Aufsatz 
Die Trachinierinnen des Sophokles
Entstehung
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und mit einer unaufgelösten Dissonanz schliessen sollte. Herakles hatte aus Leidenschaft für die Jole 152 v. 353. als er ihren Vater nicht beredete, Die Tochter ihm zu geben zur geheimen Lust,)] Oechalia zerstört und jenen mit seinem ganzen IIause erschlagen; und nun v. 564. schickt er sie(Worte des Boten zur Deianeira) Nach eurem IIause, nicht ohn' Absicht, edle Frau, Nicht als die Sclavin: das erwarte nimmermehr! Wie wär' es möglich, ist er doch in Lieb' entbrannt?

Eine mächtige, alle Tiefen der Scele aufwühlende Leidenschaft hat ihn er- griſfen, und diese reisst ihn so über alle Schranken, dass er, um sie zu befrie- digen, sowohl die ihm von Zeus zum Heil und Segen der Menschheit ver- liehene Heldenkraft missbraucht, als auch die heilige Ordnung der Familie auf- opfert und mit Füssen tritt.

v. 555. Nicht eine Jungfrau(spricht die Deianeira) glaub' ich, nein es War ein Weib Das ich ins Haus nahm, wie der Schiffer eine Last, Die bittre Frucht der Schande für mein liebend Herz. Und jetzo harren beide wir in einem Bett Zu ruhn in seinen Armen! Dies gab Heralles, Der uns der Edle, Treue stets geheissen war, Für seines IIauses lange Zucht zum Lohne mir.

547.* Ja dieses fürcht' ich: mein Gemahl wird Herakles Fortan geheissen und der Mann der jungen Frau.

Diese Schuld des Herakles kann und darf nach den Gesetzen tragischer Composition nicht ungestraft bleiben, indem sonst der sittliche Geist sich als kraftlos und ohnmächtig im Rampf mit den unfreien Trieben und Leidenschaf- ten des Menschen gezeigt hätte, die Tragödie aber eine Verherrlichung dieses Geistes ist als der absoluten Macht, welche über dem Leben waltet; und so ist denn die nach dem Tode der Deianeira noch folgende Exposition nothwen- dig gefordert.

Damit fällt aber auch der andere Vorwurf, welcher von denen, welche den Herakles zur Hauptperson machen, gegen den Dichter erhoben wird, nemlich dass der IIeros nicht bedeutend genug hervortrete, zusammen. Es ist ein IIieb in die Luft, welcher den Dichter gar nicht trifft. Schon Jakob ¹) hat im All- gemeinen richtig bemerkt, dass der Dichter mit Absicht dem Herakles keine bedeutendere Rolle zugewiesen habe und dass er im entgegengesetzten Falle wenigstens der letzten Hälfte des Drama eine andere Gestalt gegeben haben

1) Quaest. soph. pag. 279.