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ranf kann doch in der That nichts ankommen, obwohl Solger, wenn ich recht sehe, die reinigende und läuternde Rraft des Feuers im Auge, gerade dadurch sich zu dieser Annahme bestimmen liess, weshalb er auch einen besondern Ac- cent auf die Worte„durch die Flamme“ legt. Im Uebrigen hat bereits Gruppe in seiner Ariadne ¹) die innern Widersprüche der Solger'schen Ansicht nachgewiesen und richtig bemerkt, dass die Vorstellung von dem Ablegen des irdischen Theils eine dem antiken Bewusstsein fremde und unangemessene ist, wiewohl ich mich mit dem Tone, in dem dies geschehen ist, nicht einverstan- den erklären kann.
Ganz unhaltbar ist die Meinung von Jakob 2²) welcher den Grundgedanken dahin bestimmt, dass der Dichter, theils qurch eigene Erfahrungen auf dem Gebiete der Liebe, theils durch die damals in Athen herrschende Sittenverderb- niss bewogen, die verderbliche Gewalt der Licbe habe darstellen wollen, eine Meinung, die sowohl das ästhetische als sittliche Gefühl verletzt und wohl schwer- lich geeignet ist, Jemandes Zustimmung zu erlangen. Dieser Gedanke, wenn man eine so abstracte Reflexion mit diesem Namen belegen darf, ist zu be- schränkt, um einer Tragödie, welche es mit Ideen von allgemein sittlicher Be- deutung zu thun hat, als Grundgedanke dienen zu können und cignet sich bei weitem eher für die didaktische Pocsie, deren eigentlicher Zweck die Hervor- hebung solcher moralischer Sätze ist, als für das Drama. Und einmal ange- unommen, von dem ästhetischen Standpunkte aus wäre diese Ansicht richtig, es Wäre wirklich die Intention des Dichters gewesen, die verderbliche Gewalt der Liebe darstellen zu wollen, muss sich nicht unsere innerste Empfindung empö- ren, muss nicht unser ganzer Unwille rege werden gegen einen Dichter, dessen sittliches Gefühl sich so weit verirren konnte, dass er die heilige Empfindung der Liebe einer Deianeira zu ihrem Gatten,(denn diese ist nach Jakob die Hauptperson) missbrauchte, um das Verderbliche eines unsittlichen Triebes dar- zuthun? Ich weiss recht wohl, dass es nicht in Jakob's Absicht gelegen, einen solchen Vorwurf gegen den Sophokles, den er ja auch mit ganzer Seele ver- chrt, auszusprechen; aber es ist eine nothwendige Consequenz seiner Auffas- sung, und diese schon aus diesem einzigen Grunde zu verwerfen.
Noch bleibt uns übrig, die Ansicht Gruppe's zu beleuchten, der in seiner Ariadne ³) den Trachinierinnen eine ausführlichere Besprechung gewidmet hat. Diese Darstellung leidet an grosser Unklarheit und ist so voller Irrthümer und willkürlicher Voraussetzungen, dass man sich für den ersten Augenblick ver- sucht fühlt zu glauben, der Verfasser habe diese Tragödie gar nicht gelesen;
1) S. 189. 2) Quaestiones Sophocleue, pag. 271. ³) S. 179— 89.


