Aufsatz 
Schulrat Johann Karl Schuller : Eine Skizze seines Lebens und Wirkens
Entstehung
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siebenbürgische Geschichte vorgetragen. Es fehlt in diesem Verzeichnis gewiss manches, so nach⸗ weisbar deutsche Literaturgeschichte, die er gern und freudig lauschenden Zuhôrern vorgetragen dat. So vielerlei es aber auch gewesen ist, was er hat lehren müssen, ebenso gross ist die vom Vater ererbte und anerzogene Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit gewesen, mit der er sich für diese Stunden vorbereitet hat. Das bezeugt unter anderm ein aus dieser Zeit stammendes heft: Geschichte der deutschen Hationalliteratur, vorgetragen von Prof. Joh. Karl Schuller etc. der fleissige Schüler, der es dem Vortrage des professors nachgeschrieben hat, war Karl Thallmayer, der fünf Jahre später in der Schlacht bei Salzburg gefallen ist ein heft, das neben der Gründlichkeit zugleich ein tiefes Verständnis für echte Poesie, eine rühmenswerte übersichtlichkeit und edle, plastische Darstellungsgabe zeigt. Mlit derselben oder noch grösseren Gewissenhaftigkeit hat Schuller sich für seine geschichtlichen Vorträge vorbereitet, wie seine noch erhaltenen hefte und Ianuskripte beweisen. Gerade die Geschichte ist es gewesen, in der Schuller als Lehrer wohl am meisten gewirkt hat, ein Gebiet, auf das er sich erst nach seinen Universitätsjabren geworfen hat.(je er hier begeistert gelehrt und begeisternd gewirkt hat, wird oft gerühmt, vielleicht am freudigsten in einem Brief Jakob Rannichers, seines einstmaligen Schülers. Nuf die Gratulation zu einer Auszeichnung der Dekorierung mit dem goldenen Verdienstkreuz(1850) antwortet Rannicher, sich, die Schule und den einstigen Cehrer zugleich ehrend:O ja, Sie haben Recht, sich zu freuen; denn was den Schüler schmückt und ziert, strahlt in gleich schönem Glanze auf den alten Cehrer und die Schule zurück, der wir unser geistiges und sittliches Besitztum, die Quelle des Willens, der Gesinnung und der Tat verdanken. Sie, mein verehrtester, väterlicher Freund, haben mir das Tor zur Geschichtshalle unseres biederen deutschen Volkes aufgeschlossen, aus Ihrer hand erhielt ich zum erstenmal des gefeierten Schlözers köstliches Buch, aus dem ich mich vollgesogen von Begeisterung für das Volk der sieben Burgen und die deutschen Kunige, zu denen es in Liebe und Treue gehalten von Infang an zu jeder Zeit. So erwärmt und empfänglich gemacht, gewann ich Cust an den Quellen der alten Rechte und Gesetze, zu denen mich Zimmermann führte. Sie beide haben den verdientesten Anspruch auf meinen Dank.

Hicht nur Rannicher bezeichnet sich in seinen Briefen immer wieder als dankbaren Schüler, noch so mancher Briefschreiber und es sind viele darunter, die hohe und ehrenvolle Stellungen erreicht haben betont gern seine Liebe und Verehrung für den alten Lehrer. Denn die herzen seiner Schüler hat Schuller besessen wie wenig andere und hat sie sich von Jahr zu Jahr neu erobert durch seinen Unterricht ebenso, wie durch seine herzensgüte und freundliche Ililde.

Unter den erhaltenen Hkten Schullers befinden sich auch drei Hamenstaggecdichte, gewidmet von seinen dankbaren Schülern. Dass Schuller sie aufbewahrt hat, lässt vermuten, dass solche Ehrungen nicht nur konventionelle Sitte gewesen sind, und einer seiner ehemaligen Schüler, der emeritierte Stadtpfarrer von Broos, herr Friedrich Wilhelm Schuster, bestätigt dieses, indem er ausdrücklich betont, dass sie solche Ehrenbezeugungen nur Schuller erwiesen hätten. Ihr Inhalt aber bezeugt wenn auch in pathetischer, überschwenglicher Form, so doch von dem guten Cillen diktiert die Ehrfurcht vor dem flanne der dissenschaft und die Ciebe zu dem ver- ehrten Lebrer.

Diese Gedichte, von denen eines F. dd. Schuster, ein andres Fr. Krasser zum Verfasser bat, mögen als Kennzeichen dieser Verehrung hier ſolgen: