Aufsatz 
Eine Schillerrede
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Verlangen als übermenschlich, unnatürlich, verstiegen zurückweisen, wenn nicht eins dazu käme, um dessentwillen Schiller noch unter uns leben und unser bleiben würde, auch wenn alle seine Werke uns nichts mehr gelten würden.Und setzt ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein; er hat in seinem Leben wahr gemacht, was er gelehrt hat, und an dieser Tatsache kann keiner vorüber.

Wie einer der spannendsten Romane mutet sein Werden uns an mit dem Druck seiner Knabenjahre, seiner mannhaften Flucht, mit seinen tiefsten äußeren Nöten und der Erlösung aus ihnen durch die wunderbarste Hilfe gerade im rechten Augenblick, mit seiner Steigerung, bis er Goethe gefunden hatte und zum Liebling der Nation geworden war, dies Leben, das außer der ersten Kindheit nur ein einziges ungetrübtes glück- liches jahr aufzuweisen hat. Sonst Kampf und Unruhe auf der ganzen Linie, nicht nur im äußeren, sondern auch im inneren Leben.Schiller, hat ein Literarhistoriker ge- sagt,der Theologie hatte studieren wollen, zuerst Jurisprudenz und dann Medizin studiert hatte, war endlich Professor der Philosophie geworden, der Geschichte vor- tragen sollte; wir können hinzufügen, bis er auch das alles aufgab, um nur ein Dichter zu werden, der mit unerhörter Kraft seinen aufgeriebenen und dahinsiechenden Körper in den Dienst seiner Ideen zwang. Nie mit dem erreichten Erfolg zufrieden, und mochte er ihn noch so laut umrauschen, arbeitete er unablässig an seiner eigenen Vollendung. Ewig denkwürdig bleiben seine Worte an Körner:Mit einer Beschämung, die nicht niederdrückt, sondern emporrafft, sah ich rückwärts in die Vergangenheit, die ich durch die unglücklichste Verschwendung mißbrauchte. Ich fühlte die kühne An- lage meiner Kräfte, das mißlungene, vielleicht große Vorhaben der Natur mit mir. Eine Hälfte wurde durch die wahnsinnige Methode meiner Erziehung und die Mißlaune meines Geschicks, die zweite und größere aber durch mich selbst zernichtet. Tief, bester Freund, habe ich das empfunden, und in der allgemeinen feurigen Gärung meiner Gefühle haben sich Kopf und Herz zu dem herkulischen Gelübde vereinigt, die Ver- gangenheit nachzuholen und den edlen Wettlauf zum höchsten Ziel von vorn anzufangen.

Er hat es gehalten, was er sich gelobt, dieser Herkules des Willens. Es ist nur eine Stimme über ihn in der letzten Zeit seines Lebens von allen, die ihn kannten: wie wunderbar er sichhinaufgeläutert hatte.Eine unaussprechliche Milde durch- drang Schillers ganzes Wesen, schreibt seine Schwägerin von ihm,und gab sich kund in all seinen Urteilen und Empfinden; es war ein wahrer Gottesfrieden in ihm. Und W. v. Humboldt schrieb ihm:Sie sind der glücklichste Mensch. Sie haben das Höchste ergriffen und besitzen Kraft es festzuhalten. Es ist ihre Region geworden, und nicht genug, daß das gewöhnliche Leben Sie darin nicht stört, so führen Sie aus jenem besseren eine Güte, eine Milde, eine Klarheit und Wärme in dieses hinüber, die unverkennbar ihre Abkunft verraten.

Wer unter uns würde nicht auch gern solch ein glücklicher Mensch sein, der nicht nur im Glück und Sonnenschein des Lebens, sondern sogar aus allen eigenenen Schwierigkeiten heraus im gewöhnlichen alltäglichen Leben Güte und Milde, Klarheit und Wärme unter seiner Umgebung auszubreiten vermöchte!

Er selbst freilich war sich dieses Glückes unbewußt; er blieb, wie alle großen ldealisten, ein vir desideriorum, ein Mann der Sehnsucht, aber nicht der ver- zweifelnden, pessimistisch niedergebeugten, sondern jener von Mut und Freude ge- tragenen, die an eine Vollendung des Guten glaubt und ihm nachstrebt, unbekümmert, wie weit sie es erreicht.

Mut und Freude so können wir alles zusammenfassen, was er uns als ein großes Vermächtnis in seinem Leben und seinen Werken hinterlassen hat, Mut und Freude, sind sie es nicht gerade, die unsere zerfließende, weichliche, nörgelnde, verneinende, trennende, unfrohe, rastlose Zeit so nötig hat: jener Mut, der unverzagt