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idyllen finden ſich unter der Ueberſchrift„Von Kindern und Katzen“(1876), während die Märchen„Die Regentrude“,„Bulemanns Haus“ und„Der Spiegel des Cyprianus“ (1864/65) und vor allem die Märchenperle„Hinzelmeier“(1850) in ihrer tiefſinnigen Symbolik gar nachdenkliche Geſchichten auch für die Alten ſind; eine Geſchichte für die Jugend im beſten Sinne iſt„Pole Poppenſpäler“(1874); wahr und warm, ſchlicht und erhebend iſt hier das beſcheidene Leben der Fahrenden erfaßt und dargeſtellt; hier wirkt die Kunſt erziehend, weil ſie abſichtslos ver⸗ edelt. Neckiſch und allerliebſt erzählt iſt die kleine nächtliche Szene„Venn die Aepfel reif ſind“(1856).
Wunderſame Käuze nach dem Muſter E. J. A. Hoffmanns ſtellen uns„Zerſtreute Kapitel“ (1870) in dem„Amtschirurgus“ und den„Kucheneſſern aus alter Zeit“ dar, während der Dichter in einem rührenden Porträt die Scheherezade ſeiner Jugend, Lina Wies, feſthält, denn„ſie gehört mit zu den Sternen, die über meiner Kindheit ſtanden“; das grauſigſte Bild eines in Selbſtſucht und Härte erſtarrten Menſchen von Hoffmannſcher Barockheit zeichnet uns Storm in der Novelle„Der Herr Etatsrat“(1880— 81); wie hier zwei Kinder zu Grunde gehen gleich Blumen, denen Licht und Luft fehlt, iſt mit quälender Sorgfalt erzählt, die Charakterzeichnung ſelbſt aber iſt vortrefflich, ebenſo wie die der ſeelenverwandten Sievert Janſen in der Novelle„Im Nachbarhauſe links“(1875), ſie erinnert an den unheimlichen„Bulemann“. Mit dem Daumen des Gehenkten, der dem Bier Segen bringen ſollte, ſchlägt in das Gruſelige die kleine Geſchichte Im Brauerhauſe“(1878/79) hinüber, die zugleich den Vorzug der Wahrheit hat; der alte Brauknecht iſt eine köſtliche Beſtalt.
Auch die Skizzen„Von heut und ehedem“(1873) verraten Storms Vorliebe für das Heimliche und Unheimliche und Romantiſch⸗Phantaſtiſche, für das Rokoko; Chodowiecki war der Künſtler, auf deſſen Zeichnungen er mit gewiſſer Leidenſchaft fahndete. Das Genrehafte, das Still⸗ leben aus Urväter⸗Zeiten entſprach ſeinem ſinnigen Gemütsleben,— das früh durch Kindheitseindrücke in den alten Huſumer Giebelhäuſern geweckt und mit Schauern der Dämmerung und der Nacht erfüllt wurde, wenn der Sturm vom Meer her durch die Gaſſen fuhr, daß das alte verzauberte Holz der Rokoko⸗Möbel wieder jung werden möchte, die Saaltür aufſprang, ein Klang ſchallend über die Treppen drang und„in der Kammer die Kinder mit Schrecken auffuhren und ſchlüpften unter die Decken“, wie in köſtlichſter Anſchaulichkeit das Gedicht„Sturmnacht“ es malt.—
Ueber den Reſignationsnovellen ſteht gleichſam das Motto:
Wär' ich hier nur nicht gegangen im Mail!
Leben und Liebe,— wie flog es vorbei! Durch jene weht der Hauch der Wehmut und weicher Sehnſucht; Herbheit und kräftigere Empfindung walten in den Konfliktnovellen. Ihre Reihe eröffnet„Angelica“(1855); hier wird der Liebende immer wieder von Zweifeln ergriffen und martert die Geliebte mit ſeinem Grübeln, bis er ſie verliert; es iſt die alte Heineſche Geſchichte:„Sie liebten ſich beide, doch keiner wollt' es dem andern geſtehn.“ „Auf der Univerſität“(1862) hat eine entzückende Mädchengeſtalt, Lore Beauregard, die Tochter eines franzöſiſchen Flickſchneiders, zur Heldin; ihrer Sphäre enthoben durch den Umgang mit den Honoratiorentöchtern und durch den feinen Takt ihrer ganzen Art, gerät ſie in Zwieſpalt, als ſie von der Untreue ihres Verlobten hört, und folgt dann ganz ihrem feurigen Temperament, indem ſie ein Opfer des„Raugrafen“, eines zügelloſen Studenten, wird; die Kompoſition der Novelle iſt, wie ſo oft bei Storm, ziemlich verwickelt, da ſie ſich aus Erinnerungen zuſammenſetzt; diejenigen aus der Kinder⸗ zeit, die Tanzſtunden, die Schlitten⸗ und Karuſſellfahrt, ſind Kabinettſtücke; aber die Tragik in dem Geſchicke des holden Mädchens hat nichts Zwingendes, alſo auch nichts Befreiendes.
„Von Jenſeit des Meeres“(1863) löſt den Widerſtreit, in dem eine exotiſche Mädchen⸗ blüte durch die Liebe zu ihrem Kindheitsgefährten gerät, da ſie ihre Mutter, eine Kreolin, jenſeits des Meeres zurückgelaſſen hat; noch einmal eilt ſie über die weite See, aber ſie findet alles verändert und


