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würdig geschildert. Aber hierin hat Schlegel geirrt und vielfache Bedenken sprechen gegen diese Auffassung. Wollen wir auch nicht weiter urgiren, dass der Leichtsinn als dramatisches Motiv aus der Tragödie in die Romödie zu verweisen sei, der Character der Deiancira ist von Schlegel ganz falsch aufge- fasst, nirgends entdecken wir auch nur die geringste Spur von Leichtsinn. Wie hätte auch der Dichter die innige Liebe zu dem Gatten, die treue Sorgfalt für die Rinder, die Mässigung und Besonnenheit in Freud' und Leid, das Mit- gefühl für das Unglück der Gefangenen und den Leichtsinn zu einem Gesammt- bilde vereinigen können, ohne dasselbe sogleich mit eigener Hand wieder zu zerstören; und selbst da, als sie im Begriff ist, das todbringende Gewand an IIerakles abzusenden, theilt sie ihren Entschluss vorher dem Chore mit und macht seine Ausführung von dessen Entscheidung abhängig. v. 379— 34.
Wohl hab' ich böse Rünste nie zuvor gelernt.
Noch möcht’' ich lernen, wer sie wagt, ist mir verhasst.
Doch wenn ich dieses Mädchen durch Bezauberung,
Durch Listen bei IIerakles überwinden kann,
So ist das Werk vollendet, wenn es etwa dir
Rein eitles Werk scheint; anders lass' ich ab davon.
Und einmal die Richtigkeit der schlegel'schen Auffassung zugegeben, wo findet ein einleuchtender Zusammenhang zwischen diesem Leichtsinn und dem Leiden des IHerakles Statt? dieses wäre so in einem rohen, sinnlosen Zufalle gegründet, wie er wohl im wirklichen Leben sich hundertfach wiederholt, der aher deswegen nicht in die Tragödie gehört, weil hier das äussere Unglück des Ilelden aus dem sittlichen Verhalten desselben hervorgehen muss.
Eine tiefere Deutung hat Solger 1) den Trachinierinnen zu geben ver- sucht; er sagt:„der Sohn des Zeus selbst, IIerakles, nachdem er einmal mensch- lich geboren, konnte diesem allgemeinen Schicksale nicht entgehen und musste, um zur Gottheit zu gelangen, sich, den Meuschen, erst von Grund aus durch die Flamme verlilgen.“ Auch diese Ansicht ist unrichtig. Der Dichter hat es auf Nichts weniger abgesehen als auf eine Verklärung und Verherrlichung des Ielden, was überhaupt nie der Zweck der Tragödie ist, ²) im Gegentheil, menschliche Ohnmacht und Iinfälligkeit tritt in dem erschütterndsten Bilde vor unsere Augen, und das Leiden und der Untergang des Herakles ist eine Busse und Strafe für die Verletzung der sittlichen Ordnung. Mit demselben Rechte könnte man auch in dem Tode des Ajas eine solche Verherrlichung finden wol- len, eine Ansicht, gegen die gewiss Solger selbst den entschiedensten Protest würde eingelegt haben; denn dass IIerakles auf dem Scheiterhaufen stirbt, da-
1) Vorrede zur Uebersetzung pag. XXVII. 2) Vischer, über das Erhabene und Komische, S. 87.


