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Im Jahre 1805 bezog er das hermannstädter Gymnasium. Er rühmt in dankbarer Erinnerung als seine trefflichen Lehrer Peter Schuster, Josef Gottschling, Joh. und Iich. Bergleiter, Joh. Filtsch, Joh. Schneider, Gottlieb Ziegler, Ilich. Ickner und Andr. Severinus, und das Lob, das er so bereitwillig spendet, fällt auch auf den Schüler zurück. äber seine Leistungen in der Schule erfahren wir aus der damals so wortkargen Hlatrikel recht wenig, erst im Jahre 1811 wird er genannt, in dem Jahre seines Bbganges vom Gymnasium. Da verzeichnet der strenge Direktor WMich. Bergleiter, dass seine Sitten die besten waren und dass er am 22. Juli sein Konsistorialexamen— unsrer Iaturitätsprüfung entsprechend— mit Buszeichnung abgelegt habe. Daraus aber, dass mehrere seiner Lehrer ihn für würdig hielten, mit ihm während seiner AUniversitätszeit in Briefverkehr zu treten— Gottlieb Ziegler schreibt ihm: Die Hation, ihre Verwandten machen sich grosse Erwartungen von ihnen— und dass bald nach seiner Rückkehr aus mehreren der ehemaligen Lehrer liebe Freunde wurden, lässt sich deutlicher noch erkennen, wie sehr sie ihn schon als Schüler geschätzt hatten.
Nach Beendigung des Gymnasialkurses blieb Schuller zunächst noch bis zum pril 1812 in Hermannstadt und erteilte— wie es damals häufig vorkam, dass ältere Schüler und Absolventen in den unteren Klassen als Lehrer verwendet wurden— den dnterricht in der Grammatistenklasse. Dann aber fuhr er nach Leipzig, um an der dortigen dniversität sich für das Lehr⸗ und Pfarramt vorzubereiten.
„UGUas ich in Leipzig gelernt— so schreibt er in seiner kurzen Selbstbiographie!)— das danke ich vorzüglich den Professoren Beck, Krug und Tzschirner und dem êmgang mit einem unvergesslichen Freunde, E. Fr. Poppo, später Direktor des Gymnasiums zu Frankfurt a. O.; und wenn ich in dem zarten Hiter von 18 Jahren der Leitung bedurfte, so fand ich sie in der würdigen Familie des Direktors der Leipziger Bürgerschule Gedicke, welche den ihr empfohlenen Jüngling wie den eigenen Sohn pflegte.“
Schullers Briefe aus dieser Zeit sind nicht erhalten geblieben. Aber mehrere Antwort⸗ briefe seiner jüngeren Brüder und einiger Freunde zeigen uns, dass der junge Student unter dem Eindruck des vielen Nleuen, das sich ihm darbot, stand— die Leipziger Ilesse hat ihn ganz besonders interessiert— und dass er seine Erlebnisse und éindrücke recht spannend zu schildern wusste. Um tiefsten aber haben die grossen weltgeschichtlichen Ereignisse, die er zum Teil als Hugenzeuge hier miterlebt hat, auf ihn gewirkt..
Als er nach Leipzig kam, staunte er einen grossen Teil der französischen Irmee auf ihrem Durchzuge nach Russland an, um im dinter darauf Hugenzeuge zu sein von den namenlosen Drangsalen, unter denen ihre aufgelösten äberreste zurückkehrten. Gemeinsam mit dem freiheits- durstigen Freunde Poppo schmiedeten sie damals Pläne zur Befreiung Deutschlands, die für das jugendliche Ungestüm freilich sich allzulangsam verwirklichten. In den letzten Tagen des Bpril 1813 endlich standen die feindlichen hHeere nicht weit von Leipzig einander gegenüber. as nun folgte, hat sich ihm unauslöschlich eingeprägt, und wie er oft und oft in späteren Jahren mit sichtbarem Behagen auf diese Ereignisse zu sprechen kam, so hat er noch nach 50 Jahren im Siebenbürger Boten,) jeder Einzelbeit sich erinnernd, von den Erlebnissen dieser Tage berichtet. Tlachdem er am 30. Hpril mit vielen andern Hleugierigen den Hufmarsch der Brmeen und einen Scheinangriff Napoleons in der welthistorischen ébene von Lützen aus respektabler Entfernung
¹) Hus meinem Leben. Von F. Carl Schuller. Sächsischer hausfreund 1860, p. I ff. ²) Vor fünfzig Jahren, Hermannstädter Zeitung ver. mit dem Siebenb. Boten 1863, Hr. 126.


