Aufsatz 
Was bedeutet der Name Lüneburg?
Entstehung
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site. Günne Ggunni oder*gunja) könnte also»Höhlung, Schlunde bezeichnet haben und eine Benennung für den fensterlosen, dunklen Schafkoven gewesen sein. Von derselben Wurzel scheint der Gauname Ginnaha (Alt- und Neu-Gönna bei Weimar) herzustammen(=»tiefes Wasser).

Zum Volksnamen der Friesen stelle ich den Namen des Gutes Vrestorf bei Bardowiek(Scacco de Erestorp, milites dicti de Frestonpe), wie die altlüneb. Bürgernamen Frese, Freseko, Lreseke, Friso, den lgöd. Frauennamen Erésa und den Namen des Dorfes Freschenhausen bei Harburg(Ereschenhusen, vgl. Friskinhen in Flanderp).

Das Dorf Wendhausen hatte nach Ausweis des Winsener Schatzregisters(herausgegeben von Meyer, Lüneburg 1891, S. 34) fast rein sächsische Bevölkerung, der Name(Wenthusen) hat also mit dem Volksnamen der Wenden nichts zu tun, sondern ist mit dem Worte wende»Umkehr. Grenze« gebildet, ebenso wie die Namen der benachbarten Orte Wennekath und Wendewisch(Grenzwiese). Wendhausen liegt hart außerhalb der alten Landwehr, die in nordsücllicher Richtung von Rullstorf(¶Qolevestonbbe, lebd. Rödulfus, Rödelaupus, zu ags. leda»Vertrauen«, oder*ödeläbus von laib»Hinterlassenschaft« und hröd»Ruhm) nach dem alten Turm am Dieksbeck läuft(Sôo Meinbeckertorn von Meinbeck»Birkenbach9.

Das dicht daneben liegende Reinstorf(72 Keynestorp) heißt nach einem mit agin gebildeten EN(lgbdl. Raino, Nainerius, Raginaldus u. a.).

Das zerstörte Dorf Rade, das am»Rader Bache« oberhalb des Lüner Holzes gelegen hat, hieß nach dem Ausroden des Waldes(Rade= Rodung, wie heute noch das Werkzeug zum Roden die Radehacke genannt wird).

Endlich wird das Dorf Nutzfelde 1288 ausdrücklich Slavica villa Nuthlikesvelde genannt(» Feld des NVathlitw), und Kühnel leitet den Namen von boln. nect»Köder« ab, ohne jedoch die Bedeutung des BM angeben zu können. Auch das Schatzregister gibt in Nutekesvelde lauter Hakenhöfe an, was auf wendische Bevölkerung schließen läßt. Ich mache aber darauf aufmerksam, daß die Form Nathlikesvelde deutsche Gestalt hat, und daß es deutsche Py gibt, die zu got. niutan»erlangene und nuta»Fänger, Jäger« gehören, wie lgbd. Noserius. Dasselbe beweisen die Ortsnamen Notanbeki, Vosenhusen, NVuiitlon, Notzingen, Nuiszilinga. Der zweite Teil des Namens Nuthlik findet sich in den 7νοα. PN Licuald, Lichembrandus, Audolicius (as. lic»Leib). Der lüneburgische Familienname de Nautlo, de Nutle scheint als alter Ortsname»Nußwald« zu bedeuten.

So scheint unter den Nachbarorten Lüneburgs als wendische Gründung nur das Dorf Wendisch- Evern übrig zu bleiben. Wie steht es mit diesem Dorfe? Das Schatzregister verzeichnet in ihm lauter Hake höfe. was zu der Benennung Wendeschen Everinge vortrefflich paßt. Aber warum trägt das Dorf den deutschen Namen Everingen? Man erklärt sich die Sache so: Die Wenden kaben bei ihrem Vorrücken eine Zeitlang das Dorf Deutsch-Evern besetzt gehabt, sind daraus aber bald von den zurückkommenden Sachsen vertrieben und haben s'ich eine Stunde weiter östlich aufs neue angesiedelt, so daß es von nun an zwei Dörfer des Namens Everinge gab, unterschieden nach dem Volkstum ihrer Bewohner. Aber man kann sich den Hergang auch anders denken. Niemand findet es auffällig, daß Süder-, Wester und Kirch-Gellersen als drei reinsächsische Dörfer des gleichen Namens neben einander liegen. Ganz ebenso werden im Mittelalter auch die beiden Dörfer des Namens Evern bisweilen als Wester und Oster Everinge von einander unter- schieden. Da der Name deutsch ist, hindert also nichts anzunehmen, daß sie beide von Deutschen, zwei Zweigen der Sippe eines Ibor, gegründet worden sind. Das eine von beiden wäre dann später, etwa infolge der Wegführung seiner bardisch-sächsischen Bewohner durch Karl den Großen, von den vorrückenden (vielleicht von Karl damit beschenkten) Slaven besetzt worden, während das andere sein ursprüngliches Volkstum bewahrte. So erklärt sich meines Erachtens die deutsche Benennung trotz slavischer Bevölkerung weit besser. Gegen meine Vermutung würde in etwas sprechen, wenn das Dorf seiner ursprünglichen Anlage nach ein Rundling wäre. Kühnel(S. 323) behauptet dies mit Entschiedenheit, mir will es nicht einleuchten, ebenso wenig wie bei Erbstorf, das überdies im Schatzregister lauter Pflughöfe hat.

Fassen wir nun das Ergebnis unserer UÜbersicht über die Nachbarorte Lüneburgs zusammen! Kein einziger dieser Orte ist nachweislich von Slaven gegründet worden, kein einziger dieser Orte trägt einen auch nur zur Hälfte slavischen Namen. Sie sind aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Ausnahme von Deutschen gegründet worden, haben aber zum Teil später wendische Einwanderer in sich aufgenommen. Dies gilt besonders von Wendisch-Evern, Barendorf, Nutzfelde und Häcklingen, die, wie es scheint, eine Zeitlang völlig von den Wenden überflutet worden sind.