Aufsatz 
Die Trachinierinnen des Sophokles
Entstehung
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gebenen Proben werden vollkommen hinreichen, das von mir ausgesprochene Urthcil zu begründen.

Nicht besser steht es um Gruppe's Sache, wo es sich um Bestimmung des Grundgedankens handelt, da ihn seine Ansicht von dem Wesen der sophoklei- schen Runst, welche nemlich darin bestehe, dass der IHeld unverdient leide und nur die Illusion der Schuld für ihn entstehe, während er in der That unschul- dig sei, nothwendig auf Abwege führen muss. ¹) Leid aus Liebe soll das rührende Thema sein und die ganze Poesie des Stückes darin liegen, dass keine wirkliche Schuld auf der Deianeira laste, sondern von Anschein der Schuld nur so viel, dass sie sich darum Unruhe und Angst und dass die an- dern ihr darum Vorwürſe machen und ihr den Tod zuzichen können. Aber gesetzt auch, auf der Deianeira laste keine Schuld, ihr Leiden sei ein unschul- diges, was jedoch keinesweges so ist, Herakles wenigstens leidet nicht unschul- dig, sein Leiden und Tod ist eine Busse und Strafe; so sieht es der Chor an und auch IIerakles selbst, wenn er es auch nicht direct ausspricht.

Die negative Haltung, die wir eine Zeitlang annehmen mussten, nun auf- gebend, wenden wir uns zu dem positiven Theile unserer Darstellung und ver- suchen die Grundidee, welche unser Stück belebend und einigend durchdringt. aufzufinden. Es ist dies nicht so schwierig, wie es scheint: der Dichter selbst hat dieselbe an mehreren Stellen ziemlich unverhüllt durchschimmern lassen. und wir brauchen uns nur dessen leitender Hand zu überlassen, um nicht fehl- zugehen. Der Chor, auf dessen Aussprüche vorzüglich ein Gewicht zu legen ist, da er über dem einscitigen Pathos der Handelnden steht, spricht v. 335 folgende:

Es ergoss sich(o Götter) ein Uebel, wie nie von dem Feinde selbst

Rronion's hohen Sohn

Ein thränenwürdiges Loos umfing.

WMeh, düstrer Speer, voranherrschend im Rampfgewühl

Weh, der du die hurtige

Jungfrau von Occhalia's

IIochragender Burg entführt!

Wohl helfend erschien Rypris dir, welehe der Licb' heimlichen Bund knüpffe.

und dann v. 889. Wohl, ja wohl gebar Diese jüngst erkorne Braut Einen schweren Fluch dem Hause.

und leitet also, wie wir deutlich sehen, das Verderben, Welches über das he- rakleische IIaus hereingebrochen, davon ab, dass Herakles eine neue Gattin seinem IHIause zuzuführen im Begriff ist, und nach diesen Andeutungen bestim- men wir den Grundgedanken des Drama dahin, die Ehe sei eine von den sitt-

1) Vischer: Ueber das Erhabene und Komische, vergl. 2. B. S. 118. S. 105 u. s. w.