Aufsatz 
Die Trachinierinnen des Sophokles
Entstehung
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setzt die Abfassung der Trachinierinnen in das erste Jahrzehnt des peloponne- sischen Rrieges, c. 425, mit welchem Rechte, werden wier erst beurtheilen kön- nen, wenn er sein gegebenes Versprechen erfüllt haben wird; denn die dort gegebenen Andeutungen sind zu kurz und von ihm selbst zu hypothetisch hin- gestellt, als dass sich aus denselben ein sicherer Schluss ziehen liesse. Vor- läufig sei es mir erlaubt, meine Ansicht hierüber auszusprechen. Ieh gestehe nicht einzuschen, wie die unvollkommnere Gestalt unseres Stückes, welche nicht weggeläugnet werden kann, mit dieser Annahme sich vereinigen lässt. Sophokles stand damals in der schönsten Blüthe seines Lebens und seiner geistigen Entwickelung und war hbereits mit weit vollendetern Tragödieen, als die Trachinierinnen sind, auſgetreten, und man könnte sonach diese Ercheinung nur aus einem Nachlassen seiner productiven Rraft erklären, was mir jedoch den Gesetzen geistiger Entwickelung zu widersprechen scheint und auch durch die spätern, die IIerrlichkeit des sophokleischen Genius immer reicher und voller entfaltenden Tragödieen widerlegt wird. Dies ist es, was mir die angegebene Zeitbestimmung unwahrscheinlich macht; ich bin vielmehr mit Gruppe ¹) der Ansicht, dass die Trachinierinnen einer weit frühern Lebenspe- riode unsers Dichters angehören, ohne dass ich jedoch das Jahr, welchem sie wohl angehören mögen, zu bestimmen wagte. Nur so viel scheint mir gewiss. dass sie die erste der noch erhaltenen Tragödieen des Sophokles sind, und zwar aus folgenden Gründen. Mit Recht haben die Gelchrten aufmerksam gemacht auf die Aehnlichkeit, die in manchen Dezichungen zwischen den Trachinierinnen und noch zwei andern Dramen unsers Dichters Statt findet, der Elektra und der Antigone. So kommt unser Stück mit der Elcktra darin überein, dass es, wie diese, keine Bezichung auf vaterländische Zustände hat, 2) mit der Anti- gone in der Form der Handlung; ³) doch diess sind Einzelnheiten und Aeus- serlichkeiten und der Grund davon kann leicht in einem blossen Zufalle lie- gen. Bedeutender schon ist, was so viel ich Weiss noch Reiner vor mir be- merkt hat, dass in diesen drei Dramen Frauen der Ilebel der Ilandlung sind, Während sie in den übrigen fast ganz in den Ilintergrund treten; aber auch dies könnte man noch als etwas Zufälliges anschen; ob mit Recht, wird sick weiter unten zeigen. Das aber kann kein blosses Spiel des Zufalls sein, dass diese Dramen ein gleiches Gepräge des Stils tragen und dass ihnen eine ge- wisse Rünstlichkeit und gesuchte Schwierigkeit, die Sophokles an sich selbst tadelte, gemeinsam ist; Ajas und Philoktet, so wie die Oedipe dagegen zeigen

¹1) Ariadne, S. 268. ) Schöll, Sophokles, S. 253. ) Süvern, S. 22.