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lichen Mächten des Lebens, deren Verletzung Verderben auf den, der mit fre- velnder IIand an dieser heiligen Ordnung zu rütteln wagt, herabziehe. Hlier stehen wir, wie ich glaube, ganz auf dem Boden sophokleischer Denk- und Empfindungsweisc. Durch diese Auffassung sind wir zugleich auf einen Stand- punkt gestellt, von dem aus sich mehrere unser Drama betreffende Fragen auf eine wahrscheinliche Weise lösen und die widersprechenden Urtheile der Ge- lehrten vereinigen lassen, und ehe wir noch jenen Gedanken in einer nochma- ligen Betrachtung des Stückes bewähren, müssen erst diese Vorfragen, wel- che aber für unser Drama recht eigentlich Hauptfragen sind, erledigt werden. Welches ist die Hauptperson des Drama? Deianeira, antworten die Einen, Herakles die Andern; wir stehen ungewiss, wie Hercules am Scheidewege, wem von beiden wir die Ehre geben sollen. Folgen wir den Ersteren, so muss uns die nach dem Tode der Deianeira noch folgende Exposition der Hand- lung als matt und überflüssig erscheinen, da mit diesem Tode unser Interesse erschöpft ist; denn durch eine Vergleichung mit der Handlung im Ajas wird wohl Niemand das Verfahren des Dichters rechtfertigen wollen; treten wir auf die Seite der Letzteren, so entdecken wir mit Erstaunen und Befremden, dass Herakles eine doch gar zu untergeordnete Rolle spielt, um als Hauptperson gelten zu können, wie dies auch schon von Hermann bemerkt ist. 1) Wollte der Diehter diesen zur Haupt- person machen, so musste er ihn ganz anders hervortreten lassen, als es hier gesche- hen ist. Wohin wir uns wenden, überall Zweifel und Anstoss. Hätte Schlegel doch nicht so ganz Unrecht, wenn er die Aechtheit unseres Drama in Zweifel zog? Oder wäre die productive Rraft des Dichters mit einem Male so erlahmt, dass er nicht vermocht hätte, den Stoff zu einem kunstreichen Ganzen zu gestalten, dass die Ausführung so weit hinter seinen Intentionen zurückblieb? ²2) Rei- neswegs; der Dichter ist in seinem guten Recht. Meine Verehrung und Liebe zu Sophokles hat mich nicht so befangen und verblendet, dass ich die einzel- nen Flecken an dem Rörper dieser Tragödie nicht bemerkt hätte, und ich gebe
1) Trachinide ed. Hermann praef. N. Unde eonsequi necesse erat, ut quum consilio poetae persona principalis esse debeat, re tamen et facto eas partes sustineat Deianird.
2) O. Müller, Geschichte der griech. Literatur, II, 124, welcher der gruppe’'schen Auffassung folgt, leitet diese Erscheinung aus einem gewissen Conflicte zwischen dem Mythos und den Intentionen des Dichters her. Damit sind wir aber um nichts gebessert, sondern wir ge- rathen nur in eine neue Verlegenheit. Sollte dem besonnenen, dem, seiner Mittel so kundigen, seines Zweckes sich stets so bewussten Dichter,„von dem das horazische, qur nil molitur inepte, im besten Sinne gilt“(Worte Wober's in der Recension von Thu- dichum's Uebersetzung) die Inconvenienz des Stoffes entgangen sein? Würde er bei dem unerschöpflichen Reichthum der Mythen nicht entweder nach einem passendern gegriffen, oder diesen, falls er ihn für den passendsten hielt, mit kunstvoller Hand seinem Zwecke gemäss umgeformt haben, wie er es z. B. in der Elektra gethan? Ganz gewiss,


