Aufsatz 
Rede zur Schillerfeier
Entstehung
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das belebende und beseligende Element der Gattin und Mutter in der Familie mit so er- schütternder Wahrheit zeichnen konnte, wie Sch. in der Glocke; der muss das Wesen und die Bedeutung des Weibes wohl gekannt und empfunden haben. Und dass er dem Erkannten und Empfundenen Ausdruck zu geben und es deutlich in die Erscheinung treten zu lassen verstand, diese Fähigkeit ihm abzusprechen, hat wohl noch Niemand die Stirn gehabt. Wenn demnach die dramatischen Frauen Schillers den Göthischen gegen- über an Wahrheit der Zeichnung zurückstehen, so muss der Grund hievon wohl anderswo, und zwar ganz offenbar in einem andern Zwecke gesucht werden, in einem Zwecke, bei welchem die Wege beider Dichter auseinander gingen. Göthe hat von seiner frühesten Jugend an in einem erziehenden Frauenkreise gelebt. Mutter und Schwester Cornelia lebten und webten in dem Wolfgang. Von seinem zehnten Lebensjahre an finden wir ihn schon in weiblichem Umgange und zwar mit leidenschaftlicher Neigung und mit Gefühls- symptomen, die einem zwanzigjährigen natürlicher wären. Dabei überall wenig innerer Kampf, wenig Beherrschung, wenig Hemmung von aussen, fast überall ein muthwilliges Sichgehenlassen, eine aristokratische Gleichgiltigkeit gegen Alters- und Zeitgenossen, Unwille und Leidenstrotz nur gegen nicht erreichte, oder durch den Ernst der Verhält- nisse in ihrer Ausführung behinderte Vorsätze. Göthes Bekanntschaft und Umgang mit der anmuthigen Friederike von Sesenheim und seine um 18 Jahre zu spät erfolgte Ver- mählung mit Christiane Vulpius sind in dem sonnenhellen Leben des grossen Mannes schwarze Flecken, welche das reine, deutsche Gemüth nun einmal nicht verträgt, und welche kein Göthe-Enthusiast bis jetzt daraus wegzutilgen im Stande gewesen ist. Es ist bekannt, dass Göthe im Jahr 1823, also in seinem 74. Lebensjahre, alles Ernstes da- mit umging, sich mit dem reizenden Fräulein von Lewezow, welches er in Marienbad kennen gelernt hatte, zu vermählen, und dass er, wie Lewes II. S. 534 erzählt, nur auf den dringenden Rath seiner Freunde und aus Furcht vor der Lächerlichkeit von seinemn leidenschaftlichen Entschlusse abliess.

Wie ganz anders Schiller! Er blickt auf die deutsche Frau mit deutscher Verehrung, er naht sich ihr mit ächt deutscher Heilighaltung, er sieht in ihr ein den Jüngling begeisterndes Wesen, welches die Vorschung gewählt hat, ein Mittel, seinen Muth zu erhöhen zu dem kühnsten Wagniss, ein Mittel, seinen Arm zu stählen zum Kampfe auf Leben und Tod für Freiheit, Recht und Vaterland. In ihrem Besitze ist jeder irdische Preis ein nichtiger, in ihrem Besitze wächst die Entschlossenheit zur Riesenkraft und treibt den in der Ehre seines Hauses verletzten Mann zum rücksichts- losen Widerstand gegen jegliche Art von Uebermuth und Despotie.Das Mädchen ist eine Heilige, ruft der sterbende Ferdinand,für sie muss ein andrer rechten. Und in dem Taucher ergreifts des Jünglings Seele mit Himmelsgewalt,

und es blitzt aus den Augen ihm kühn,

und er sieht sie erröthen die holde Gestalt

und sieht sie erbleichen und sinken hin

Da treibts ihn den köstlichen Preis zu erwerben.

Max sieht Theklas Besitz für sich verloren und von seinen treuen Kürassieren um-

geben scheidet er aus dem Drama mit dem Bewusstsein des nahen Todes: Ihr reisst mich weg von meinem Glück, wohlan, Der Rachegöttin weih' ich eure Seelen!

. 1 Ihr habt gewählt zum eigenen Verderben, 157 5 Wer mit mir geht, der sei bereit zu sterben., 13n

Der Musicus Miller ist nicht ein Sohn des irdischen Glücks: aber um keinen Preis will er es sich aneignen, wenn der Ehre seiner Lnise dadurch; auch nur der leiseste 1 MA. kel anhaften sollte. 4 N