Aufsatz 
Schulrat Johann Karl Schuller : Eine Skizze seines Lebens und Wirkens
Entstehung
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mitangesehen hatte, trat scheinbar eine Pause in den Operationen der Irmeen ein. Diese benützte er am 2. Mai dazu, in das Lager der Cützower bei Lindenau zu wandern und den Freiheits⸗ kämpfern, besonders den Bekannten unter ihnen, die Hand noch einmal zu reichen. Bei dem unerwarteten Anrücken einer französischen Irmee unter dem Vizekönig von Italien geriet er im Durcheinander der Fliebenden und der anrückenden Sieger in die grösste Cebensgefahr. Zu seinem Glück wurde er in den Strassengraben gestossen, duckte sich hier, so gut er konnte und keuchte endlich mühselig nach Hause. Im nächsten Tage tobte die Schlacht bei LCützen und Grossgörschen und am 4. Mai konnten die Leipziger von ihren Türmen erst das Anrücken ungeheurer französischer Truppenmassen ansehen Schuller stand stundenlang auf dem dèlmlauf des Thomaskirchturms und erlebten dann den Einmarsch eines franzõsischen Korps unter Mlarschall Hey. Die folgende Hacht verbrachte ganz Leipzig schlaflos, da sich das Gerücht verbreitet hatte, die Stadt werde den fran⸗ zösischen Soldaten zur Plünderung ausgeliefert. Zum Glück auch für Schuller, der für sein geringes, ihm freilich recht wertvolles hab und Gut bangte, bewahrheitete sich das Gerücht wecder jetzt noch an den folgenden Tagen. Um Hlorgen des 7. Iai endlich beschloss Schuller und sein Freund hildebrand trotz des strengen Verbotes das Schlachtfeld zu besuchen. Spät in der Hacht kehrten sie erst heim, erschöpft von dem weiten deg, erschüttert von dem nblick so vieler noch unbeerdigter Gefallenen, verheerter Dörfer, geplünderter Häuser und zahlloser Verwundeten, mit denen höfe, Zimmer und Gärten der llmgegend überfüllt waren. Das Bajonett und der Ladestock, die er als Trophäen vom Schlachtfelde mitgebracht hatte, konnten ihn über die furchtbaren Eindrücke des Schlachtengreuels nicht hinwegtrösten.

Die kommenden Ereignisse hat Schuller nicht mehr mit eigenen Hugen angesehen. Die kriegerischen nruhen in und um Leipzig hatten eine vorzeitige Schliessung der Vorlesungen veranlasst, und um seine Studien nicht zu unterbrechen, beschloss er, nach d-ien zu gehen. Es war nicht leicht, aus dem von freundlichen und feindlichen Heeren angefüllten Lande berauszukommen, aber es gelang, und nach mancherlei Abenteuern kam er glücklich nach lien. Zu hause aber hatten die Eltern lange bange Uochen vergeblich auf Kunde von ihrem Hlltesten gewartet.

Von den Ereignissen in Deutschland erhielt Schuller treuen und zuverlässigen Bericht durch seinen Freund Poppo, mit dem er bis zum späten Lebensabend in freundschaftlichem Briefverkehr geblieben ist. Es ist noch heute hochinteressant, diese Berichte eines glühenden Patrioten zu lesen, der jene weltgeschichtlichen Ereignisse miterlebt und zum Teil wie die Völkerschlacht bei Leipzig mitangesehen hat, bis eine dicht vor ihm im Stadtgraben einschlagende Granate ihn zur heimkehr mahnte, interessant für uns auch deshalb, weil sie auch auf Schullers Gesinnung Streiflichter werfen, der nach des Briefschreibers eigenem Ärteil wie kein anderer auch in politischen Dingen mit ihm sympathisiert hat. Als Schlag auf Schlag gegen Hapoleon fällt, ruft er:O bätte ich dich gegenwärtig hier, wie manche angenehme Stunden wollten wir beim Eintreffen der froben Hachrichten mit einander verleben! Und im Frühling 1813 jubelt er: Ja selbst das, was wir nicht einmal zu wünschen, geschweige zu hoffen getrauten, ist in Erfüllung gegangen. ie trauert er, wenn böse Hachrichten eintreffen, wie kann er die dlngeduld kaum meistern, wenn die Kriegsoperationen stocken.

In(ien hat Schuller inzwischen, von weltgeschichtlichen Ereignissen nicht abgelenkt, eifrig seine Studien fortgesetzt. Zu hause harrten sie seiner schon ungeduldig. Der einstige Lehrer, Gottlieb Ziegler, schreibt ihm(1813):Kommen Sie, kommen Sie! Es wartet Ibrer Vater und Mutter, die viele schlaflose Hlächte Ihretwegen gehabt, es warten Ihrer wackere Brücker, die einen Lehrer und Ratgeber sich wünschen, es warten Ihrer angehende Chlamydaten, darunter

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