Aufsatz 
Was bedeutet der Name Lüneburg?
Entstehung
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später noch zeigen werde. Selbst dann aber, wenn Slaven dort sicher nachzuweisen wären, müßten diese erst nach 795 eingewandert sein, könnten also an der Bildung des Namens liuni nicht mehr beteiligt sein. ¹)

Nach alledem ist die Frage so zu stellen: Hat der als deutsch überlieferte Name eine der deutschen Sprache nach Lautstand und Bildungsweise entsprechende Form? Muß man dies bejahen, so ist der Name zunächst aus dem deutschen Sprachschatze zu erklären. Nun ist aber die Form Hliuni seitens der alt- sächsischen Sprache aus keinerlei Gründen zu beanstanden; man kann sagen, sie klingt so deutsch wie nur irgend denkbar. In Westfalen werden im 9. Jahrhundert genannt die Orte Norahliunon(Narthliunon, Nord- liunon) und Sudhliunon(heute Nordlünen und Lünen an der Lippe), zwei Namen, die offenbar weiter nichts sind als der dat. pl. von Hliuni. Iin 10. Jahrhundert begegnet, ebenfalls in Westfalen, der Ort Tiuni. Der Heliand bietet die Form an thinaro fiuni(dat. Sg. von Siun Gesicht) und das Kompositum gisiuni(nom. 4&ε◻†. Andere Parallelen lasse ich vorlaufig beiseite. Daß Hliuni ein deutsches und zwar altsächsisches Wort sei, wird als im höchsten Grade wahrscheinlich gelten können.

Ansprechender als die bisher erwähnten ist die Ableitung des Namens Lüneburg, die Bruckner (Sprache der Langobarden S. 83) vorschlägt. Er sagt bei der Besprechung der langobardischen Namen Lunicisus, Lunicunda, Lunari und Lunissius, die er mit ahtd. lun, lunisa»Lünse, Achsnagel« vereinigt:»Es kann kein Zweifel sein, daß diese fast nur im Langobardischen mit Sicherheit nachgewiesenen Namen in Beziehung stehen zu dem Namen der Stadt Lüneburg. Aber so einschmeichelnd diese Vermutung auf den ersten Blick scheint, muß ich sie doch entschieden zurückweisen. Denn dem Anlaut des Wortes len fehlt, das h, und das kurze u dieses Stammes ist mit dem Diphtong in in Hliuni in keiner Weise zu vereinigen.

Man könnte nun etwa versuchen, die Ableitung jener Namen von dem Worte lan fallen zu lassen; dann würde die erste Schwierigkeit verschwinden, da im Langobardischen der Anlaut 4l regelmäßig zu? geworden ist, die zweite aber, die Verschiedenheit des Vokals würde bleiben, und diese genügt schon, um die Heranziehung jener Namen unmöglich zu machen.

Vorsichtiger äußert sich Förstemann(Ortsnamen S. 813) über den Stamm Hliun-»Ein, wie es scheint, ziemlich klar erkennbarer, dennoch aber in Bezug auf seine Deutung noch äußerst unsicherer Wort- stamm; vielleicht eine Weiterbildung von 460 Betrachten wir also dies zuletzt genannte Wort! Es heißt got. hlaivy stn. in der Bedeutung»Grabe, asd. 4l60, l60, léu, gen. hléwes, stm.»Grabhügel«, as. 4ldoο Sti., dat. hléwe»Grab«, ags. hlaez Stm., dat. hlaewe, hlawe,»Hügel, Grabhügel«. Der Plural hd.. lunmult, guos léwir vocamus. Das Wort kommt auch in einem Ortsnamen der Lüneburger Heide vor: Hradebodanlé ist das heutige Rebberlah bei Celle. Das lange ë solcher Stämme hält sich in allen Formen, während das folgende ² vor Konsonanten und im Auslaut zu o oder ²I vokalisiert wird oder ganz schwindet, z. B. as. Aréorbed »Leichenlaken« von Aréo, hréwes»Leichee, ags. Rra. ſyl»Leichenfall« von hrâ oder hraeun»Leiche«, langobard. rairaub»Leichenberaubung«e. Daß das é dieser Stämme jemals zu würde, ist völlig unerhört. Es ist also auch mit Förstemanns Erklärung nichts.

Man muß sich nach einer andern Ableitung umsehen. Es gibt im Gotischen ein Wort Rlei bra Hütte, Zelt« st., dessen dat. Sl. hlei Prm in altsächsischer Aussprache hlitherun heißen würde. Nun ist genau diese Form EHlitherun aus dem Jahre 1006 als Name eines Ortes bei Ulzen überliefert, in dem wir sofort das heutige Groß- und Klein-Liedern erkennen. Der Name bedeutet also»in den Hütten oder Zelten.«

Der Begriff»Hütte, Zelt« wird von Wulfila aber auch durch das Swwm. Rlija, acc. Hl. hlijans wieder- gegeben(Marc. 9, 5). Dieses Wort finden wir nun in den westgermanischen Sprachen als kursen Stamm wieder. Im Heliand heißt es V. 1124: T ⁴6 forlét he waldes hleo»da verließ er des Waldes Schirm, Obdache, hier haben wir ein stm. Ebenda V. 2411: Mhes waldes hlea»des Waldes Schattendach«, dies ist ein Szof Im mhd. kommt das Saf. lie, liewe in der Bedeutung»Baumkrone, Laube« vor:»Man hörte manegen vogel singen in den liewen überal. Friesisch heißt das Wort Nli, nordisch Alie. Die Angelsa hsen kennen das Wort ebenfalls, sie gebrauchen es oft als sti. in der Form 4ed. Zunächst in der Bedeutung»Obdach, Decke, Schirm, z. B. Gen.&ο on Hisses holtes hleö, oder under svegles hles»unter des Himmels Dach«. Sodann in der Bedeutung kutela, braesidium, z. B. Pät he Bone stän nime vid hungres hleä»als Schutz wider den Hungere. Endlich ist es ehrende Bezeichnung des Königs oder mächtiger Edelinge(Protector, tutor), z. B. Beow. 529. wigendra hles»der Weigande Schirm«, 7056 eorla hleb u. ä. Im ags. kommt auch die Zusammensetzung

¹) Die Lüneburger waren sich ihrer deutschen Abstammung wohl bewußzt. Es ist heuer gerade ein halbes Jahrtausend her, daß der sitzende Rat beschloß(1409), keinen Wenden zum Bürgerrechte zuzulassen, da solches wegen der Untreue dieser Leute der Stadt zu ewigem Verderben gereichen könne.