Aufsatz 
Die Trachinierinnen des Sophokles
Entstehung
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nicht entgehen, dass hiermit Gedanke und Form noch nicht ihre volle gegen- seitige Durchdringung gefunden hatte, und dieses Bewusstsein liess ihn nicht cher ruhen, als bis ihm dies gelungen war; und so trat er in das Stadium, was er als das»Haνεᷣτaτον al«ricro bezeichuet. Schen wir nun die Tragõ- dieen des Sophokles näher darauf an, so haben wir schon bemerkt, dass die meisten Anklänge an dieses ziενν να*d uardrexvo in den Trachinierinnen enthalten sind, woraus hervorgeht, dass diese zu einer Zeit abgefasst sein müssen, als er noch nicht lange in das letzte der bezeichneten Stadien eingetreten und sein Gang auf diesem ungewohnten Boden noch etwas unsicher war, während Elek- tra und Antigone schon eine sicherere Haltung und grössere Festigkeit zeigen. Und diese Wahrnehmung ist es nun, welche mich bestimmt, von der herrschen- den Ausicht, dass Antigone die erste der erhaltenen Tragödieen des Sophokles sei, abzuweichen und die Trachinierinnen dafür zu erklären, ohne dass ich je- doch, wie schon bemerkt, die Zeit der Abfassung genauer zu bestimmen wagte. Mancher wird zwar fragen: was ist damit weiter gewonnen? warum so viet Geschrei um ein so unbedeutendes Resultat? und in seinem Innern vielleicht an das horazische parturiunt montes denken. Ich glaube, viel ist gewonnen und gerade eben so viel, als wenn ich die Zeit der Abfassung bis auf ein IIaar bestimmt hätte. Sollen überhaupt derartige Untersuchungen einen Sinn und eine Bedeutung haben, so darf ihr letzter Zweck nicht der sein, eine todte Kenntniss dieser oder jener chronologischen Bestimmung zu verschaffen, denn damit wissen wir noch sehr wenig oder eigentlich gar Nichts, sondern sie mäs- sen uns zur lebendigen Erkenntniss und Anschauung von der Genesis eines Genius in ihrem organischen Zusammenhange verhelfen. Dies ist ein Ziel der edelsten Bestrebungen würdig. Dadurch verliert das einzelne Erzeugniss eines Genius den Character des Einzelnen und Zufälligen, den es sonst immer be- halten muss, und dann erst, wenn es als ein lebendiges Glied eines Ganzen gefasst wird, ist ein wahrhaftes Verständniss desselben und somit ein richtiges Urtheil möglich. Vielleicht habe ich so den richtigen Standpunkt gefunden. von dem aus unser Drama zu beurtheilen ist. Es bedarf wohl keiner Versi- cherung, dass ich selbst das Unsichere eines solchen Schlusses am lebhaftesten fühle, da ich recht wohl weiss, welch' innige Vertrautheit mit einem Schrift- steller dazu gehört, um ein nur einigermaassen sicheres Urtheil über seinen Stil zu fällen, diese aber zu besitzen ich mir keinesweges einbilde, und dieser Umstand allein würde mir auch nicht den Muth gegeben haben, diese Frage entscheiden zu wollen, wenn nicht noch etwas Anderes ergänzend und bestäti- gend hinzugetreten wäre und ein unerwartetes Licht auf meine Ansicht gewor- fen hätte.

Es ist die überraschende Entdeckung, dass die drei genannten Drameun.