Aufsatz 
Die Trachinierinnen des Sophokles
Entstehung
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mit Aufmerksamkeit wenigstens hat es sie nicht gelesen, und insofern wäre es für ihn und die Sache zuträglicher gewesen, er hätte die Ungeduld(Vorrede pag. XII.) seine Ideen an den Mann zu bringen, gezügelt, um sich nicht sol- cher Fehlgriffe schuldig zu machen. Denn den Anspruch auf Nachsicht hat er verwirkt, da er selbst sich nicht gescheut hat, die schneidendsten und scho- uungslosesten Urtheile über Männer von den höchsten Verdiensten, wie Mi- chelet, Schlegel und Solger auszusprechen. Es kann natürlich nicht meine Absicht sein, mich hier auf eine weitläuſige Widerlegung aller dieser Irrthü- mer einzulassen(denn dazu gehörte eine besondere Abhandlung) aber ganz un. erwähnt dürfen dieselhen nicht bleiben, damit mein Urtheil nicht als ein un- motivirtes erscheine, und so hebe ich denn Einzelnes heraus, wie es sich mir gerade darbietet.

S. 180. sagt er: sobald IIyllos(2) abgeschiekt ist mit dem Gewande, so- bald Deianeira in ihrem liebenden IIerzen Böses fürchtet und ahnt, so ist der Chor nicht nur mit Aengstigungen und Besorgnissen, sondern auch mit Vor- würfen da, um die ganze Last jenes Conflictes anf das leidende IIerz zu wer- fen, ganz ähnlich als wir den Philoktet von dem Chore bedauert, aber doch den Neoptolemos zur falschen unbarmherzigen That, die er dem Odysseus ge- lobt, ermahnt werden sehen. Von alledem, mit Ausnahme dessen, was die Furcht der Deianeira betrifft, stellt auch kein Wort im Sophokles, vielmehr sucht der Chor durch freundliches Zureden die ängstliche Besorgniss der Deia- neira zu beschwich tigen. Die hierher gehörige Stelle findet sich v. 720. folgende:.

Chor. Wohl ist es nöthig, sich zu scheun vor arger That: Doch richte Hoffnung vor der That Erfolge nicht. . Deianeira. O bei verkehrten bösen Unternehmungen Ist nicht die IIoffnung, die Vertrau'n und Muth gewährt. . Chor.

Doch straft den unfreiwillig arglos fehlenden Gelinder Vorwurf; also ziemt es dir von ihm.

und dann etwas später v. 310., als Deianeira nach der Schilderung des hera- kleischen Leidens durch IIyllos schweigend die Bühne verlässt, spricht der Chor die erschütternden Worte: Was gehst du schweigend? Weisst du nicht, indem du schweigst, Bekennst du selber, wessen er dich angeklagt? die aber ebensowenig einen Vorwurf enthalten, wie die vorhergehenden, son- dern eine Aeusserung des tiefsten Seelenschmerzes und des innigsten Mitgefühls für die unglückliche Deianeira sind. Wie muss der den Dichter gelesen und