Aber, wird mir eingewendet werden, einmal die Richtigkeit dieser Com- bination zugegeben, ist denn nun auch dasjenige, worauf sie sich hauptsäch- lich stützt, dass nemlich die Trachinierinnen die Heiligkeit der Ehe zum In- hale haben, richtig und der Zusammenhang, in den sie so mit den beiden an- dern genannten Dramen treten, wirklich vorhanden und nicht eine blosse Ein- bildung? Den Beweis dafür muss die nun folgende Auseinandersetzung liefern, welche zur Aufgabe hat, den aufgestellten Grundgedanken in einer nochmali- gen Betrachtung unseres Drama im Einzelnen nachzuweisen und durchzuführen; da aber meine Untersuchung durch die Beantwortung jener beiden Fragen, welche jedoch nicht übergangen werden konnten, eine unbeabsichtigte Ausdeh- nung erhalten hat und individuelle Verhältnisse mich für jetzt an der Fort- setzung hindern, so kann ich vor der Hand nur auf das! provociren, was. ich oben über diesen Punkt gesagt habe. Nur so viel sei noch ange- deutet, dass die Richtigkeit meiner Auffassung durch den Schluss der Tra- gödie auf eine, wie es mir scheint, unzweifelhafte Weise bestätigt wird. Nachdem Herakles seinem Sohne Hyllos das Versprechen abgenommen, ihn auf den Oeta hinaufzutragen und mit eigenen Händen den Scheiterhaufen anf- zurichten, fordert er von ihm die Erfüllung noch eines andern Wunsches, wo- zu sich Hyllos erst nach langem Wicderstreben versteht.
v. 1211. Herakles. Solches nun gebiet' ich dir: Nach meinem Tode, wenn du fromm zu sein gedenkst,*
Und treu dem Eide, welchen du dem Vater schwurst, 3 Nimm sie(die Jole) zum Weibe, sei gehorsam mir, o Rind! Rein andrer Mann sonst nehme sie an deiner Statt* Ilinweg die Jungfrau, die zu meiner Seite lag.
Nein du, o Jüngling, nimm sie auf als Ehgemahl!
Gehorche: wenn du Grosses mir gewährend erst
Das Rleine weigerst, ist dahin der erste Dank!
Als Hyllos sich weigert, sich mit der zu vermählen, die allein die Schuld trägt an seiner Mutter Tod und seines Vaters Leid, v. 1225., dringt IIerakles so lange in ihn,
Die Schuld der Ehre will der Sohn dem Vater nicht Zum Tode zollen. Aber, traun, der Götter Fluch Wird ewig ruhen auf dem Ungehorsamen.
bis dieser endlich nachgiebt. Ich will es thun denn, will es nicht verweigern, und Dein Werk den Göttern zeigen: denn ich werde nie Als bös' erscheinen, weil ich, Vater, dir gehorcht. Dass dies keine gewöhnliche IIeirathsgeschichte sei, wie sic unsere Dichter so häufig zum Schluss eines Drama für nöthig erachten, bedarf keiner weitern


