Contrast recht fühlbe zu machen, beweist ganz deutlich die Wendung, welehe die Rede von v. 1093 mit den Worten nimmt: . Nun starren, wie zerrissen u. s. w.
Dieser Monolog ist, um dies noch beiläuſig zu erwähnen, eine der schön- sten Blüthen der sophokleischen Poesie, dem ich an Gewalt des erschütternden Eindrucks nur den aus Rönig Lear an die Seite zu setzen wüsste; um so räthsel- hafter ist das Urtheil von Jakob, 1¹) der bei der Sebildertap des herakleischen Leidens nur Schauder empfanden zu haben erklärt.
Ueberblicken wir von dem gewonnenen Standpunkte aus noch einmal unser Drama, so finden wir, dass Eine Idee den ganzen Rörper durchdringt, und dass die beiden Theile desselben, welche nach den andern Ansichten nothwen- dig auseinanderfielen, sich jetzt zu einem kunstreichen und lebendigen Ganzen zusammenschliessen, in welchem der eine durch den andern getragen und be- dingt ist.
Ich gehe nun zur Beantwortung einer andern ungleich schwierigern Frage über, die zwar meinem Zwecke ferner zu liegen scheint, die aber bei unserm Stücke gerade um so weniger übergangen werden darf, da sie eine Lebens- frage für dasselbe ist, ich meine die Frage nach der Zeit der Abfassung. Be- stimmte Nachrichten darüber fehlen gänzlich und wir sind bei Beantwortung derselben lediglich auf das unsichere Gebiet der Vermuthungen gewiesen; auch das Hülfsmittel, welches die andern Tragödieen des Sophokles bieten, nemlich die Bezichung auf Zeitverhältnisse, ist uns hier entzogen,„da die Trachinie- rinnen nicht, wie die übrigen erhaltenen Dramen für uns wenigstens einen merklichen Zusammenhang mit vaterländischen Zuständen haben.“ 2) Zwar hat Jakob ³) in den Worten des Chors v. 1102. und 5.
Unselig Hellas, welches Leid kommt über dich, Wohl seh' ich's, wenn dir dieser Mann entrissen wird, eine Beziehung auf die Rrankheit, an welcher Perikles damals darniederlag und in der Folge auch starb, zu entdecken geglaubt und darnach die Auffük- rung in Ol. 37, 4. gesetzt, aber Hermann 4⁴) und Schöll ³) verwerfen diese Vermuthung, und letzterer aus dem entscheidenden Grunde, dass die IIellenen. die an Perikles den heftigsten Gegner hatten, anstatt dessen Tod zu beklagen, sich vielmehr zu seinem Hingange Glück wünschen mussten. Schöll selbst ¹)
1) Qudest. soph. p. 280 u. 81.
2) Schöll, Sophokles. Sein Leben und Wirken. S. 253.
3) Quaest. Soph. p. 285.
4) Pracſ. VIII. Ueber Hermann's Ansicht vgl. die Anmerkung zu v. 818- 5) Sophokles, 8. 234. Anmerkung 110.
“) Sophokles, S. 236. Anm. 112.


