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Und nun vergleiche man damit den Chorgesang in der Antigone v. 777. Strophe.— 0 Eros, Allsieger im Rampf! 0 Eros, einstürmend in Heerden!(Schöll S. 135. Freibeuter des Reichthums.) Der Nachts auf schlummernder Jungfraun Zartblühenden Wangen webet. Du schweifst ob Meerfluthen, besuchst Ilirtliche Wohnstätten; Und kein ewiger Gott kann dir entrinnen, Rein Sterblicher auch, des Tages Sohn, Der Ergriffene raset. „. Gegenstrophe. In böse Schuld lockst du den Sinn Des edlen Manns, ihn zu verderben: Auch diesen Hader erregtest Du bei den verwandten Männern. Im Blick der holdseligen Braut Waltet der Sehnsucht Macht. Siegreich, die in dem Rath der höchsten Gesetze Thront; und es gewinnt im Spiel den Sieg Aphrodite kampflos.
Abgeschen davon, dass der erste der angeführten Gesänge der Situation, aus welcher er hervorgegangen ist, nicht recht angemessen ist,(inwiefern, werde ich in dem zweiten Theile meiner Abhandlung zeigen, in welchem der Gang der IHandlung und die Oekonomie des Stückes näher besprocheu werden soll) so ist auch der Gedanke weit weniger entwickelt und durchgeführt als in dem zweiten; und welche Süssigkeit athmet dieser Gesang, welche Anmuth und Grazie ist über das Ganze ausgegossen! Sie verhalten sich zu einander, wie eine allerdings immer tiefsinnige Skizze zu einem bis in die feinsten Züge ausgeführten Gemälde, und es ist unmöglich, dass ein Dichter, welcher bereits eine solche Meisterschaft und Runsthöhe erreicht hatte, wie sie der Chorgesang in der Antigone documentirt, in einer spätern Zeit den Chor der Trachinierin- nen auf diese Weise gedichtet habe; und man hat keine andere Wahl, als denselben für unächt zu erklären, was wohl Niemandem einfallen wird, oder in eine frühere Periode zu setzen, als der Genius des Dichters noch seine er- sten Flüge versuchte. Was wir hier an einem einzelnen Falle nachgewiesen haben, kehrt auch im Ganzen und Grossen wieder. IIiermit soll jedoch kei- nesweges behauptet werden, dass in den Trachinierinnen sich nicht auch schon Stellen fänden, welche die ganze Rraft und Gewalt des sophokleischen Genius offenbarten und zu dem Schönsten gehörten, was Sophokles je gedichtet; wir selbst schon haben in dieser Beziehung den Monolog des Herakles hervorgehoben und erkennen dies für die Darstellung des herakleischen Leidens überhaupt an.
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