkennung als Progymnasium(1885), das 12. seit Ernebung zum Gymnasium(1893), das 3. seit der beginnenden Angliederung eines Realgymnasiums(1903).

Die Anstalt umfaßte im vergangenen Schuljahr zuerst 21, dann seit den Sommer- ferien, als eine Teilung der I. Vorschulklasse wegen Uberfüllung nötig wurde, 22 Klassen, und zwar einen gemeinsamen Unterbau mit 6 Klassen(Sexta, Quinta, Quarta in Parallelcöten), das Gymnasium mit 9 Klassen(Unter- und Ober-Tertia; Unter-, Ober- Sekunda, Prima B in Parallelcöten und Prima A), das Realgymnasium mit 3 klassen (Unter-, Obertertia und Unter-Sekunda), die Vorschule mit 3, nachher 4 Klassen (je mit einjährigem Kursus).

Ostern 1906 wird die Ober-Sekunda des Realgymnasiums 9eingerichtet.

In das vergangene Schuljahr fällt ein Ereignis von weittragender Bedeutung für die Anstalt. Sie hat das Recht erhalten, den Namen des großen Dichters zu führen, dessen 100 jähriger Todestag auch hier wie im ganzen deutschen Vaterland am 9. Mai in edelster Begeisterung gefeiert wurde. Unter dem Eindruck dieser erhebenden Feier beschloß das Kuratorium, um die Jugend in unvergeßlicher Weise an den Dichterheros zu mahnen und sie anzuspornen ihm allezeit nachzuleben und um der ganzen Be- völkerung ein sichtbares Zeichen für die Verehrung dieses Genius vor Augen zu stellen, höheren Orts die Verleihung des NamensSchiller-Gymnasium zu beantragen. Am 28. August traf die Genehmigung ein, und am 26. September konnte dieser Tatsache bei der Einweihung der neuen Aula gebührende Erwähnung getan-⸗werden.

Diese Einweihungsfeier fand unter lebhafter Beteiligung der Gemeinde-Organe, der Freunde der Anstalt und des Vereins ehemaliger Abiturienten des Gymnasiums statt. Die letzteren hatten in pietätvoller Weise als ersten Schmuck in die Aula das Bild des ersten Direktors, Dr. Hempels, gestiftet. Nachdem das Schülerorchester die Quverture an Prometheus von Beethoven, der Schülerchor das SchillerscheMorgenlied von Taubert vorgetragen hatte, hielt der Amtsvorsteher Herr Bürgermeister Schulz folgende Ansprache.

Hochansehnliche Festversammlung!

Mit der heutigen Einweihungsfeier der neuen Aula, dieses imposanten, auch weitgehenden Ansprüchen der Schule entsprechenden, großen Festsaales, mit der Benutzung der Turnhalle und ihrer Nebenräume, mit der Fertigstellung und Beziehung des Direktor-Wohnhauses stehen wir am Schluß einer Jahrzehnte währenden, interessanten Bauperiode, am Schluß eines Baues, dessen einzelne Glieder sich zwar nicht immer ganz harmonisch in einander fügen, die aber in ihrer Verschiedenheit den Anforderungen moderner Schulhygiene gegenüber ein getreues Spiegelbild der Entwickelung der Patronatsgemeinde Groß-Lichterfelde darbieten, einer Entwickelung, die auch heute trotz der imposanten Anbauten noch lange nicht als abgeschlossen gelten kann.

Wer in späterer Zeit und ohne Kenntnis unserer kommunalen Entwickelung diesen Bau kritisieren und zensieren wird, wird ihm wahrscheinlich die Nummer I vorenthalten, weil die ganze Anlage der einheitlichen, harmonischen Gliederung entbehrt, die nur dann vorhanden sein kann, wenn der Bau aus einem Gusse erfolgt oder wenigstens von vornherein die spätere Ent- wickelung berücksichtigt.

Es kann nicht meine Aufgabe sein, heute diejenigen Momente hervorzuheben, die zu dem eigenartigen Gesamtbilde des Baues geführt haben. Das aber möchte ich mit allem Ernst be- tonen, daß zu jeder Zeit der redliche Wille und das ernste Bestreben vorhanden gewesen ist, die Forderungen und Interessen der Schule mit den Interessen der Gemeinde in Einklang zu bringen. Und so ist es denn im Widerstreit der Meinungen doch schließlich ermöglicht worden, Räume zu schaffen, die auch den strengsten Anforderungen moderner Schulhygiene, was Luft, Licht, Heizung, Entlüftung u. s. w. anbetrifft, in vollem Maße entsprechen, und namentlich möglich geworden, den Teil des Anbaues herzustellen, in dem wir uns augenblicklich befinden.