Elbe und zwar zu einem Orte des Namens Hliuni. Danach befand sich das Lager nicht sowohl in der Umgegend von Hliuni, als vielmehr an diesem Orte. Die Angaben widersprechen sich also nicht, sondern die eine ist die unbestimmtere(in der Nähe von Bardowik), die andere ist die genaue(in Hliuni). Beide Angaben werden, wie ich schon oben sagte, durch Einhards Autorität gestützt, der sie beide für richtig gehalten hat.
Der Grund für die Doppelangabe ist natürlich, daß Bardowik die umfangreichste, volkreichste und darum bedeutendste und bekannteste Siedlung des Bardengaus war, der eigentliche Verkehrsplatz und politische Mittelpunkt des Gaues, die»Stadt der Barden«, so daß wik im Gegensatz steht zu den Dörfern der Barden (Thorp). Diese Bedeutung Bardowiks war auch dem Hoeta Saxo wohl bekannt, jenem Mönche aus Lamspringe, der zur Zeit des Kaisers Arnulf die Erzählung Einhards in wohlklingende Hexameter gegossen hat; aus seiner eigenen Kenntnis heraus nennt er hier Bardowik einen vicus nobilis. Auch diese Stelle möge hier Platz finden:
Sed zursum terram bobulans hostililer ibsam, Eius in eatremo tandem brobe limite castris Consedit Hositis, vicus gua nobilis extat, Nomine Bardonwich dictus, guo iusserat ad se Pergere Sclavorum bBroceres sibi foedere iunctos. Illic adventum gQuorum dum forte maneret Oberiens, ex his extinctum comperit unum. Rex Abodritorum fuit is, cognomine Witsun, Fussus et ut fuerat, regem dum v'ellet adire, Incidit insidias, illi guas ante Hararunt Saxones, guoniam Francis novere fidelem. Hinc irae Stimulis animo commotus amaris, Eiusdem megionis agros villasgue feroci
Quam late ferro Hobulari iussit et igni.
War so Bardowik der bedeutendste und bekannteste Ort, so war doch der Kalkberg sicherlich der festeste. Und diesen durfte der Feldherr Karl nicht unbezwungen lassen. Darum lagerte er aller Wahr- scheinlichkeit nach an diesem Orte, am Fuße des Kalkberges, vermutlich auf demselben breiten Hügelrücken, auf dem nach der Tradition später auch Tilly sein Lager aufgeschlagen hat, und der deshalb noch heutiges Tages der»Zeltberg« heißt'’). Von hier aus beherrschte Karl zugleich die»Stadte und die»Burge des Bardengaus, Bardowik und Fliuni, d. h. den Kalkberg.
Gberblicken wir nun noch einmal die Ergebnisse unserer Untersuchung, so können wir meines Erachtens folgendes als in hohem Grade wahrscheinlich hinstellen. Der Name Lüneburg ist mit dem Namen Hliuni zusammengesetzt. Dieser haftete an dem Kalkberge mit nächster Umgebung. Eliuni ist eine Er- weiterung des altsächsischen Wortes hleo, got. hlija, durch das Suffix„ni. Die Grundbedeutung des Stammes ist»Obdach«, sie entfaltet sich in den Einzelbedeutungen:»Hütte, Zelt, Laubkrone, Laube, Waldesschatten, Waldesschutz, Schutz, Schirm, Beschirmer, Burg.« Als Name für den Kalkberg wird Aliunt»Zufluchtsort« bedeutet haben. Am nächsten kommt dieser Benennung das angelsächsische Aled'burh»Schutzburge. Der Name Hliuni stammt wahrscheinlich noch aus langobardischer Zeit. Der zusammengesetzte Name Liuniburg ist wohl zu einer Zeit entstanden, als man den Sinn des einfachen Namens nicht mehr deutlich fühlte; andernfalls wäre er zu beurteilen wie jene angelsächsische Zusammensetzung. Übersetzt kann er werden mit»Schirmburge.
Ich habe vorhin die Beantwortung der Frage zurückgestellt, ob in der Stadt Lüneburg Spuren ursprünglich slavischer Besiedlung nachzuweisen seien. So nämlich muß die Frage gestellt werden. Wir haben gesehen, daß die Form des Namens und die geschichtliche Ü⁵berlieferung zur Annahme eines deutschen Ursprunges dieser Siedlung drängt. Nicht die Namen also sind für slavisch zu erklären, die möglicherweise aus dem Slavischen abgeleitet werden können, sondern nur die, für die es eine ebenso gute deutsche Ableitung nicht gibt. Zweifellos sind die Slaven in dem Zeitraume zwischen 795 und 956 bis in die Gegend von Lüneburg vorgedrungen; fraglich ist nur, wie weit sie als Gründer von neuen Ortschaften anzusehen sind, und ob sie in irgend einem Teile von Lüneburg als ursprüngliche Bevölkerung nachgewiesen werden können.
¹) Der Name ist indes älter. Schon bei schomaker(T† 1563) heißt der Hügel Jeltberg(Schom. Chron. ed. Jh. Meyer S. 36.)


