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Die Straße»im Wendischen Dorfe« ist keine alte wendische Ansiedlung, sondern erst ziemlich spät durch Heranziehung wendischer Schiffsknechte entstanden(Man. I. 82). Khnlich wird es mit der»Wendischen Straße« stehen. Reichten diese Stadtteile bis zu den Anfängen der Stadt hinauf, würden sie daunklere, individuelle Namen tragen.
Das Dorf Modestompe an der»Alten Brücke«(der Stadtteil, in dem die Johanniskirche steht) soll nach einigen seinen Namen von dem slavischen Worte modu»Dreck, Morast⸗ haben. Diese Erklärung ist an sich sehr wenig wahrscheinlich. Die»Alte Brücke«, die dem ganzen umliegenden Go den Namen gegeben hat(GCo Modestonhe oder tor olden brugge), war deshalb von alters her berühmt und wichtig, weil sie der einzige bequeme und trockene UÜbergang über die Ilmenau in der ganzen Gegend war, und weil deshalb der Handel und Verkehr zwischen der Saline und dem Osten diesen Weg benutzen mußte. Wie sollte also das Dorf, das gerade an dieser Brücke lag, das Dorf, durch das der einzige trockene Weg führte, nach dem Moraste seinen Namen bekommen haben! Dazu kommt, daß der zweite Teil des Namens deutsch ist, daß man also doch zunächst, so lange nicht zwingende Gründe dagegen sprechen, den ersten Teil auch für deutsch zu halten berechtigt ist. Endlich ist der erste Teil Modes ein deutlicher deutscher Genitiv, woraus man nach dem Muster einer überwältigenden Masse deutscher Ortsnamen auf einen Personennamen schließen muß. Und ein solcher P bietet sich von selbst dar. Es liegt offenbar die Kurzform eines der vielen mit as. m6d, ahidl. muot gebildeten Personennamen hier vor. Zum Vergleich heranzuziehen sind Ortsnamen wie Mules/old, Moteslari, Modenesheim, Motlevingerod, Modriking u. A. Auch im Langobardischen ist diese Namenfamilie reich vertreten; ich nenne u. a. die PV Mödericus, Mödoaldus und Adelmödus. Von der Kurzform*Möcdi kann der Name Modestonhe ohne weiteres gebildet werden, er kann aber auch spätere Verkürzung von *Môöderikestorh u. à. sein, ebenso ist Verkürzung aus*Adelmödestorh nicht undenkbar. Von der Kurzform *Môdo findet man den gen. in dem ON Modenborg(Mahnburg bei Knesebeck).
Noch ein zweiter Stadtteil von Lüneburg ist in den Verdacht gekommen, eine ursprünglich slavische Niederlassung zu sein. Kühnel(Die slavischen Orts- und Flurnamen im Lüneburgischen) leitet den Namen der Vorstadt Grimm aus dem Slavischen ab. Er zieht den altsl. Stamm grim-, grimati»donnern heran, von dem der polnische PV Grzymislaw, der tschechische Hrim herstammt, und erklärt den Namen entweder als „des Grimo« oder als»die Familie Grim«. Sehen wir uns die Uberlieferung des Namens an! 1291 heißt es: aream sitam in Grimmone sub castro Luneborch, 1294 Fredericuõs de Grimmone, 13013 in Grimmone, 1309 in Grimme, 1329 ſohannes de Grimmeé, 1343 duo Lot sita in Grimmone, 1351 Marguardi, villici in Grimmone, 1355 in deme Grymme, 1359 in deme Grymme pe deme Debendale. Der letzte Zusatz erklärt sich daraus, daß die Vorstadt in dem tiefen Tale zwischen dem Kalkberg und dem Schildstein liegt. Noch heute sagt man ⸗im Grimm« oder»der Grimm«. Der Name ist also ein m. 5g. und wahrscheinlich ein Personenname. Zur Erklärung aus dem slavischen Sprachschatze werden wir erst dann greifen, wenn die deutsche Sprache versagt. Das tut sie aber keineswegs. Die Form in Grimmone führt auf die- Deklination, also auf einen Kurznamen auf o. Nun gibt es eine zahlreiche Sippe langobardischer Namen, die von dem Worte ima »Maske, Helm« gebildet sind, ebenso wie die bekannten Tiernamen Isegrim und Grimbart. Ich erinnere nur an den Namen des langobardischen Königs Grimowaldus(Grimuald, Grimoald, Grimaldus), an die Namen Grimberga, Grimari, Grimiso. Rôödelgrim u. a. Auch lüneburgische Bürger gehören zu dieser Namensippe. Zu dem loõd. Namen Grimaldus stellt sich der lüneb. Neubürger von 1348 ſohannes de Grimeldinge, zu dem lgbd. Grimherga der lünebg. Bürger von 1330 Fredericus Grimberch. Von diesem Stamme kommt nun auch die(⁹‿ Kurzform Grimo, die unmittelbar zu dem überlieferten»in Grimmone« paßt. Man vergleiche auch den Hof Griemen bei Walsrode. Die Verkürzung des 7 in diesem Stamme kommt schon früh vor.
Es ist also nicht unwahrscheinlich, daß die beiden Namen Modestor und Grimm bis in die lango- bardische Zeit zurückgehen. Daß der Personenname ohne Zusatz als Ortsname gebraucht wird, kommt auch sonst vor. Der eben angeführte Name Griemen(gen. Sg.) ist ein Beispiel. Ich weise auch auf das ganz nahe gelegene Göxe hin. Dieser Hof wird früher genannt Ghokessen, Gobesen, Goktzen(=*Gobisin), Goklzenborsltelde(=*okizin-burstal), also in der Genitivform„»Gebäudestelle des Gokxizo«, später einfach in der Nom'nativform Göxe(= Gokizo). Gokizo ist eine doppelte Verkleinerung von Godefrid, langobardisch Goccio. Wäre die Form Ghokessen allein überliefert, könnte man freilich darin*Gokieshaisen vermuten von der einfachen Verkleinerung*Goki.
Die Vorstadt Grimm hat im frühen Mittelalter, ehe der Kalkberg von den Lüneburgern erobert wurde, eine größere Bedeutung gehabt als Wohnsitz der Burgmannen des Kalkberges, deren stattliche Häuser dann sämtlich niedergerissen worden sind. Es hat durchaus nichts Auffallendes, wenn man annimmt, daß


