Aufsatz 
Die Trachinierinnen des Sophokles
Entstehung
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würde,(er musste vielmehr sagen, dem ganzen Drama) allein die Gründe, welche er beibringt, um das Verfahren des Dichters zu rechtfertigen und des- sen Absicht klar zu machen, sind nicht geeignet, die Verfechter jener Ansicht irgendwie irre zu machen oder gar zu widerlegen. Die richtige Stellung in dem Drama gewinnt Ierakles erst durch unsere Auffassung, und wo wir früher ein gewisses Unvermögen zu sehen glaubten, da bewundern wir jetzt die weise Mässigung und Besonnenheit des trefflichen Dichters, der nicht verlockt durch bethörende Sirenenstimmen mit unverwandtem Auge seinen Lauf nach dem vorgesteckteu Ziele hinrichtet. Iier lag allerdings eine gefährliche Rlippe, an der mancher, nicht etwa blos unbegabte Dichter gescheitert sein würde; gereizt von der überreichen Fülle des Stoffes würde er ohne Wahl und Ueberlegung mit gierigen Händen hineingegriffen und so das Ganze effectreichen Einzelnhei- ten und glänzenden Schilderungen der heroischen Grösse des IIerakles zum Opfer gebracht haben; wofür wir nur den Euripides als Beweis anführen wol- len. Nicht so unser Dichter. Er vermeidet vielmehr recht gellissentlich Alles, was dem Ieros ein höheres, durch die dem Drama zu Grunde liegende Idee nicht motivirtes Interesse zuwenden könnte; und dass selbst jene Stelle v. 1079 IHHänd' ihr Hände, weh,

0 Brust, o Rücken! Ihr geliebten Arme hier,

So waret ihr dieselben, die den Löwen einst,

Das Graun der Hirten, das gehaus't bei Nemea,

Das Ungethüm, unnahbar, unbesänftiget,

Die IIydrabrut von Lerna mit Gewalt erlegt,

Der Ungeheuer Zwitterheer von Mann und Ross,

Frech, aller Zucht vergessen, übermüthig stark,

Erymanthos Unhold und den unterirdischen

Unüberwindlichen Beller mit dreifachem Schlund,

Das Graungezücht Echidna's und den Drachen, der

Die goldnen Aepfel hütet' an der Erde Saum?

Ich habe tausend andre Mühn gekostet noch,

Und Reiner hat Siegzeichen mir zum Schimpf erhöht.

Nun starren, wie zerrissen, IHaut und Glieder mir,

Ein ungeschnes Wehe zehrt mich Armen aus,

Mich, den sie preisen als der besten Mutter Sohn,

Als Sohn Rronion's, welcher bei den Sternen thront. dass selbst diese Stelle, sage ich, wo Herakles noch einmal sein ganzes thaten- reiches Leben vor seinem Geiste vorübergehen lässt, nicht zur Verherrlichung des IIeros, wie Süvern ¹) meint, bestimmt sei, sondern um uns die ganze Hin-

Cülligkeit selbst der gewaltigsten menschlichen Grösse durch den furchtbaren

¹1) Süvern, über einige historische und politische Anspielungen in der alten Tragödie; Ab- handlungen der Berliner Akademie, 1824 S. 22.

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