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Da also in der Nachbarschaft Lüneburgs kein wendischer Ortsname aufzutreiben ist, wird man nicht mehr geneigt sein, gerade den Namen Lüneburg aus dem Slavischen abzuleiten, vielmehr die Wahrschein- lichkeit zugestehen, daß die Anfänge dieser Ansiedlung in die Zeit vor der Einwanderung der Slaven, in die bardisch-sächsische oder gar in die rein langobardische Zeit zurückreichen. Von dieser Seite wird gegen meine Ableitung des Namens kein Einwand mehr gemacht werden. 3.
Ich habe oben den Stamm des Namens Hliuni in langobardischen Personennamen wiedergefunden und auch sonst in Lüneburg und Umgegend auf Schritt und Tritt Anklänge an langobardische Namen nach- gewiesen. S.lche Anklänge sind an sich nicht verwunderlich, sagen doch die Überlieferungen des Langobarden- volkes selbst, daß der größere Teil des Volkes in der nordischen Heimat zurückgeblieben sei. Nun ist freilich mit einigen wenigen UÜbereinstimmungen nicht viel bewiesen, da die Bildung der Personennamen bei allen germanischen Stämmen im wesentlichen gleich ist; das schließt jedoch nicht aus, daß die einzelnen Volks- stämme eine Vorliebe für bestimmte Namensippen und bestimmte Bildungsarten haben, so daß die Auswahl, die ein Volk unter den vielen möglichen Namen getroffen hat, doch einer gewissen Eigenart nicht entbehrt. So sind unter den bisher nachgewiesenen Übereinstimmungen zwischen lüneburgischer und lango- bardischer Namengebung doch schon manche, die recht ins Gewicht fallen. Ich habe mir nun die Mühe genommen, den Umfang dieser UÜbereinstimmung im Bereiche der Ortsnamen der Lüneburger Heide festzu- stellen. Das Ergebnis meiner Prüfung ist folgendes. Innerhalb der Grenzen des Bardengaues habe ich Anklänge an langobardische Namen und Bezeichnungen gefunden bei 336 Orts- und Flurnamen, in den angrenzenden rein deutschen Gauen zwischen Elbe und Aller bei 147 Orts- und Flurnamen, in den an- grenzenden slavisch-deutschen Gauen zwischen Elbe und Aller 56 Orts- und Flurnamen, zusammen also im Fürstentum Lneburg zwischen Elbe und Aller(in der Lüneburger Heide) bei 539 Orts- und Flur- namen. Nicht alle diese Gleichsetzungen sind von gleicher Sicherheit, schon deshalb nicht, weil nicht alle Ortsnamen in hinreichend alter Form überliefert sind, um eine sichere Ableitung zu gestatten; aber selbst wenn man deshalb die Zahl um ein Viertel verringern wollte, bliebe doch noch genug zurück, um zu der Anschauung zu kommen, daß der grôßere Teil der Siedlungen in der Lüneburger Heide hinaufreicht in die Zeit, die vor dem Aufbruch der Langobarden aus diesen Gegenden und vor der Gründung des Sachsenreiches liegt, das will sagen, in die Zeit vor 250 n. Chr. Außerdem geht aus diesen Zahlen deutlich hervor, daß in der Tat in erster Linie im Bardengau, sodann aber auch, freilich in geringerem Maße, in den übrigen Teilen der Heide die Nachkommen des Langobardenvolkes zu suchen sind.
Bei solchen Vergleichungen ist mit äußerster Sorgfalt auf den Lautstand der beiden Mundarten zu achten. Im allgemeinen steht ja das Langobardische auf hochdeutscher, das Lüneburgische auf niederdeutscher Stufe; aber im einzelnen kommen doch nicht wenige bemerkenswerte Besonderheiten vor, die zum Teil auch wieder auf eine nähere Verwandtschaft schließen lassen. Ich will das noch an einigen Beispielen zeigen.
1) Germ. 5= lgbd. 5 35 liinebg, anlautend vor Vokalen s und s, z. B. lünebg. Sand, Zand, Sudermolen,
Zudermælen, Sottorpe, Zottorpe, bi dem Sode, Zode. So auch lünebg. Zabel, Sabel neben(oνd. Sabulus,
Sarenholte, Zarnholte(Zahrenholz) neben 7ναα. Sario. Inlautend nach 7 und. Ulleshusen, UIzen-
Ursinna, die Ortze(»'starker Fluß) zu lgbd. Srsus, Vrseramus, rsemärius, Ursihertus, Orsengo.
2) Germ. b= lgbd. b und h= lünebg, im Anlaut 5 und H. Beispiele: Germ. batlu„Kampfe; lgbd. Pattaco, Patericus, Regimbadus, Sande badus, in loco et fundo Baliningo, lünebg. Badelenborg, Padelingheborch, Padelenborch(Bahlburg); Pattenhusen(Pattensen) neben Battensen, Batessende(Batensen).
Germ. bando-Fahne«; lbdl. Pando, Pandolfus, rigus Pandonis, lünebg Penteshorne(Pentzhorn) neben Bendingbostel, Benzen. Wahrscheinlich sind ebenso zu beurteilen Pevestorf neben Bevensen, Penningbusch neben Benninghöfen, Putenhusen(Putensen) neben Budinsola(Bollensen), Poitzen (Pochedissen=*HBorcherdishusen, der doppelte Ausfall des wie in Bendestorf, Bennéedestonpe = Bernerdestorhe).. 3 Germ. t= lgbd. ², zuweilen li= lünebg. l. Beispiele: Lebd. Tiallo= Zallo, lünebg. Tellingmene (Telmer); 7eēνd. Zangro, Zangrulf, lünebg. Tanghe, Tangendorhe. Germ. B= lgöd. th und t, selten d= liinebg. im Anlaute th, k und dI. Lębd. Theodericus, Teucdlericus, Töclerico, lüneb. Thiderikesbutle, Didersbuttel(Diersbütte]). Lgbd. Teodicus, lünebg. Thideke, Tithenborn, Tiedken- Berg. Lgöd. Teudulus, lünebg. Tietlinge(Tietlingen), Dethlingx(Dethlingen). Lebd. Teudemdri, Tédmärius, Temmdrius, lünebg. Timmo, Ditmaringe(Dittmern). Lgbd. Tancomdrus, lünebg. Tamime, Tammeke, Thankberinge, Dängberninghe, Dangmersdorhe(Dangenstorf). 5) Germ. d= lgöd. d und!= linebg, im Anlaut l und 7.
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