Aufsatz 
Was bedeutet der Name Lüneburg?
Entstehung
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Was bedeutet der Name Lüneburg?

Von Prof. Ludwig Bückmann.

Abkürzungen:

FN Familienname. an. altnordisch. mhd. mittelhochdeutsch. ON Ortsname. aags. angelsächsisch. germ. germanisch.

PN Personenname. engl. englisch. sl slavisch.

Igbd. langobardisch. nd. ni derdeutsch. po'n. polnisch.

lünebg. lüneburgisch. got. gotisch. 8t. stark.

as. altsächsisch. ahd. althochdeutsch. gw. schwach.

D. die Frage nach der Ableitung des Namens der Heidehauptstadt noch nicht befriedigend gelöst ist, so verlohnt es sich wohl sie noch einmal zu untersuchen. Vielleicht gelingt es diesmal eine einleuchtende Antwort zu finden, vielleicht ist diese Antwort auch sonst für die Geschichte der Landschaft nicht ohne Bedeutung.

Der Name taucht znerst im Jahre 795 auf. Zu diesem Jahre berichten die Annalisten, Karl der Große habe an einem Orte des Namens Eliuni ein Lager aufgeschlagen(et usgue ad fluvium Albim Bervenit, ad locum gui dicitur Hliuni). Diese Namensform ist durch die Ubereinstimmung der besten Handschriften (annales Laurissenses, Fuldenses, Keginonis chronicon) völlig gesichert, vereinze te Varianten(ann. Tiliani: Hluini, ann. Lauriss. S. libum,. lunis, ann. Fuld. 5. z. Se liuni) sind nicht geeignet, sie zu erschüttern, da sie auf offenbaren Lesefehlern beruhen oder die sprachgeschichtlich jüngere Form darbieten, sämtlich aber sich aus Hliuni herſeiten lassen. Da überdies die annales Laurissenses die Quelle für die übrigen sind, ist um so sicherer ein Zweifel an der richtigen Lesart ausgeschlossen.

Von der Form Hliuni also hat die Untersuchung auszugehen. sSie entspricht sprachgeschichtlich durchaus der heutigen Form»Lüne« und dem ersten Teil des Namens»Lüneburge. Der zusammengesetzte Name kommt zuerst im 10. Jahrhundert vor in fo'genden Formen: 95 Liuniburg, 959 Lhiuniburg, 905 Liuni- burch, weiter Linniburc, Liuniburh, so daß also auch in diesem Namen der Diphthong in unzweifelhaft fest- steht, ja sogar die alte Lautverbindung Nl, die bei allen deutschen Stämmen das früh eingebüßt hat, in der Schreibung h noch durchschimmert. Es kann demnach nicht geleugnet werden, daß die Namen Hliunæs und Liuniburng derselben Herkunft sind.

Ob der Ort Hliuni des Jahres 795 das heutige Lüne oder das heutige Lüneburg ist, bleibt dabei zunächst unentschieden. Es ist aber ohne weiteres klar, daß die natürliche Burg der ganzen Gegend, der Kalkherg. auch in den ältesten Zeiten Bedeutung gehabt haben muß. während die Stelle des Klosters Lüne nicht immer besiedelt gewesen zu sein braucht. Dazu kommt, daß aller Wahrscheinlichkeit nach die Solquelle schon in jenen Zeiten bekannt gewesen und benutzt worden ist. Man wird also annehmen dürfen, daß das alte Hliuni am Kalkberge gelegen hat oder gar der Kalkberg gewesen ist. Zwingend ist dieser Schluß jedoch nicht.

Soviel ist aber unbestreitbar, daß jede Erklärung des Namens Lüneburg die Form Hliuni zu Grunde legen muß, wenn sie nicht haltlos in der Luft schweben soll.

Damit ist die gängige Erklärung des Mittelalters, Lüneburg habe seinen Namen von der Mond- göttin Luna, eine Erklärung, die auch in dem Stadtwappen und im plastischen Schmucke des Marktbrannens zum Ausdruck kommt, ganz abgesehen von der Seltsamkeit, daß eine alte deutsche Ansiedlung im Sachsen- lande lateinisch benannt sein soll, auch der Form nach als unzutreffend erkannt; denn weder die Konsonanten noch die Vokale der beiden Worte stimmen überein.