4
Damit ist aber zugleich die neuere Vermutung abgewiesen, der Name Lüneburg sei slavischer Herkunft. Diese Vermurung stützt sich auf die Tatsache, daß die Stadt bei den Wenden Glein, d. i. in älterer Form Glin»Lehmort«, hieß(zu altsl. glina Lehm). Es ist doch nicht zu bestreiten, daß auch die beiden Worte Glin und Hliuni weder in den Konsonanten noch in den Vokalen übereinstimmen. Sollte aber dieser Unterschied durch Entstellung im Munde eines fremdsprachigen Volkes erklärt werden, würde es immer wahrscheinlicher sein, daß die vollere Form Hliuni in das slavische Glin entstellt wäre, als umgekehrt.
Daß der Ort HVliuni zu der Zeit, als Karl der Große dort lagerte, ein sächsischer Ort war, geht meines Erachtens deutlich aus dem Zusammenhang der Erzählung der ältesten, gleichzeitigen Zeugen hervor.
Nun ist aber sicher, daß die Ausbreitung der Slaven im Bardengau ihre größte Ausdehnung nicht vor dem Jahre 795 gehabt haben kann, sondern erst nach diesem Jahre infolge der Schwächung und massen- haften Wegführung der Sachsen durch Karl den Großen. Nach den ann. Alamannici und Sangallenses maiores hat Karl allein im Jahre 795 die Zahl von 7070"bsides weggeführt. Damit stimmt überein der Bericht der ann. Laureshamenses vom Jahre 795: Domnus rex tamen resedens abud Bardunwih tantam multitudinem obsidum inde tulit, guantam numguam in diebus suis aut in diebus Patris sui aut in diebus regum Franchorum inde aliguando tulerunt. Da nun der Ort Hliuni seinen Namen 795 schon gehabt hat, wäre es widersinnig entgegen dem Zusammenhang der Erzählung, der den Ort als sächsisch erschemen läßt, seinen Namen aus dem Slavischen abauleiten.
Zwar sagt ein Zusatz zu den annales Petaviani.»Eodem anno interfectus fuit a Saxones Witsidus dur in Winedise, und die annales Laurissenses erzühlen:»Cum exercitu in Saxoniam ingressus est, et usgue ad fluvium Albim Pervenit, ad locum gui dicitur Hliuni, in guo tunc Witzin Abodritorum rex a Saxonibus occisus este, aber in Winedis gehört nicht zu interfectus fuit, sondern dur in Winedis bedeutet»Wendenherzog«, und das Relativum in çuo ist entweder eine ungenaue Angabe, oder es bezieht sich auf huvium. Beides geht unzweifelhaft aus den annales Einhardl hervor. Wir sind aber verpflichtet. die Angabe der ann. Lauriss. aus den ann. Einhiardi zu erklären, weil dieser Teil der ann. Lauriss. ebenfalls von Einhard herrührt. Dieser einwandfreie Zeuge berichtet nun in seinen Annalen folgendes:
.... Cum exercitu Saxoniam ingressus, Bene totam Hopulando Beragravit. Cumgue in Hagum Bardengoi Hervenisset, et iuxta locum gui Bardenwih vocatur Hositis castris, Sclavorum, guos ad se venire iu'sserat, eapectaret adventum, subito ei nuntiatum est, H itsinum, zegem Abodritorum, çum Albim traiceret in aispositas a Saxonibus insidias in ibso flumine incidisse, et ab eis esse interfectum. Quod factum animo regis ad Saxones citius debellandos velut guosdam stimulos addidit, et in odium Herhidae gentis amplius excitavit. Terra igitur magna ex Harte vastata, et obsidibus, guos dare iusserat, acceptis in Franciam reversus est. In Rac expeditione, dum castra suber Albim haberet, venerunt ad eum legali de Pannonia unius ex primoribus Hunorum, gui apud suos Tudun vocabatur.....
Also in dem Lager in der Nähe(iurta) von Bardowik, unweit der Elbe(Cupben Albim) erwartete Karl die Ankunft seiner slavischen Bundesgenossen, namentlich den Abodritenkönig Witzin, erfuhr dann aber plötzlich, daß Witzin beim Übergang über die Elbe(cum Albim traiceret) mitten im Strome(in ipso flumine) in einen Hinterhalt der Sachsen gefallen und getötet worden sei. Offenbar hatten sich die Sachsen auf einer buschbe-tandenen Elbinsel versteckt. Der südlichste Stromarm floß damals wohl nur wenig nördlich von Elba. Karl, über die»Treulosigkeit« der Sachsen empört, beschloß ein ernstes Strafgericht. Wer die Saaones citius debellandi sind, ist nach der Nennung des Bardengaus nicht zweifelhaft; zum Uberfluß sagen es die annales Laureshamenses?.... Alüi circa Haludes Albiae et in Wihmuodingas ad eum Pleniter non venerunt.... Sed et tunc omnes ad eum venientes, excepto his guos iam suhra commemoravimus, et hii gui trans Albe erant, ibsi ad eum Bleniter adhuc non venerunt, eo guod vassum domni regis HWiszzin Vegem Abotridarum occiserunt, ideo non credebant, guod in gratia eius pervenire potuissent. Es sind also die Gaue Wum die unbewohnbare Elbniederung, außer dem Bardengau und seinen nächsten Nachbargauen noch der Gau Wigmodi.
Der Bardengau erscheint hier als ein durchaus sächsischer Gau, der die strafende Hand des erzürnten Frankenkönigs besonders hart zu fühlen bekommt. Annales Petaviani-... Venitgue in Wigmotinga, deinde Bardinc Hago, vastavitgue et Subiugavit has regiones. Annal. Lauriss., Rex vero, alflictis magna en Barte Saxonibus eorumgue terra vastata, acceptisgue eorum obsidibus, in Gallias zediit.
Demnach ist der Ort Hliuni zu Karls Zeiten ein sächsischer Ort gewesen, und eine Herkunft des Namens aus dem Slavischen wäre darum aufs höchste verwanderlich. Die slavischen Spuren, die Kühnel und andere in dem ältesten Lüneburg haben erkennen wollen, sind nicht als solche zu erweisen, wie ich


