Aufsatz 
Schulrat Johann Karl Schuller : Eine Skizze seines Lebens und Wirkens
Entstehung
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besonders mein Sohn Hlichel, den ich Ihnen, dass er auf der schlüpfrigen Jünglingsbahn rein

und unschuldig erhalten werde, aufs Gewissen binden werde. Im September 1814 kehrte Schuller in die heimat zurück und schon im HNovember desselben Jahres erbielt er eine Gymnasiallebrerstelle. Damit begann die ernste Zeit der Berufsarbeit.

Die Zustände an den sächsischen Schulen jener Zeit bilden keinen Glanzpunkt in unserer Geschichte.) In jenen Jahren des Stillstandes und Rückschrittes war auch die Schule, und mit ihr das Gymnasium stehen geblieben, und während draussen in Deutschland gerade in diesen Jahren neue Ideen und neue éinrichtungen in Erziehung und ÜUnterricht sich durchbrachen, liess die Wetternichische Furcht vor jeder freien Regung und bei uns dazu noch ein ziemliches Unver⸗ ständnis für Schulangelegenheiten im Oberkonsistorium einen Fortschritt nicht zu. Der Versuch, der 1823 endlich unternommen wurde, eine Besserung durch eine neue Schulverfassung herbei⸗ zuführen sie stammte im wesentlichen vom Schässburger Rektor G. P. Binder scheiterte daran, dass die Regierung es mit der Bestätigung nicht eilig hatte, und als diese endlich acht Jahre später erfolgte, die Verfassung zum Teil wieder veraltet war. Immerhin bildete sie einen Fortschritt. Bis dahin aber war alles beim lten geblieben. Die klassische Philologie hatte ein solch drückendes Übergewicht schon im 2. Schuljahre fing der Lateinunterricht an dass von einer Entwicklung der andern Gegenstände kaum die Rede sein konnte. Dazu kam, dass der fortwährende Personenwechsel im Kollegium betrachteten doch viele Lehrer das Lehramt nur als notwendiges däbel, das zu der Pfründe führen sollte und der damit bedingte fast alljährliche echsel der Lehrgegenstände eine Vertiefung selbst bei strebsamen Lehrern nicht immer zuliess und dass von einem Ineinandergreifen und Zusammenarbeiten aller keine Rede sein konnte. CGenn unser Anterrichtswesen jener Jahre nicht ganz darniederlag, wenn aus den Schulen gerade dieser Zeit eine ganze Reihe bedeutender Ilänner einen grossen Teil ihrer Bildung geschöpft haben, so ist es der Hrbeitslust, Gewissenhaftigkeit und Begeisterungsfähigkeit einzelner Lehrer zu verdanken. Solche hat es Gott sei Dank auch in jenen Tagen nicht wenige gegeben, und zu bedeutendsten unter ihnen zählt J. K. Schuller.

Gohl klagt auch er:In dem häufigen dechsel der mir übertragenen Lehrgegenstände spiegelt sich die damalige Einrichtung der sächsischen Gymnasien. Ich kann mich nicht rühmen, den strengen Anforderungen derselben jemals ganz entsprochen zu haben so sehr oft habe ich mich auf dem Katheder durch die bekannte Nenie

* as sie heute gelernt, das müssen sie morgen schon lehren, Hch was haben die Herrn doch für ein kurzes Gedärm

getroffen gefühlt. Bllein das nachsichtige Vertrauen meiner Vorgesetzten hat vielfältig den doillen für die Tat genommen, und meine Schüler sind so freundlich gewesen, die Genesis manches gelehrten Vortrages über ein Thema, von welchem ich tags vorher kaum mehr gewusst, als sie selbst, zu übersehen und mich auf dem mühevollen lüege eines Gymnasiallehrers mit einer liebevollen Inbänglichkeit zu begleiten, die mich oft in trüben Tagen aufgerichtet hat und deren Erinnerung den Spätabend meines Lebens verschönert.

Wie wir aus einem freilich erst 1859 ausgestellten Dienstzeugnis ersehen, hat er in den ersten Jahren seiner Lebrertätigkeit hauptsächlich griechische und lateinische Philologie, später neben dieser theoretische und praktische Philosophie, dann Dogmatik und Hloral, allgemeine und

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¹) Vgl. Fr. Teutsch, Geschichte der Siebenbürger Sachsen III., 57.