dichten konnte, eben so wenig ist eine Elektra und Antigone vor den Trachi- nierinnen denkbar.
Ein Beispiel möge uns das Gesagte veranschaulichen. In den Trachinie: rinnen wird von dem Chore die Gewalt der Liebe besungen; ganz derselbe Gedanke findet sich in der Antigone, und obgleich das Motiv, welehes den Chor auf diesen Gedanken führt, der Natur des Süjets nach in beiden Tragõ· dieen ein verschiedenes ist, so können diese Stellen doch recht gut zu einer Vergleichung benutzt werden, da es Gesänge des Chors sind, dessen Urtheile und Aussprüche eine allemeine, objective Haltung haben und nicht, wie bei den eigentlichen Trägern der Handlung aus einem einseitigen, subjectiven Pa-
thos hervorgehen. In den Trachinierinnen spricht der Chor folgendermaassen: v. 497..
Strophe. Aphrodite's S de⸗ Siegergewalt strahlt ewig neu: Doch ich schweige Von den Göttern, und wie die bonielst Jen ERroniden, sag. ich nicht. Oder den nächtlichen Hades, Oder Poseidaon, den Landeérerschütt rer. Hier um die Sterbliche freiend, Welche Bewerber erschienen zum Streit? Umhallt Von Schlachtgetos', umweht von Staub, Traten sie vor zum Rampſe.
Gegenstrophe. Acheloos der Strom, i in des Stieres Gestalt, vierfüssig und IHochgehörnt, war's, Von der Oenier Stadt, und der Andere kam vom bakchischen Thebe daher, den gekrümmten Bogen, Wurfspeer' auch und die Reule bewegend, Sprosse von Zeus; und zusammen. Trieb sie des Bettes Begierde: des bräutlichen Genusses Göttin sass im RNreis,
Waltend allein des Rampfes.
Schlussgesang. Da scholl von der Faust, von Wuͤrfpfeilen erklang Das Getön, drein schollen die Hörner; Verschlungene Füsse. Rangen, es trafen die Stirn tödtliche Stösse; Seufzen erscholl von den Beiden. Doch voll Reizes und hold, Am ſernschimmernden Strand Sass sie, in Angst ihres Gatten harrend. Und sie schied von der Mutter eilig gleich der Einsamen Stärke.


